Kaiserslautern
Richard Imbt: Nationalsozialist an der Stadtspitze
Imbt bewarb sich auf Listenplatz Nummer 400 am 29. März 1936 vergebens um den Einzug in den Reichstag. Als aktiver Parteifunktionär wurde er zwei Jahre später, von der NSDAP gefördert, Oberbürgermeister von Kaiserslautern. Seine Dienstzeit lief vom 26. April 1938 bis zum 20. März 1945. Imbt hat insbesondere den jüdischen Mitbürgern unermessliches Leid zugefügt.
Er organisierte Festnahmen und Transporte in die Todeslager. Bereits einen Monat vor den Verbrechen der Pogromnacht veranlasste der Nationalsozialist Richard Imbt am 17. September 1938, einem „Schabbat“, dem jüdischen Ruhetag, die Sprengung der Synagoge. Er sorgte beispielsweise auch dafür, dass alle städtischen Chefpositionen Zug um Zug mit aktiven Nationalsozialisten besetzt wurden. Zudem beteiligte er sich an der Organisation von Naziaufmärschen, was eigentlich in die Zuständigkeit der Wehrmacht fiel.
Teile Lauterns zerbombt
Einem Führerbefehl gehorchend, ordnete Imbt am frühen Vormittag des 20. März 1945 angesichts der Bürger im Felsenkeller in der Lauterstraße an, Kaiserslautern gegen die heranrückenden Amerikaner „bis auf den letzten Mann“ zu verteidigen. Zuvor hatte er das Amt des Oberbürgermeisters dem Leiter der Stadtkasse, Emil Pfleger, gegen dessen Willen übertragen. Unmittelbar nach dem Befehl im Felsenkeller flüchtete Imbt nach Bayern. Am 17. Mai 1945 traute er sich wieder nach Kaiserslautern zurück. Er wurde verhaftet, in Idar-Oberstein und später in Landau interniert. In einem Entnazifizierungsverfahren wurde er als „Belasteter“ eingestuft. Am 16. April 1949 kam er frei und wurde mit halber Pension in den Ruhestand versetzt. Er ließ sich wieder in Kaiserslautern nieder.
Zeitung und Rundfunk nahmen keine Kenntnis davon, dass Imbt wieder in Kaiserslautern wohnte. In den Jahren unmittelbar nach dem Krieg schien es noch kein Bewusstsein dafür gegeben zu haben, was geschehen war. Auch in den Schulen wurde im Geschichtsunterricht der Nationalsozialismus mit wenigen Andeutungen abgetan. Nur hinter vorgehaltener Hand sprach man entsetzt über die Vergehen Imbts, der am Ende „nur“ als „Belasteter“ mit ein paar Jahren Haft davongekommen war und 1949 offiziell in den Ruhestand verabschiedet wurde. Nachdem es ihn wieder nach Bayern zog, verstarb er am 10. Oktober 1987 in München. Während der Amtszeit Richard Imbts ging Alt-Lautern bei drei Großangriffen im Bombenhagel unter.
Fruchthalle vor dem Abriss
Unter OB Imbt sollte Kaiserslautern Gauhauptstadt des Gaus Westmark werden. Doch die Pläne scheiterten. Kaiserslautern blieb Gauhauptstadt des Gaus Saar-Pfalz. Die Vorbereitungen auf die mögliche Gauhauptstadt Westmark betrieb Imbt äußerst intensiv. Kaiserslautern sollte „umgestaltet“ werden. Imbt beauftragte den Leiter des damaligen Stadtbauamts Walter Bremer, entsprechende Pläne auszuarbeiten. Auf dem Zeichenbrett schufen Bremer und zwei ihm von Imbt zur Seite gestellte Architekten, Alexander Voigt und W. Heyl, eine neue Stadt. 30 Meter breite Ringstraßen, ein pseudosakraler Bezirk mit überdimensionalen Baukörpern auf Höhe des heutigen Rathauses und ein riesiger Torbogen am Eingang der Schneiderstraße sind auf Plänen und einer internen historischen Zusammenstellung des städtischen Planungsamts zu erkennen. Die Fruchthalle stand auf dem Abrissprogramm. Der am 1. September 1939 ausgebrochene Zweite Weltkrieg verhinderte den Baubeginn der „neuen Stadt“.
