Leiningerland / VG Eisenberg
Starkregen am Montag: So hat das Wasser gewütet
Was sie am späten Montagnachmittag sehen, macht Danica und Sven Sottung fassungslos. Sie schauen während eines massiven Regenschauers in ihren Garten. Und sehen so, wie Wassermassen urplötzlich das Grundstück im Ramsener Klosteracker fluten, sich dann den Weg in den Keller bahnen. Um 17.10 Uhr alarmiert der Hausbesitzer die Feuerwehr, wagt sich danach selbst ins Untergeschoss. „Da schwammen schon die Gefrierschränke und der Wäschetrockner mir entgegen“, erzählt er später.
Flut ergießt sich in Seniorenheim-Küche
Also tritt der Mann den Rückzug an, baut oberhalb der Kellertreppe Barrikaden. Die Wehr eilt herbei, am Ende wird sie in Ramsen zwölf Einsätze zählen. Gebraucht wird sie vor allem in den Straßen Am Klosteracker, Am Margarethenacker und Pfaffenhecke. In dieser Ecke befindet sich auch das Seniorenheim. Dort drücken die Wassermassen den Kanaldeckel hoch, die Flut ergießt sich in die Küche. Im Klosteracker werden derweil Pumpen und Barrieren aus Biertisch-Garnituren aufgestellt.
Aber die Straße ist nun schon komplett überflutet, über die abschüssigen Einfahrten fließt das Wasser in weitere Gebäude. Mittlerweile ist die komplette Feuerwehr der Verbandsgemeinde Eisenberg im Einsatz. Ein Fahrzeug des Katastrophenschutzes, vollbepackt mit Geräten für Unwettereinsätze, wird aus Göllheim hinzugezogen. Hobbygärtner werden hinterher bilanzieren: Binnen etwa 45 Minuten fallen zwischen 45 und 50 Liter Regen. Dazu kommen bis zu drei Zentimeter große Hagelkörner.
Einsätze vor allem in Carlsberg
Weil kaum Wind geht, trifft die Unwetterzelle das obere Eistal mit voller Wucht – während die Wehr im nahen Grünstadt gar nicht ausrücken muss. In der Verbandsgemeinde Leiningerland allerdings werden ebenfalls Keller überflutet und Gullydeckel aus den Schächten gedrückt. Die Feuerwehr ist einem Sprecher zufolge mit etwa 35 Leuten von 16.40 Uhr bis gegen 20 Uhr im Einsatz: vor allem in Carlsberg, einmal auch in Wattenheim. Rund um Ramsen schießen die Wassermassen derweil die Hänge hinab.
Auf der L395 ergießt sich die Flut bis nach Steinborn: Schlamm und Steine werden auf die Straßen gespült. Auf der Landstraße beim Kisselhof steht das Wasser knöchelhoch. In Eisenberg kontrolliert die Feuerwehr Brücken mit kritischer Höhe, beispielsweise an der Hermann-Graf-Straße. „Es war zwischendurch schon ganz schön knapp“, berichtet Wehrleiter Michael Partsch später. Und in Kerzenheim müssen die Retter zum Kindergarten.
Holzschnitzel verstopfen Abflüsse
Hier verstopfen Holzschnitzel die Abflüsse. Einsatzleiter Andreas Brauer bilanziert am Tag danach: „Die Kitamitarbeiterinnen haben vorbildlich das Gebäude mit bereitgehalten Sandsäcken gesichert, und wir haben die Überschwemmung dann abgepumpt.“ Also bleibt das Gebäude trocken, es gibt keinen Schaden – anders als bei den Sottungs in Ramsen. Dort werden nach gut einer Stunde die Wassermassen weniger und das Hauptproblem kann angegangen werden: eine Engstelle im Rehbach.
Er fließt dort auf einer Länge von rund 15 Metern durch ein Rohr. An dessen Eingang beseitigen die Helfer Unrat, darunter auch eine Plastiktüte. Unmittelbar danach fließt ein Teil des Wassers ab. Doch die Wehren bleiben bis tief in die Nacht im Einsatz. Und Sven Sottung sieht am nächsten Morgen in seinem Keller vor allem: Verwüstung. Die Heizung und der Warmwasserspeicher sind zerstört, der Inhalt der Tiefkühltruhe liegt überall verteilt, alles ist mit Schlamm verklebt.
Alles mit Schlamm verklebt
„Zum Glück haben wir eine Elementarversicherung“, sagt der Hausbesitzer. Nun wartet er darauf, dass er einen Elektriker beauftragen kann: Die elektrischen Leitungen im Keller müssen abgeklemmt werden, damit wenigstens im Rest des Hauses wieder Strom vorhanden ist.