Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Countdown fürs große Foto Fest läuft

Bedrückend: ABC-Schutzübung in Russland, eingefangen von Hans-Jürgen Burkard.
Bedrückend: ABC-Schutzübung in Russland, eingefangen von Hans-Jürgen Burkard.

In exakt einem Monat soll es seine Premiere feiern: das erste Foto Fest Kaiserslautern. Die Kuratoren haben sich nichts weniger als ein Festival vorgenommen, das die ganze Stadt überspannt. Eine Mammutaufgabe für das kleine Organisationsteam, und die Zeit wird knapp.

Mit einigen Widrigkeiten hatten und haben die beiden Kuratoren Thomas Brenner und Jörg Heieck, die selbst überregional renommierte Fotokünstler sind, bei der Organisation ihres Festivals zu kämpfen. So sind nun letztendlich die städtische Fruchthalle und das Stadtmuseum bei dem viertägigen Festival vom 15. bis zum 18. September nicht dabei – und das aufgrund eines Konfliktes zwischen Kulturamtsleiter Christoph Dammann und Kammgarn-Chef Richard Müller. Der Streit entzündete sich an einem Werbelogo des Kulturreferates. Dammann wollte es zusätzlich zum Logo der Stadt auf den Festivalpublikationen platzieren, Müller widersprach, da er die städtische Beteiligung logomäßig bereits abgedeckt sieht. Dass selbst der Ordnungsruf der Kulturbürgermeisterin, die nebenbei Aufsichtsratsvorsitzende der Kammgarn GmbH ist, die beiden Kontrahenten und insbesondere ihren Amtsleiter nicht bremsen konnte, ist ebenso bedauerlich wie die Tatsache, dass nun die beiden städtischen Institutionen beim Foto Fest nicht dabei sein werden.

Wobei sich schon der Eindruck eines Eigentores einstellt, das Dammann damit erzielt. Scheinen seine beiden Häuser doch die einzigen Institutionen zu sein, die sich an der Premiere dieses für Stadt und Region gleichermaßen herausragenden Ereignisses nicht beteiligen. Dass er daneben das Grußwort des Altmeisters Salgado, das er für das Foto Fest besorgt hatte, diesem im Nachhinein wieder entzogen und für eine eigene Veranstaltung (Wald-Ausstellung im Stadtmuseum) verwendet hatte, spricht ebenfalls für sich.

Epizentrum Kammgarn

Wie auch immer: Die Liste der teilnehmenden Institutionen ist dennoch lang und prominent. Sie reicht von den Flaggschiffen der Kulturlandschaft wie Kammgarn, Pfalztheater und Pfalzgalerie bis hin zu den vielen Off-Locations wie WebEnd oder Salon Schmitt. Auf stolze 18 Standorte verteilen sich die Arbeiten von rund 30 Fotografen. Dazu kommen noch 30 Stellwände im öffentlichen Raum, an denen großformatige Arbeiten gezeigt werden sollen.

Epizentrum des Festivals ist zunächst die Kammgarn. Kulturzentrumschef Müller hat dabei nicht nur den Löwenanteil der mittleren fünfstelligen Summe aufgetrieben, die das keineswegs üppige Budget aufweist. Er strickte auch noch ein musikalisches Begleitprogramm. So spielen zum Auftakt am 15. September im Cotton Club die Lokalmatadoren von Acoustic Colour um Sängerin Tina Skolik ihre Melange zwischen Pop, Jazz, Soul und Latin (Eintritt frei). Tags drauf treten die wilden Bläser von Fanfare Ciocarlia an; ein Dutzend rumänische Blasmusiker mischt dabei das Genre seit 25 Jahren gehörig auf und ist dafür mit Preisen wie dem Britischen Songlines Music Award ausgezeichnet worden. Das Berliner Jazzquartett Leléka um die ukrainische Sängerin Viktoria Leléka beschließt den Konzertteil am 17. September (Karten für die beiden letzteren Konzerte unter www.kammgarn.de). Daneben sind für Freitag und Samstag zwei unter anderem mit Fotografen des Festivals besetzte Diskussionsrunden zum Themenkreis Identität und Fotografie geplant.

