Kaiserslautern Faultürme der Kläranlage werden saniert

Alt und Neu: während der rechte Faulturm bereits eine neue Außenhülle erhalten hat, sind die Arbeiten am linken noch in vollem G
Alt und Neu: während der rechte Faulturm bereits eine neue Außenhülle erhalten hat, sind die Arbeiten am linken noch in vollem Gange.

Wer zurzeit am Gelände der Kläranlage vorbeifährt, sieht eine eher außergewöhnliche Gerüstkonstruktion: Nach über 50 Jahren Betriebsdauer werden die zwei Faulbehälter saniert. Die Kosten liegen bei rund 900.000 Euro.

Der erste Faulbehälter ist bereits saniert und zeigt sich in neuer Optik, das zweite kugelförmige Bauwerk ist derzeit in ein Gerüst eingehüllt. „Die neue Optik wirkt ein bisschen wuchtiger als zuvor“, sagt Jörg Zimmermann, Vorstand der Stadtentwässerung Kaiserslautern. Grund ist die Dämmung, die eine deutliche energetische Verbesserung mit sich bringen werde.

Die Faultürme selbst sind aus Beton. Dieser sei überprüft worden und befinde sich noch in einem sehr guten Zustand, sagt Zimmermann. Anders sieht es mit den Außenhüllen der beiden 25 Meter hohen Türme aus. Nachdem sich von den Türmen bereits einige Platten der alten Verkleidung gelöst hatten, werden die Außenhüllen nun erneuert.

Einwurf

RHEINPFALZ Plus ArtikelKein geruchlicher Zusammenhang

Metall ersetzt Holzkonstruktion

Die neue Außenverkleidung der Behälter bestehe pro Turm aus rund 1000 Quadratmeter farblich beschichteten Aluminiumblechen, die einen Millimeter dick sind und gleich einer Apfelsinenschale um die Behälterform liegen. Sie ersetzen die alten, asbesthaltigen Faserplatten, die von einer Spezialfirma abgebaut werden. Die hölzerne Unterkonstruktion der Außenhülle werde durch eine Metallkonstruktion ersetzt, wie Zimmermann erklärt.

Die Wärmedämmung werde komplett erneuert und soll für eine deutliche Energieeinsparung sorgen: „Wir können circa acht Prozent Energie bei der Beheizung der Faultürme einsparen“, schildert Zimmermann. Im Innern der Türme herrscht eine konstante Temperatur von 37 Grad Celsius, bei der der überschüssige Klärschlamm, der während des Abwasserreinigungsprozesses dem Abwasser entzogen wird, gelagert wird. Im Durchschnitt verbleibe der Klärschlamm 36 Tage in den Türmen, erklärt Zimmermann. Nach dieser Zeit können die Stoffe, die zuvor biologisch aktiv waren, als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt werden oder thermisch verwertet werden.

Bei den Vergärungsprozessen in den Faulbehältern entstehe Methangas, aus dem in den Blockheizkraftwerken der Kläranlage Wärmeenergie und elektrische Energie gewonnen werde. Die erzeugte Wärmeenergie wiederum werde dazu genutzt, die Faultürme und die Betriebsgebäude auf der Kläranlage zu beheizen.

Regenerative Wärmeenergie

Pro Jahr werden laut Zimmermann etwa 1,8 Millionen Kubikmeter Faulgas erzeugt, fast 5.000 Kubikmeter am Tag. Aus dem enthaltenen Methangas werde eine regenerative Wärmeenergie von sieben Millionen Kilowattstunden erzeugt – genug, dass damit 400 Einfamilienhäuser beheizt werden könnten.

Angesprochen auf das Thema Gestank, das die Leser in der vergangenen Woche stark beschäftigt hat, versichert Zimmermann:„Die Faultürme sind dafür nicht die Ursache“. Die Arbeiten finden nur an den Außenhüllen statt, die Faultürme selbst sind ein komplett geschlossenes System, aus dem keine Gerüche nach außen dringen.

Die Kläranlage Kaiserslautern werde seit 2016 als energieneutrale Kläranlage betrieben, betont Zimmermann. Neben der Wärmeenergie liefere das Methangas aus den Klärtürmen gemeinsam mit den Photovoltaikanlagen auf dem Gelände einen Großteil des notwendigen Stroms, über vier Millionen Kilowattstunden, so Zimmermann.

Die Bauzeit für die Außenhüllen der beiden Faultürme betrage sechs Monate, die Kosten liegen bei rund 900.000 Euro.