Kaiserslautern
Gestank in der Stadt beschäftigt viele Menschen
„Abfallwirtschaft ist nie geruchs-, geräusch- und staubfrei“, sagt ZAK-Vorstand Jan Deubig auf Anfrage. Er könne nicht ausschließen, dass immer wieder Gerüche aus dem Kapiteltal wahrnehmbar seien. Doch in der geschilderten Intensität, Massivität und an den gemeldeten Orten sei es sehr unwahrscheinlich, dass der Geruch der vergangenen Woche aus dem Kapiteltal stamme. Rund um das Werk sei in den vergangenen Wochen kein auffälliger Geruch feststellbar gewesen – dass es dann bis ans andere Ende der Stadt nach ZAK rieche, hält Deubig nicht für plausibel. Zumal die geschilderten Gerüche nicht zur ZAK passten.
Welcher Müll wird wie behandelt?
„Bei uns gibt es keinen offenen Umgang mit Müll“, betont der ZAK-Vorstand. Die alte Hausmülldeponie gebe es seit 2005 nicht mehr, der Hausmüll werde in einer Anlage behandelt, die abgedichtet sei und unter Unterdruck stehe. Die abgesaugten Gase werden in Fernwärme verwandelt. „Da kann kein Geruch austreten“, sagt Deubig. Gleiches gelte für die Deponie für mineralische Abfälle, da dort keine organischen Abfälle verwertet würden. Auch der Restmüll werde in einer geschlossenen Halle umgeschlagen.
Das Altholz, das im Freien liege, setze keine Gerüche frei. Der Sondermüll sei als Geruchsquelle ebenfalls auszuschließen, da er in dichten Fässern gelagert werde. Das Biomassekraftwerk sei mit einer Abluftbehandlungsanlage ausgestattet, die thermischen Prozesse, die darin ablaufen, zerstörten Gerüche. Die Abluft der Anlage werde immer wieder durch ein Labor kontrolliert. Dazu riechen speziell ausgebildete Tester an der Probe und bewerten sie in Geruchseinheiten. Der Grenzwert liege bei 500 Geruchseinheiten, da liege das Werk in Kaiserslautern weit darunter. „Wir machen hier nichts Außergewöhnliches, wir lassen auch keine Gerüche ab, der Betrieb ist auf dem aktuellen Stand der Technik“, betont Deubig.
Ist es das Düngemittel?
Der einzig mögliche Ort, von dem ein Geruch ausgehen könnte, sei die Nachrottefläche, auf der der fertige Kompost getrocknet werde, bevor er von Landwirten abgeholt wird. Doch auch dort liege der Kompost nicht offen, sondern befinde sich in einer Zelthalle. Diese sei nach oben und an den Seiten geschlossen, allerdings nach vorne und hinten offen, damit ein Umsetzer durchfahren könne, um das Material zu wenden „Da kann es passieren, dass Gerüche entstehen“, sagt Deubig. Dass sich dieser Geruch aber über weite Strecken ausbreitet, hält er für ausgeschlossen. Um die Anlage völlig abzudichten, sei ein zweistelliger Millionenbetrag notwendig, der sich direkt auf die Müllgebühren auswirken würde. Die ZAK prüfe derzeit allerdings, ob sich das Zelt mit Rolltoren schließen lasse und zusätzlich ein Biofilter angeschlossen werden könnte.
Die einzige Erklärung, die für Deubig zumindest theoretisch möglich ist, ist folgende: Ist der Kompost fertig aufbereitet, wird er an Landwirte verkauft, die den organischen Dünger im Kapiteltal abholen. Die Fahrzeuge verlassen das ZAK-Gelände sternförmig in alle Richtungen. In diesem Moment sei der Kompost in keinem dicht geschlossenen Behälter mehr. Ein organisches Düngemittel ohne Geruch gebe es nicht.