Krieg im Museum

Fotografische Positionen beziehen in dem Kulturzentrum der Geo- und Stern-Fotograf Hans-Jürgen Burkard (in der Schreinerei), sein in Ludwigshafen geborener und weltweit ausstellender Kollege Wolfgang Zurborn (Turbine), der in Offenbach lebende, gebürtige Tscheche René Spalek (Cotton Club) sowie der Russe Fyodor Telkov. Man habe sich bewusst dafür entschieden, „die Kunstzensur nicht mitzumachen“, die derzeit gegenüber russischen Künstlern herrsche, so Heieck. Entsprechend des Festivalschwerpunkts, der analog zum Kultursommermotto auf Osteuropa liegt, sind neben Tschechen und Russen auch Ukrainer, Belarussen und mit der Wahllautererin Marta Maria Mróz

Seelenbilder: Poetische Arbeit von Marta Maria Mróz.
Seelenbilder: Poetische Arbeit von Marta Maria Mróz.

eine Polin beim Foto Fest vertreten.

Auch die Präsentation in der Pfalzgalerie ist von diesem Schwerpunkt geprägt. Im extra für das Festival leergeräumten Ostflügel des Erdgeschosses ist einmal der tschechische Altmeister Jindrich Streit mit seinen Vintage-Prints zu sehen. „Er gilt als Henri Cartier-Bresson des Ostens“, so Heieck. Seinen Aufnahmen vor dem Hintergrund des Kalten Krieges aus den 1980er Jahren

Ansicht des Kalten Krieges: eine Arbeit des Altmeisters Jindrich Streit.
Ansicht des Kalten Krieges: eine Arbeit des Altmeisters Jindrich Streit.

stehen in dem Museum des Bezirksverbandes die Arbeiten von David Tesinsky aus Prag gegenüber, die den Krim-Krieg vor rund sieben Jahren dokumentieren. Nicht minder renommiert und in vielen internationalen Publikationen präsent ist ebenfalls der Ukrainer Alexander Checkmenev, der jüngst mit seinem Selenskyj-Porträt auf dem Cover des Time-Magazines ins Rampenlicht trat. Das omnipräsente Thema des Krieges zieht sich also wie ein roter Faden durch diesen Teil des Lauterer Ausstellungsparcours.

Zweijähriger Turnus in Sicht?

Treten zwar die beiden Kuratoren Brenner und Heieck mit ihren ebenfalls vielfach ausgestellten und prämierten Fotografien selbst nicht in Erscheinung, so ist jedoch auch die Region beim Foto Fest gut vertreten. Neben der erwähnten Marta Maria Mróz zeigt der Ludwigshafener Günther Wilhelm Ansichten aus Polen

In der alten Technik der Cyanotypie gefertigt: eine Ansicht aus Prag von Günther Wilhelm.
In der alten Technik der Cyanotypie gefertigt: eine Ansicht aus Prag von Günther Wilhelm.

in alten Techniken im alternativen Kulturtreff AmWebEnd, und der verstorbene Lauterer Altmeister Hans Günther Hausen ist mit Ansichten seiner Heimat im Glockencafé vertreten.

Altmeister aus Kaiserslautern: Hans Günther Hausen schuf diese eindrückliche Ansicht Kaiserslauterns.
Altmeister aus Kaiserslautern: Hans Günther Hausen schuf diese eindrückliche Ansicht Kaiserslauterns.

Der mit Kaiserslautern assoziierte ägyptische Fotograf Hamdy Reda kuratiert Ausstellungsteile im Kunstlager der KWG (Künstlerwerkgemeinschaft) und im Café Vielfalter.

Viel gäbe es noch zu berichten von einem facettenreichen Ausstellungsprogramm in den großen wie den Off-Locations, das dem Publikum drei Tage lang die Begegnung mit dem Medium Fotografie auf hohem Niveau beschert und obendrein zeigt, wie topaktuell es die wesentlichen gesellschaftlichen Fragestellungen der Zeit verhandeln kann. Dass das Foto Fest, wie von Heieck und Brenner angedacht, alle zwei Jahre stattfinden und sich damit im Reigen der Festivals der Region etablieren wird, bleibt schon jetzt zu hoffen.

Infos

Das Programm des Internationalen Foto Fests Kaiserslautern findet sich im Internet auf www.foto-fest.com.

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