Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Umfrage: Welche Rolle spielen Menschen mit Migrationshintergrund auf dem Arbeitsmarkt?

Rund 6000 Menschen demonstrierten am 27. Januar in Kaiserslautern gegen Rechtsextremismus.
Rund 6000 Menschen demonstrierten am 27. Januar in Kaiserslautern gegen Rechtsextremismus.

Die Pläne rechtsextremer Kräfte, Menschen mit Migrationshintergrund abzuschieben, sorgen derzeit für Entsetzen. Wir haben Kaiserslauterer Unternehmen und Institute gefragt, welche Rolle diese Arbeitskräfte in der Stadt spielen und was passieren würde, wenn sie nicht mehr da wären.

Bei einem Geheimtreffen im November vergangenen Jahres in Potsdam haben rechtsextreme Kräfte unter anderem darüber diskutiert, Menschen mit Migrationshintergrund im großen Stil abzuschieben. Dies hat die Arbeit des Recherchenetzwerks Correctiv gezeigt. Seit Wochen gehen Demokraten in ganz Deutschland gegen diese Pläne auf die Straße, in Kaiserslautern waren es vor zwei Wochen 6000 Menschen. Nun nehmen Kaiserslauterer Unternehmen und Institutionen in einer RHEINPFALZ-Umfrage Stellung.

Leitfaden waren vier Fragen: Welche Rolle spielen Arbeitskräfte mit Migrationshintergrund in Ihrem Unternehmen? Was würde passieren, wenn sie nicht mehr da wären? Spielt die politische Diskussion bei Ihren Mitarbeitern eine Rolle, gibt es deswegen Verunsicherungen in der Belegschaft? Wie positionieren Sie sich als Unternehmen zur aktuellen Diskussion? Hier sind die Antworten.

Westpfalz-Klinikum

„Unter unseren mehr als 4000 Mitarbeitenden sind mehr als 70 Nationen vertreten. Zum Beispiel bereichern zahlreiche Kolleginnen und Kollegen aus Italien, Rumänien, Serbien oder Albanien die Teams an unseren Standorten in Kaiserslautern, Kusel, Kirchheimbolanden und Rockenhausen. Das macht die Arbeit in unserem Haus vielfältig, bunt und interessant.

Wir schätzen als Unternehmen die Perspektiven und Hintergründe, die jeder Einzelne mitbringt. Diese Vielfalt bereichert nicht nur unsere Arbeitsatmosphäre, sondern stärkt auch unsere Fähigkeit, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Herausforderungen unserer Patientinnen und Patienten einzugehen.

Wären diese Arbeitskräfte nicht mehr da, würden uns rund 500 qualifizierte, engagierte und geschätzte Kolleginnen und Kollegen fehlen, die einen wichtigen Beitrag zur medizinischen Versorgung der Menschen in unserer Region leisten. Ob in der Orthopädie, der Chirurgie oder der Inneren Medizin – unsere Mitarbeitenden aus anderen Herkunftsländern sind fester Bestandteil unseres Teams und nicht wegzudenken. Das Westpfalz-Klinikum ist bunt und soll auch bunt bleiben.

Die politische Diskussion geht uns alle an und macht uns alle betroffen – unabhängig von unserer Nationalität. Für uns steht fest, dass wir einander brauchen und nur gemeinsam unserem Auftrag als Gesundheitsversorger gerecht werden können. Zusammen sorgen wir dafür, dass unser Krankenhaus ein Ort ist, an dem sich jeder willkommen und respektiert fühlen kann. Wir stellen uns gegen jegliche Form von Rechtsextremismus, Diskriminierung und Intoleranz.

Im Westpfalz-Klinikum bekennen wir uns voller Überzeugung zu den grundlegenden Werten von Demokratie und Vielfalt. Unser Unternehmen steht für Offenheit, Respekt und Toleranz gegenüber allen Menschen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion, Hautfarbe oder sexueller Orientierung.

So unterschiedlich wie unsere Mitarbeitenden sind, so unterschiedlich sind auch unsere Patientinnen und Patienten, die aus nahezu allen Herkunftsländern kommen. Für die medizinische Versorgung eines Menschen ist es nicht wichtig, wo man herkommt, welche Muttersprache man spricht oder welche Hautfarbe man hat. Es ist wichtig, dass man die Bedürfnisse der Menschen die Hilfe benötigen erkennt und versteht.