Im Kapiteltal werde viel unternommen, um Gerüche zu bekämpfen, so werden die Straßen von zwei Kehrmaschinen durchgehend gereinigt, auch die Kanäle werden regelmäßig gespült, damit sie nicht trockenfallen. „Wir sind hypersensibel bei dem Thema und wollen unserer Aufgabe nachkommen. Wir machen wirklich sehr, sehr viel“, schildert Deubig.
2020 hätten sich neun Leute bei der ZAK gemeldet und von einem auffälligen Geruch berichtet. Immer seien Mitarbeiter zu den entsprechenden Stellen gefahren, haben vor Ort aber nichts mehr feststellen können. Die ZAK sei sich der Thematik bewusst und sehr daran interessiert, Bürgerbedenken ernst zu nehmen, betont Deubig.
Das sagt die SGD Süd dazu
Auch die zuständige Struktur-und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd spricht auf Anfrage von sporadischen Beschwerden über Geruchsbelästigung in Kaiserslautern. Diese werden laut Behörde mit Blick auf die Wetterbedingungen/Windrichtung am angegebenen Standort und anhand der geschilderten Geruchsbeschreibung geprüft. Die Geruchsmeldungen werden an den Anlagenbetreiber in der Nähe weitergeleitet und dort werde nachgefragt, ob eine Störung vorliege. Bei der ZAK sei dies nicht der Fall. „Gleichwohl ist eine Anlage dieser Größenordnung nie gänzlich ohne Geruchsemissionen zu betreiben“, so die SGD Süd mit Blick auf die Verwertung von Bioabfällen. Da die Anlagen der ZAK nordöstlich der Stadt liegen, würden Geruchsemissionen in der Stadt bei Windrichtungen aus Nordost verstärkt wahrgenommen und es komme vermehrt zu Beschwerden.
Für die Frage, wie viel Geruch Bürger akzeptieren müssen, gibt es klare Richtlinien: Gemäß der Geruchsimmissions-Richtlinie (GIRL) sind Gerüche dann als erheblich belästigend anzusehen, wenn in Wohn- und Mischgebieten mehr als 10 Prozent, in Gewerbe-/Industriegebieten und Dörfern mehr als 15 Prozent der Stunden eines Jahres unangenehme Gerüche ausgestoßen werden. Laut SGD Süd und der ZAK ist das in Kaiserslautern nicht der Fall. Wenn die gesetzlichen Grenzwerte erreicht oder überschritten werden, müssen die Anlagen technisch nachgerüstet werden, beispielsweise durch Einhausung, Absaugung der Abluft und Behandlung in Filteranlagen, Bedüsung und Niederschlagung möglicher Geruchswolken, zählt die SGD Süd auf.
„Eine geruchsfreie Abfallwirtschaft gibt es nicht. Ich kann auch nicht ausschließen, dass es mal wahrnehmbar riecht. Aber nicht in solcher Intensität, dass es einen Grenzwert verletzt“, ist sich Deubig sicher. Laut einer Geruchsprognose, die für den Standort erstellt wurde, sei am Stadtrand gerade einmal zwei bis drei Prozent Geruch feststellbar gewesen. Eine technische Lösung, mit der sich die Geruchsursache zweifelsfrei nachweisen lasse, gebe es nicht. Eine Gesundheits- oder Umweltgefahr gehe von diesen Gerüchen nicht aus, so die SGD Süd.
Bleibt die Frage: Gibt es noch eine andere Quelle für den Geruch? Laut SGD Süd gab es am Montag eine Ortsbesichtigung landwirtschaftlicher Nutzflächen nördlich der Stadt. Davon ausgehend sei die Düngung von dortigen Äckern und Grünflächen, die bisweilen auch zu Beschwerden geführt habe, als Ursache auszuschließen. Die Stadtverwaltung wiederum schließt aus, dass der Geruch der vergangenen Woche von den Anlagen der Stadtentwässerung oder der Kanalisation stammt.