Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Software aus Kaiserslautern spielt bei der Energiewende eine wichtige Rolle

Wendeware-Vorstand Jochen Marwede, der ITWM-Verwaltungsleiter Markus Pfeffer und Teamleiter „Performance Engineering“ Daniel Grü
Wendeware-Vorstand Jochen Marwede, der ITWM-Verwaltungsleiter Markus Pfeffer und Teamleiter »Performance Engineering« Daniel Grünewald (von links) haben mit Tesvolt verhandelt.

Wie kann Software bei der Energiewende mithelfen? Eine der Kernfragen, der sich die ITWM-Ausgründung Wendeware widmet. Das Unternehmen entwickelt Computerprogramme, die sich um die intelligente Steuerung von Strom in einem Haus(halt) kümmert. Dazu hat Wendeware einen großen Partner in der Energiebranche gefunden – der erste von vielen?

„Die Energiewende passiert gerade.“ Diese Überzeugung hat Jochen Marwede, Vorstand von Wendeware, nach dem Besuch der Messe „Intersolar“ in München Mitte Juni. Von dem Branchentreff haben seine Mitarbeiter und er einige Eindrücke mitgebracht: USA und China investierten viel in die Energiewende, die Anzahl der Wärmepumpen, die in Neubauten zum Einsatz kommen, sei merklich gestiegen. Zudem entwickelten sich die Kosten für Photovoltaik nach unten, die für fossile Brenner nach oben. „Das ist gekippt“, findet Marwede.

Wendeware hat sich auf die intelligente Regelung von Energie in einem Haus oder einer Siedlung spezialisiert. Vereinfacht gesagt, entwickelt und vertreibt das Unternehmen ein kleines, intelligentes Kästchen, Amperix genannt, mit dem sich die - beispielsweise durch Sonnenkollektoren erzeugte - Energie möglichst effizient nutzen lässt, in dem die Stromflüsse in einem Haus intelligent orchestriert werden. „Was machen wir mit dem Überschuss?“ – das sei die Frage, die am Anfang stehen müsse: Lade ich das E-Auto voll? Wandert Energie in den Wärmespeicher? Oder verbrauche ich am besten die Energie, in dem ich, wenn Strom da ist, große Verbraucher wie Waschmaschinen anwerfe? Zudem liefert das System Informationen darüber, wann es am günstigsten ist, im Fall der Fälle auch Energie von außen zuzukaufen.

Der Schlüssel ist die Verschiebung von Energie

„Die Verschiebung der Energie, das ist der Schlüssel zur Energiewende“, findet Marwede. Das könne umso besser funktionieren, wenn die Einheiten, die sich den Strom quasi hin und her schieben können, größer werden, also nicht nur von einem Haushalt, sondern von mehreren, einer Siedlung oder einem Mehrfamilienhaus, gesprochen werde. Modellprojekte dazu liefen in Amsterdam, aber auch in Afrika, es lägen zudem Anfragen von Stadtwerken aus dem Norden Deutschlands vor, die die von Wendeware entwickelte Technologie kennenlernen möchten.

Die Ausgründung aus dem Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM) ist in den vergangenen Jahren – trotz Corona – rasant gewachsen. Bestand das Team 2019 nur aus Marwede und einer Mitarbeiterin, umfasst die Belegschaft mittlerweile 14 Mitarbeiter, studentische Kräfte nicht mitgerechnet. Die Verbindungen zum Fraunhofer-ITWM sind immer noch sehr eng. „Wir stehen ständig in Kontakt mit dem Bereich High Performance Computing (HPC)“, berichtet Marwede. Keimzelle von Wendeware war vor mehr als zehn Jahren die HPC-Arbeitsgruppe „Green by IT“. Die ersten Bauteile zur intelligenten Regelung der Stromflüsse wurden dort entwickelt und tragen damals wie heute den gleichen Namen: Amperix.

Mittlerweile ist auch die Führungsebene um Marwede ausgebaut worden: Klaus Gesmann, vormals im Vorstand von Mobotix, kümmert sich um die Finanzen, den Vertrieb hat Rainer Spies übernommen, vorher lange Jahre beim Heizungsbauer Viessmann. Der technische Leiter kommt vom ITWM und heißt Christian Mohrbacher.

Kooperation mit Tesvolt

Seit einiger Zeit kooperiert Wendeware mit dem Hersteller von Batteriezellen Tesvolt aus Wittenberg (Sachsen-Anhalt). Das Unternehmen hat sich neben den Batterien auch auf das Energiemanagement spezialisiert – genau der Bereich, in dem die Software von Wendeware ihre Wirkung entfalten kann. Der Weg von Wendeware sei noch lange nicht zu Ende. „Wir sind Hersteller-offen, das macht uns flexibel“, sagt Gesmann. Hersteller von Batteriespeichern, Wechselrichtern, Wärmepumpen oder Blockheizkraftwerken – „die sind alle für uns interessant“, unterstreicht er.

Info

www.wendeware.com

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