Unser Auftrag besteht darin, allen uns anvertrauten Patientinnen und Patienten mit dem gleichen Maß an Respekt gegenüberzutreten und die Menschenwürde zu wahren.“

Dennis Kolter, Abteilung Unternehmenskommunikation des Westpfalz-Klinikums.

Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM

„Am Fraunhofer ITWM leben wir Diversität, haben Mitarbeitende aus vielen verschiedenen Ländern und sind international vernetzt – Wissenschaft und Wirtschaft können nur so funktionieren. Diese menschlichen und kulturellen Bereicherungen sind für unsere Gesellschaft wichtig. Außerdem fehlen uns in Deutschland Fachkräfte, auch im akademischen Bereich und auch bei uns am ITWM. Die Frage nach Remigration oder ähnlich abstrusen Bestrebungen stellt sich uns daher überhaupt nicht. Wir begrüßen die Kundgebung für Solidarität, Vielfalt und Demokratie am 27. Januar ausdrücklich.“

Professor Anita Schöbel, Leiterin des Fraunhofer-Instituts für Techno- und Wirtschaftsmathematik.

Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU)

„Die politische und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den rechtsextremen Überlegungen zu Massenabschiebungen, haben unseres Wissens nach aktuell keinen unmittelbaren Einfluss auf das friedvolle Miteinander in der Belegschaft oder unter den Studierenden in unserer Institution.

Als Universität sind wir gegenüber der Gesellschaft verantwortlich für die Entwicklung der Wissenschaften sowie für die Qualität von Studium, Lehre und Forschung. Wir stehen auch für den Transfer von Wissen, Technologien und Ideen in die Gesellschaft und vermitteln unseren Studierenden und jungen Forschenden die Kenntnisse und Fähigkeiten, um in Wirtschaft und Gesellschaft Verantwortung übernehmen zu können.

An unserer Universität ist dabei kein Platz für Fremdenfeindlichkeit oder Rechtspopulismus. Die RPTU ist ein Ort des offenen Dialogs, des Respekts und der Toleranz; und ein Ort an dem Menschen unterschiedlicher Herkunft, Geschlecht und Religionszugehörigkeit friedlich lernen, lehren, forschen und arbeiten. Unterschiede, gleich welcher Art, bereichern unsere Universitätsgemeinschaft, zu der auch über 3000 Studierende und rund 600 Beschäftigte aus dem Ausland zählen. Menschen verschiedener Herkunft und Nationalität bringen wertvolle kulturelle, soziale und persönliche Perspektiven in die Forschung und Lehre ein. Diese Perspektiven tragen so nicht nur zur Qualität von Forschung und Lehre bei, sondern fördern auch die Entwicklung einer globalen Perspektive in der Breite unserer Universität.“

Christoph Richter, Leitung Universitätskommunikation.

Empolis

„Menschen mit Migrationshintergrund spielen jetzt und zukünftig in unserem Unternehmen eine wichtige Rolle in unterschiedlichsten Positionen und sind daher für uns unverzichtbar. Als international tätiges IT-Unternehmen und aus gesellschaftlichen Gründen setzen wir uns klar und deutlich für Diversität, für Internationalität und ein multikulturelles Umfeld ein. Wir pflegen daher eine offene Unternehmenskultur und machen grundsätzlich keinen Unterschied zwischen Menschen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Alter, Familienstand, Religion, sexueller Orientierung, Aussehen sowie Beeinträchtigungen. Wir befürworten nachdrücklich eine kontrollierte Migration und Willkommenskultur. Für diesen Standpunkt stehen wir und auch ich als Geschäftsführer aktiv ein.“

Andreas Klüter, Empolis-Geschäftsführer

Accenture

„Als Wirtschaftsstandort baut Deutschland auf Zusammenarbeit, Offenheit und das Streben nach Fortschritt. Die Akzeptanz von Vielfalt war und ist seit jeher ein Katalysator für unseren Wohlstand. So auch bei Accenture, wo wir für Vielfalt stehen.

