Kaiserslautern
Die Integrierte Leitstelle muss immer öfter Anrufe abarbeiten, die keine Notfälle sind
Wenn in der Westpfalz – also in der Stadt und im Kreis Kaiserslautern, im Donnersbergkreis und im Kreis Kusel – jemand die 112 wählt, ist am anderen Ende der Leitung einer von insgesamt rund 60 Disponenten der Integrierten Leitstelle (ILS) zu hören. Der Raum in der Feuerwache in Kaiserslautern ist an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr besetzt, wie der Stellvertretende Leiter der ILS, Bernd Piro, erläutert.
Die Disponenten sind speziell geschulte Feuerwehrleute und Rettungssanitäter – also in ihren jeweiligen Organisationen bereits gut ausgebildete Fachkräfte. „Das Personal fällt für andere Aufgaben aus“, sagt Piro, „gleichzeitig schadet es nicht, als Disponent Einsatzerfahrung zu haben.“ In Rheinland-Pfalz sei man gerade dabei, die Ausbildung neu aufzustellen und möglicherweise ein neues Berufsbild „Leitstellendisponent“ zu schaffen.
Herausforderung: Die richtigen Infos zu bekommen
Die große Herausforderung, vor der Disponenten bei jedem Anruf stehen, sei, den Anrufern die passenden Infos zu entlocken. Piro: „Das geht manchmal schon mit dem Unfallort los, wenn jemand nicht genau weiß, wo er gerade steht.“ In Stresssituationen sei das selbst mit einem Navigationsgerät oft nicht einfach. Gerade auf dem Land sei es eine gute Sache, wenn Fahrzeuge mit automatischem Notrufsystem in Unfälle verwickelt sind: „Da steht direkt eine Verbindung zum Unfallwagen und wir haben die Örtlichkeit im System.“ Bis jedoch alle Fahrzeuge auf der Straße das System nutzen, das bei Neuwagen Pflicht ist, wird es noch eine Zeit dauern.
Die Disponenten der ILS hätten zunehmend mit Nicht-Notfällen zu tun, berichtet Piro: „Der Hausarzt ist nicht da und ich will nicht warten“, sei einer der Gründe, wieso sich jemand an die Notrufnummer wende, obwohl das nicht notwendig ist. Viele Anrufer an Wochenenden könnten bis Montag warten und dann zum Hausarzt. Oder die Hotline des Bereitschaftsdiensts der Kassenärztlichen Vereinigung unter der Telefonnummer 116117 anrufen. Piro sagt entschieden: „Ein eingewachsener Zehennagel ist kein Notfall für einen Rettungswagen.“ Solche Anrufe raubten in der Leitstelle Ressourcen für Menschen, die in einer echten Notlage sind.
Der Hubschrauber ist ein wichtiges Rettungsmittel
Zwar reagierten viele Menschen mit Verständnis, wenn ihnen die Disponenten das erklären, aber in der ILS hat man laut Piro festgestellt: „Das Anspruchsdenken des Bürgers ist: ,Ich brauche Hilfe – und zwar jetzt.’“ Die Gespräche werden zu Dokumentationszwecken stets aufgezeichnet, erläutert Feuerwehrmann Piro, auch um sie nachbesprechen zu können: „Wir wollen uns ja verbessern.“
Während eines eingehenden Notrufs füttern die Disponenten den Computer mit Informationen, das Computersystem schlägt daraufhin vor, welche Fahrzeuge von Feuerwehr und/oder Rettungsdienst ausrücken sollten. Piro: „Wird eine bewusstlose Person gemeldet, fahren Rettungswagen und Notarztwagen raus.“ Die letzte Entscheidung darüber liegt beim Disponent, der die entsprechenden Kräfte alarmiert. Dabei seien die Kosten kein Entscheidungskriterium: „Wichtig ist, welches Einsatzmittel passt und schnell vor Ort ist.“
Dialektkenntnis ist wichtig
Gerade im ländlichen Raum komme es immer wieder vor, dass der Notarzt bereits im Einsatz ist. „Da hat es sich bewährt, dass wir mit dem Hubschrauber eine schnelle Möglichkeit haben, einen anderen Notarzt vor Ort zu bringen.“ Der am Donnersberg stationierte Rettungshubschrauber für die Westpfalz erleichtere die Arbeit sehr und habe es deutlich schneller gemacht, Notärzte zur Einsatzstelle zu bringen. Piro: „Früher mussten wir immer in Mainz, Ludwigshafen oder Saarbrücken anrufen und nach der Verfügbarkeit fragen.“
Tagsüber seien in der Integrierten Leitstelle in der Regel sechs Disponenten im Einsatz, nach einer kürzlichen Erweiterung der ILS gibt es zehn Arbeitsplätze. „Dazu haben wir noch Notrufabfrageplätze, die bei Unwetterlagen genutzt werden könnten, wenn extrem viele Anrufe abgearbeitet werden müssen“, so Piro. Beim Unwetter im Mai 2018 seien 24 Leitungen geschaltet gewesen.
Was müssen Disponenten neben Fachkenntnissen mitbringen? Piro sagt schmunzelnd: „Eine gewisse Orts- und Dialektkenntnis schadet nicht. Man muss da schon mit dem Westpfälzer Dialekt klarkommen.“ Wer „Alekeije “ höre, müsse erstmal darauf kommen, dass Altenkirchen (Kreis Kusel) gemeint ist.