Kaiserslautern ertrug, was der Stadt in den Nazijahren auferlegt war. Und trotzdem gab es dank engagierter Bürger Fortschritte. Nicht nur die „Trümmerfrauen“ glaubten an die Zukunft und den Wiederaufbau, insbesondere führten die Siedler ihr Werk fort. Auf dem Lämmchesberg gab es neue Baugruben. In einem NSZ-Beitrag vom 16. November 1934 steht: „Der harte Schlag der Äxte klingt durch den Wald, krachend stürzen die Bäume … Lastwagen, die Autos der Baustofflieferanten graben tiefe Rinnen in den Sand. Hunderte von schweren Arbeiterschuhen ebnen sie mit ihren Schritten wieder ein ...“. Auf dem Lämmchesberg wurden ab 1939 unter anderem auch Wohnungen für höhere Chargen der Wehrmacht gebaut. Schon Mitte der 1930er Jahre begann Kaiserslautern, sich auch nach Osten über das „Nordbahnkorsett“ hinaus auszudehnen. Die Siedler im Grübentälchen arbeiteten ab 1935 an ihrem neuen Stadtteil. Auch hier, wie bei der 1934 fertiggestellten Engelshof-Siedlung, hatte Imbt seine Hand im Spiel. Er soll, wie in der Stadtliteratur steht, Bauwillige ausfindig gemacht haben, die einer Siedlerstelle „nicht würdig“ gewesen sein sollen. Die Siedlung Belzappel wurde 1935 mit 115 Einfamilienhäusern errichtet.
Fackelbrunnen 1939 eingeweiht
Den Fackelwoog-Brunnen weihte Oberbürgermeister Imbt am 30. April 1939 ein. Gleichzeitig wurde am Fackelrondell der Kreisverkehr angelegt. Zur Einweihung des Brunnens erschien in der NSZ ein Beitrag, der sich mit der Bedeutung des Wassers befasste. Die „Urgesetze der Natur“ hätten beim alten Fackelwoog das Wasser hervorgebracht. Auch als „Element der Fruchtbarkeit“ wurde das Wasser darin gelobt. Die Stadtkundigen schmunzelten bei der Lektüre. Sie wussten, dass Jahre zuvor in der Mühlstraße, also im Einzugsbereich des alten Fackelwoogs, der ehrbare Arbeiter und Bauführer Georg Niedhammer gewohnt hat. Er hatte 21 Kinder.
Die Einflussnahme der nationalsozialistisch geführten Stadtverwaltung auf den Wohnungsbau, betrieben von Imbt, wurde immer größer, so auch auf die Bau AG. Um dem Druck von Partei und Wehrmacht zu entgehen, hatte der damalige Bau-AG-Vorsitzende Eugen Rhein eine Idee. Mit dem Argument, den hohen NSDAP-Ansprüchen nicht gerecht werden zu können, schlug er Imbt vor, eine eigene Baugesellschaft zu gründen. So kam es: Am 24. August 1939 gründeten Imbt und der Kämmerer die „Neue Baugesellschaft der Gauhauptstadt Kaiserslautern GmbH“. Diese Baugesellschaft setzte noch zwei Jahre ihre Pläne teilweise um. 1941 wurde die Bautätigkeit eingestellt. Neubau – abgesehen vom Bunkerbau – war nicht „kriegswichtig“.
Hinsichtlich einer möglichen Nachschubstraße nach Westen wurde der Autobahnbau noch 1941 bis auf Höhe Ramstein weitergeführt. Dann wurden die Arbeiten dort eingestellt.