In einer Zeit, in der internationales Talent entscheidend für unsere Innovationskraft ist, senden antidemokratische Entwicklungen eine besorgniserregende Botschaft an die Welt und mindern die Attraktivität des Karrierestandorts Deutschlands. Und auch als Unternehmer:innen und Führungskräfte tragen wir gemeinsam die Verantwortung, für die Werte unserer Demokratie einzustehen, die den Kern und Erfolg unseres Landes ausmachen.

Es macht Mut zu sehen, dass die Menschen in Deutschland aktiv werden und bundesweit ein deutliches Zeichen setzen, um unsere Demokratie, Gesellschaft und Wirtschaft langfristig zu schützen. Rassismus und Intoleranz haben in einer freien Gesellschaft keinen Platz.“

Christina Raab, Geschäftsführerin Accenture Deutschland

Amazon

„Generell gilt für Amazon: Wir respektieren alle Beschäftigten und verpflichten uns, alle fair und gleich zu behandeln. Amazon in Kaiserslautern beschäftigt rund 2000 Mitarbeiter:innen aus über 60 Nationen. Gelebte Vielfalt ist uns sehr wichtig und wir fordern von allen unseren Mitarbeitenden einen toleranten Umgang ein.“

Oliver Kentschke, Amazon Public Relations Manager

Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz DFKI

„Internationalität und Vielfalt sind für uns Grundpfeiler exzellenter Wissenschaft und kreativer Arbeitsatmosphäre. Unsere Mitarbeitenden kommen aus über 76 Nationen. Unsere diversen, transnationalen und multidisziplinären Teams bringen eine Fülle von Facetten, Sprachen und Kulturen ein. Das ,Kollektiv’ DFKI ist Innovationstreiber für die Entwicklung und den Transfer von KI-Technologien, die die Bandbreite der Anwendungsbedürfnisse und auch die Diversität der Nutzungserwartungen berücksichtigen.

Exzellente Wissenschaft und ein wettbewerbsfähiger Wissenschaftsstandort Deutschland sind ohne Internationalität und Vielfalt nicht vorstellbar. Ohne den internationalen und interkulturellen Austausch lassen sich die drängenden Probleme und Fragen unserer Zeit, die auch nicht an Ländergrenzen halt machen, nicht adressieren.

Selbstverständlich sind der politische und gesellschaftliche Diskurs auch Thema bei unseren Mitarbeitenden. Es ist spürbar, dass Mitarbeitende mit Migrationshintergrund, die seit vielen Jahren im DFKI arbeiten, zum Teil mit deutscher Staatsbürgerschaft, woanders eine andere Behandlung erfahren oder gar Anfeindungen ausgesetzt sind. Da die Wissenschaftliche Community aber per se weltoffen ist, sind Tendenzen der Ausgrenzung natürlich schwer begreiflich.

In unserer Forschung wie auch in der täglichen Arbeit steht der Mensch im Mittelpunkt, unabhängig von Herkunft, Glauben, Geschlecht oder sexueller Orientierung. Das ist das was wir täglich leben. Dementsprechend steht das DFKI zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung, für Weltoffenheit und gegen jede Form von Extremismus, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit.“

Andreas Dengel, Geschäftsführender Direktor des DFKI in Kaiserslautern

Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens

„Der Arbeitsmarkt steht auch in der Westpfalz vor großen Herausforderungen. Mit der demografischen Entwicklung und dem Übergang der Babyboomer-Jahrgänge in Rente werden die Arbeits- und Fachkräftebedarfe noch größer.

In der Westpfalz waren Mitte 2023 21.935 Ausländer sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Mehr als jeder zehnte der Beschäftigten hat damit einen ausländischen Pass. Die positive Entwicklung der Beschäftigtenzahlen wurde in den vergangenen Jahren getragen von ausländischen Männern und Frauen. Während die Zahl der deutschen Beschäftigten stagniert, ist die der Ausländer deutlich angestiegen. Sie tragen erheblich zur Sicherung der Fachkräftebedarfe und wirtschaftlichen Entwicklung bei. Bei diesem Blick spielt ausschließlich die Staatsangehörigkeit eine Rolle. Migrationshintergründe sind dabei nicht erfasst.

