Kaiserslautern
Hürden beim Busverkehr für Fahrgast – aber auch für die SWK
Wenn der Wormser Andy Rohel von seinem Besuch in Kaiserslautern berichtet, klingt dies tatsächlich wie eine kleine Odyssee durch den ÖPNV-Dschungel. Zumindest gestaltete sich sein Kerwe-Besuch deutlich umfangreicher als geplant. „Als alter Volksfestfan“ wollte er zum Messeplatz, und zwar mit dem Bus von Ikea aus. Die DB-Naviator-App schickte ihn mit der Linie 105 zur Stadtmitte, um dort in die 101 umzusteigen. „Doch diese Haltestelle wurde überhaupt nicht angezeigt“, schildert er. „Plötzlich befanden wir uns am Hauptbahnhof, von einer ,Stadtmitte’ hatte ich nichts gesehen.“
Also fuhr er mit einem anderen Bus zurück und stieg an der Haltestelle „Maxstraße“ aus, nachdem er bestätigt bekommen hatte, dass dies die Stadtmitte sei. Es sollte mit der 101 weitergehen, „nur stand in der DB-Auskunft eben nicht ,Maxstraße’, sondern ,Stadtmitte’“. Rund 45 Minuten später als geplant kam er schließlich doch noch am Messeplatz an.
„Haltestelle Maxstraße ist auch die Haltestelle Stadtmitte?“
„Die Rückfahrt zum Hauptbahnhof gestaltete sich nicht weniger abenteuerlich“, setzt Rohel seine Schilderung fort. Trotz einer nicht gerade höflichen Antwort eines Busfahrers, wie Rohel berichtet, gelangte er „tatsächlich zur Haltestelle ,Stadtmitte’“ zum Umstieg. Dort fand er jedoch die Linie zum Hauptbahnhof nicht und fragte in der Burgstraße erneut einen Busfahrer, der ihn an „die letzte Haltestelle ganz hinten“ verwies. Nach einigem Suchen sah er dort den Hinweis, dass „die Haltestelle ab September in die Martin-Luther-Straße verlegt“ sei. „Ganz toll! Nun musste ich nur noch fragen, wo die Martin-Luther-Straße ist und schon war ich da“, erzählt er ironisch.
„Warum sind die Daten zur Haltestellenverlegung vom September noch nicht in den Fahrplan eingespeist?“, fragt Rohel. Dass die Haltestellen „Maxstraße“, „Martin-Luther-Straße“ und „Stadtmitte“ alle unter „Stadtmitte“ zusammengefasst sind, wisse kein Ortsunkundiger, bemängelt er zudem. „Viele Jahre habe ich für die DB Fahrgastzählungen und -befragungen durchgeführt“, erläutert er seine offene Kritik. „Daher bin ich gewohnt, auf kundenfreundliches Verhalten zu achten und Missstände aufzuzeigen, um Verbesserungen anzuregen.“
„Wir haben viel Arbeit in die Fahrgastinformation gesteckt“
Klemens Strey, stellvertretender Leiter der SWK-Verkehrsbetriebe, der die Schilderung von Rohel auch direkt auf dem Tisch hatte – und laut ihm schon ausführlich beantwortet hat –, bedauert die unglückliche Erfahrung des Wormsers. Er erläutert, dass die SWK „viel Arbeit in die Fahrgastinformation gesteckt“ und aufgrund der Beschwerde auch schon etwas geändert habe. Er zeigt aber auch die Grenzen seines Unternehmens auf.
Er bestätigt, dass wegen der Bauarbeiten in der Stadtmitte ein Teil der Haltestellen, die seit rund zehn Jahren „Stadtmitte“ heißen, verlegt wurden, eben in die Maxstraße und die Martin-Luther-Straße und nun temporär unter diesen Namen laufen. „In den Anzeigen in den Bussen wird zwar ,Maxstraße Stadtmitte’ eingeblendet, aber Martin-Luther-Straße und Stadtmitte sind zu lang für das Display“, erklärt er. Für die Betitelung der Haltestellen sei nicht die SWK-AG, sondern der VRN (Verkehrsverbund Rhein-Neckar) in Mannheim zuständig, macht er weiter deutlich. „Der VRN betreibt die Landesdatenbank für Rheinland-Pfalz“, und darauf habe die SWK nur bedingt Einfluss. „Wir korrigieren aber ständig die Eingaben: Ich schicke Infos, teils mit Umgebungsbildern, weil den Mitarbeitern in Mannheim, die die Daten eingeben, die Ortskenntnis fehlt“, doch nicht immer schlage sich dies zur Zufriedenheit aller nieder. Die SWK-AG habe eine „digitale Abhängigkeit“: „Ein Informatiker, der am PC den Namen eintippt, probiert, was hineinpasst und kürzt ihn ab. Ein anderer wählt vielleicht eine andere Abkürzung“, macht Strey deutlich, wie komplex das Zusammenspiel ist, bei dem ihm oft die Hände gebunden sind.
Bereits Verbesserungen in die Wege geleitet
Die Daten laufen schließlich in die VRN-App wie auch die DB-App ein, darauf habe Strey keinen Einfluss. So firmieren die beiden temporären Haltestellen an den dortigen Anzeigen und im Bus unter dem jeweiligen Straßennamen, in den Apps jedoch unter „Stadtmitte“. Aufgrund der Beschwerde habe Strey jedoch überprüft, welche Verbesserungen die SWK vornehmen kann. „Im Bus wird nun an den beiden Haltestellen der Zusatz ,Stadtmitte’ in den Durchsagen kommen“, hat er in die Wege geleitet.
Er verweist jedoch auch auf die Umgebungskarten, die an den Haltestellen rund um die Baustelle aufgestellt sind. Außerdem finde der Fahrgast auf der Homepage der SWK AG sowie des VRN Informationen zu den baustellenbedingten Änderungen.
Voraussichtlich ab Anfang Juli Fruchthall- und Schneiderstraße wieder offen
Einen großen Schritt leichter werde es für alle voraussichtlich Anfang Juli, wenn die Burg- und die Schneiderstraße wieder für den Verkehr geöffnet werden und die Umleitungen der 105 und 107 über die Martin-Luther-Straße nicht mehr nötig sein wird, blickt Strey hoffnungsvoll voraus. In der Fruchthallstraße werden dann zwischen Schillerplatz und Mall zwei Haltestellen entstehen. „Dann tragen wieder alle Haltestellen den Namen ,Stadtmitte’, mit dem jeweiligen Zusatz Bussteig A, B, C und so weiter.“
Dass man es nicht allen immer recht machen kann, zeige sich daran, dass viele Einheimische anhand der früheren Bezeichnungen „Rathaus“, „Schillerplatz“ und „Fackelbrunnen“ den Standort schneller finden konnten, Auswärtige jedoch damit weniger anfangen können und sich mit Stadtmitte besser zurecht finden.