Kaiserslautern
Testlauf: Kaugummis mit Hochdruck oder Hitze entfernen?
Rund um das „K in Lautern“ und in der Fruchthallstraße Richtung Schillerplatz ist es auffallend: Die Straßen und Gehwege sind nicht grau, sondern eher gepunktet. Ungezählte Kaugummis wurden dort achtlos ausgespuckt, wurden im Laufe der Zeit festgetreten und -gefahren. Kaugummi-Schwerpunkte in Lautern sind laut Stadtbildpflege-Mitarbeiterin Christine Hammel „Mall, Hauptbahnhof und rund um die Abfallbehälter“. Sie kümmert sich um die Disposition der Straßenreinigung. Stadtbildpflege-Werkleiterin Andrea Buchloh-Adler weiß, dass das kein rein Kaiserslauterer Problem ist: „Alte Kaugummis beschäftigen auch andere Städte.“ Doch die Erkenntnis allein helfe nicht, man wolle aktiv werden.
Deswegen sind am Mittwochvormittag an der Fruchthallstraße, Ecke Schneiderstraße, für zwei rund 35 Quadratmeter großen Gehwegflächen zwei Spezialfirmen angerückt, um festgetretene Kaugummis zu entfernen. Buchloh-Adler: „Mit unserem eigenen Personal können wir das nicht schultern, und wie zu sehen ist, geht das auch nicht mit kleinem Geld.“ Denn dass die Beseitigung von Kaugummis ein mühsames Unterfangen ist, zeigt sich an dem Vormittag deutlich – auch, wenn zwei verschiedene Methoden zum Einsatz kommen. Beide Unternehmen haben für ihre Fläche jeweils zwei, zweieinhalb Stunden eingeplant.
Mit Lösungsmittel und Hochdruck
Auf der ersten Fläche ist Tufan Peker mit Kollegen der Firma Clever Clean 24 zugange. Das Team aus Wuppertal sorge in mehreren deutschen Städten für saubere Straßen, sagt der Technische Leiter und verweist auf Kaugummi- und Graffiti-Entfernung oder Brunnenreinigung. Peker: „Kaugummis sind nicht so einfach zu entfernen, das bekommen nicht viele hin. Wir behandeln die Fläche mit einer biologisch abbaubaren Flüssigkeit vor und reinigen sie dann mit einem Hochdruck-Wasserstrahl.“ Das nötige Wasser wird in den Autos in großen Tanks mitgebracht. Peker: „Wir können autark arbeiten, haben alles mit dabei.“ Gerade Kaugummis, die seit Monaten auf dem Pflaster kleben, erweisen sich als besonders hartnäckig: Mehrere Sekunden muss der Wasserstrahl darauf gerichtet sein, ehe sie sich lösen und vom Wasser in die Kanalisation getrieben werden.
Punktuell mit einem Getreide-Zucker-Gemisch
Die zweite Testfläche bearbeiten Reimond Eitzert und seine Mitarbeiter. Bei ihm, auf der anderen Seite der Schneiderstraße, wird punktuell gearbeitet. Die – laut Visitenkarte – „Experten für das Entfernen von Kaugummis“ setzen auf eine „absolut umweltfreundliche Variante, bei der kein Wasser verballert wird“, wie Eitzert erläutert. Der Betrieb aus Dorsten habe sich für eine Lösung aus Großbritannien entschieden, bei der ein Gemisch aus Getreide und Zucker erhitzt wird und anschließend auf die einzelnen Kaugummis einwirkt und sie auflöst. „In den Rucksäcken, die auch abgestellt werden können, sind Gaskartuschen und Reinigungsflüssigkeit“, sagt Eitzert, „damit kommen wir überall hin.“ Aber auch hier dauert’s. Übrig bleibt nach einigen Sekunden ein klebriger Schaum. „Wenn es einmal regnet oder feucht gekehrt wird, ist das weg“, versichert Eitzert.
Flächen in kommender Zeit im Auge behalten
Die Stadtbildpflege will die beiden gereinigten Flächen in den kommenden Wochen und Monaten genau im Auge behalten, schildert Hammel den weiteren Ablauf: „Wir beobachten das weiter, unter anderem mit Blick darauf, ob alles rückstandslos entfernt wurde und ob die Flächen ohne Kaugummis vielleicht auch länger sauberbleiben.“ Ob eine der Firmen bald einen Auftrag zur flächendeckenden Reinigung bekommt? Buchloh-Adler ist zurückhaltend, will die Beobachtungen zunächst dem Werkausschuss vorstellen und das weitere Vorgehen zu gegebener Zeit mit den politischen Gremien diskutieren, wie es weitergeht. Zu den Kosten der beiden Varianten wurden keine Angaben gemacht, aber Andeutungen: Günstig wird’s nicht.
In der Vergangenheit hatte die Stadtbildpflege beispielsweise mit sogenannten Gumwalls, kleinen Tafeln zum Aufkleben von gekauten Kaugummis, experimentiert, um dem ekligen Problem Herr zu werden. Erfolglos. Dabei ist das Ausspucken eines Kaugummis sogar eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld belegt werden kann. Allerdings, sagt Hammel: „Man sieht doch nie jemanden, der gerade ein Kaugummi ausspuckt. Nie.“