Bei der Bundesagentur für Arbeit selbst sind bundesweit Kolleginnen und Kollegen aus mehr als 100 Nationen beschäftigt. Die Arbeitsagenturen und die Jobcenter stehen damit für Vielfalt. Kolleginnen und Kollegen leisten Tag für Tag einen wichtigen Beitrag zum sozialen Frieden in unserem Land, indem sie daran arbeiten, Menschen und Arbeit zusammenzubringen.“

Mark Rheinheimer, Pressesprecher Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens

Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE

Die Fraunhofer-Gesellschaft verfolgt mit großer Sorge und Aufmerksamkeit die aktuellen Entwicklungen und das Erstarken demokratie- und verfassungsfeindlicher Gruppierungen in Deutschland. Als gemeinnützige Forschungsorganisation wahrt Fraunhofer die Neutralität gegenüber den Interessen Einzelner oder Gruppen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Dabei positioniert Fraunhofer sich klar gegen jedes menschenverachtende Gedankengut und demokratiefeindliche Bestrebungen von Parteien und Organisationen. Dies umfasst jegliche Angriffe auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung, antisemitisches und rassistisches Gedankengut, Ausgrenzung und Diskriminierung jeglicher Art.

Ziel in einer freiheitlichen, offenen Gesellschaft muss immer auch eine offene, vernunftgeleitete Debattenkultur sein. Mit faktenbasierter Kommunikation sowie durch die innovationsbasierte Stärkung lokaler Wirtschaftssysteme und Wertschöpfung wirkt Fraunhofer Spaltungen in der Gesellschaft entgegen.

Die großen Herausforderungen unserer Zeit können nur durch gemeinsame Strategien, durch permanenten Austausch und internationale Zusammenarbeit gelöst werden. Abschottungsbestrebungen stehen dem diametral entgegen. Daher ist aus Sicht der Fraunhofer-Gesellschaft der Wirtschafts- und Innovationsstandort Deutschland insgesamt akut gefährdet. In der Verbreitung demokratiefeindlicher Tendenzen sieht Fraunhofer perspektivisch verheerende Folgen für Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Landes – nicht zuletzt wegen der Abwanderung von Talenten. Deutschland und Europa müssen durch Weltoffenheit und Stabilität Anziehungspunkt und Heimat für internationale wissenschaftliche Talente sowie hochqualifizierte Fachkräfte bleiben.

Die Forschung der Fraunhofer-Gesellschaft wäre ohne ihre Mitarbeitenden, auch derer mit Zuwanderungsgeschichte, nicht vorstellbar – sie sind tragende Säulen unseres Wissenschaftssystems. In diesem Zusammenhang ist sich die Fraunhofer-Gesellschaft ihrer Verantwortung für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewusst und wird bei Angriffen gegen diese stets ihre Stimme erheben. Internationalität, Diversität, Vielfalt und Respekt sind integrale Bestandteile des Fraunhofer-Leitbilds sowie des Fraunhofer-Verhaltenskodex. Gestützt werden diese Werte unter anderem durch die Fraunhofer-Mitgliedschaft im Global Compact der Vereinten Nationen sowie durch die Unterzeichnung und das Bekenntnis zur Charta der Vielfalt.

Die Wissenschaftsfreiheit in Deutschland ist ein hohes Gut und in Artikel 5, Absatz 3 des Grundgesetzes verankert. Forschungseinrichtungen und Hochschulen müssen Orte des offenen Diskurses und der gelebten Demokratie sein und bleiben. Daher muss das Wissenschaftssystem gegen ideologisch motivierte Einschränkungen verteidigt werden.

Die Fraunhofer-Gesellschaft setzt sich entschieden für Weltoffenheit, Vielfalt, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ein und grenzt sich entschieden von den menschenfeindlichen Plänen aller extremistische Parteien, Organisationen und Gruppierungen ab.

Offizielles Statement der Fraunhofer-Gesellschaft gegen Extremismus

Über 3.000 Studierende und rund 600 Beschäftigte aus dem Ausland zählen zur Universität.
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Am Westpfalz-Klinikum setzen sich Mitarbeiter aus mehr als 70 Nationen für das Wohl der Patienten ein.
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Die Agentur für Arbeit: Jeder zehnte Beschäftigte in der Westpfalz hat einen ausländischen Pass.
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Fraunhofer für Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM: Wissenschaft und Wirtschaft können nur international vernetzt funktionier
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