Leiningerland / Eisenberg
Sicher feiern: Was die neuen Vorschriften für Feste in der Region bedeuten
Kein Zweifel: Sicherheit bei Festen ist wichtig. Ein überarbeitetes Polizei- und Ordnungsbehördengesetz (POG) stellt Festveranstalter aber vor Herausforderungen. Von ihnen werden nun Sicherheitskonzepte gefordert – zumindest, wenn die Veranstaltungen, die sie planen, groß genug sind (5000 Besucher gleichzeitig auf einem Platz). Mehr Sicherheit kostet mehr Geld. Die Deidesheimer verlangen daher für ihre Kerwe künftig Eintritt. Gleiches gilt in Haßloch beim Andechser Bierfest.
Sprengstoff-Anschlag als Anlass
„Für uns ist das bislang kein Thema“, gibt Marcus Brill Entwarnung in Sachen Eintritt für Freunde des wohl bekanntesten Weinfestes der Welt. Brill organisiert in Bad Dürkheim den Wurstmarkt und spricht auch für andere Weinfeste der Stadt. „Ich weiß gar nicht, wie das gehen sollte“, sagt er über absperrte Feierbereiche, wie es sie etwa in Deidesheim gibt. Die Stadt habe sich schon 2016 mit erhöhten Sicherheitsauflagen auseinandergesetzt. Ereignisse wie der Sprengstoffanschlag von Ansbach hatten dazu den Anlass gegeben.
Nach außen sichtbar waren diese Änderungen etwa durch Barrieren. Diese sollen verhindern, dass Autos ungebremst auf das Festgelände rasen können. Hinzu kam Sicherheitspersonal. Finanziert wurde das laut Brill mit einer Umlage von fünf Prozent für die Wurstmarkt-Beschicker. Dabei ist es bislang geblieben. Wenig sichtbar nach außen waren Maßnahmen wie Notbeschallung oder -beleuchtung.
So läuft’s beim Autofreien Eistal
Auswirkungen hat das Gesetz auch auf die Planung des Autofreien Eistals, das am 3. Oktober über die Bühne gehen soll, wie Christopher Krill von der VG Eisenberg ankündigt. „Wir stecken gerade in den Vorbereitungen, haben die Standbetreiber angeschrieben. Da hat sich in den zwei Jahren Pandemie viel geändert“, sagt er. Und natürlich wird auch schon am geforderten Sicherheitskonzept gearbeitet. Die VG Eisenberg habe da den Hut auf, die VG Leiningerland und die Stadt Grünstadt arbeiten für ihre Bereiche zu. Vorgespräche mit Polizei, Rettungsdiensten und Feuerwehr hätten stattgefunden. „Ziel ist, dass das Konzept Mitte Juli steht“, so Krill.
Natürlich sei der Aufwand jetzt erst einmal groß. „Aber dafür steht es dann und kann weiter verwendet werden“, so Krill. Viele Änderungen zu den bisherigen Konzepten seien aber nicht zu erwarten. „Im Grunde bündeln wir zu einem großen Teil bisherige Checklisten zu einem großen, umfassenden Konzept, das dann am Ende von der Ordnungsbehörde des Donnersbergkreises überprüft und abgenommen wird“, so Krill.
„An bekannten Nadelöhren nachjustieren“
Die Besucher – über den Tag verteilt sind es in der Regel zwischen 9000 und 12.500 – sollen möglichst wenig davon merken, dass da nun irgendetwas anders ist. „Am greifbarsten wird sein, dass wir bei bekannten Nadelöhren nachjustieren, in Eisenberg am Storchenturm oder vor der VG-Verwaltung. Da wird es eng und für die Rettungsdienste schwierig. Daher werden wir wohl am Storchenturm Fahrradparkplätze ausweisen, damit dort nicht wild geparkt wird. Und für Stände vor der Verwaltung werden neue Standorte gesucht“, so Krill. Und wie sieht es in Sachen Maßnahmen gegen terroristische Bedrohung aus? „Da gibt es für uns keine Auflagen. Das Gebiet der Veranstaltung ist dafür zu groß und von vielen Seiten zugänglich. Das könnte man nicht alles absperren“, sagt Krill. Auflagen gäbe es dann, wenn man mit Plätzen arbeite, an denen sich Menschen dauerhaft sammeln. „Bei uns ist da ja mehr Durchlauf“, so Krill. Dennoch müsse bei den Sicherheitsbehörden vorab die Bedrohungslage abgefragt werden.
Krill ist sich sicher, dass sich der Aufwand am Ende lohnt. Und er widerspricht auch der Tourismusbeauftragten der Verbandsgemeinde Leiningerland, Cornelia Wetzel, die in der Dienstagsausgabe der RHEINPFALZ dem Autofreien Eistal den Stempel „aussterbend“ aufdrückte. Krill: „Das Autofreie Eistal stirbt mit Sicherheit nicht aus. Dann würden wir uns den Aufwand nicht machen.“
Polizeichef: Keine Angst vor Konzept
Der Grünstadter Polizeichef Thomas Jung weiß, dass viele Planer von Festen fürchten, dass solche Sicherheitskonzepte teuer werden könnten. „Ich versuche, den Veranstaltern diese Angst zu nehmen“, sagt er. „Ich biete gerne an, dass sie sich mit mir und den Ordnungsbehörden in Verbindung setzen.“ Es sei zwar jetzt erst einmal ein Aufwand, so ein Konzept zu erstellen, aber wenn man es habe, könne man in den darauffolgenden Jahren darauf aufbauen.
Jung findet sogar: Auch bei kleineren Veranstaltungen könnte ein Sicherheitskonzept sinnvoll sein. Er nennt als Positivbeispiel das Konzept für den Neuleininger Burgsommer, das mit Polizei und Ordnungsamt ausgearbeitet worden ist. Beachtet wurden da etwa die Treppen, die im Falle einer Panik auch zu Stolperfallen werden könnten. Auch über Unwetter, Brände oder Stromausfälle wurde gesprochen. Jung sagt, er freue sich, dass der Veranstalter des Burgsommers die Notwendigkeit für ein solches Konzept – das von Ordnungsamt und Polizei empfohlen wurde – erkannt hätten und mittrügen.
Lob für Polizei und Ordnungsamt
Johannes Nippgen, Mitorganisator des Burgsommers, bestätigt die gute Zusammenarbeit mit Ordnungsamt und Polizei beim Erstellen des Konzepts: „Sie haben uns wahnsinnig unter die Arme gegriffen.“ Es sei zwar so, dass Sicherheitsdienst, Feuerwehr und Rotes Kreuz auch in der Vergangenheit beim Burgsommer – der eine Zulassung für 1400 Gäste hat – anwesend waren und dass auch schon immer alle Sicherheitsanforderungen erfüllt worden seien. Aber wenn man dann alles schriftlich niedergelegt habe, sei das noch einmal etwas anderes: „Es ist eine Zusammenfassung für alle möglichen Eventualitäten, von denen man hofft, dass sie nie eintreten.“
Nippgen findet: „Die Veranstalter sollten das nicht als weiteres Ärgernis sehen, sondern auch als eine Absicherung: Sollte etwas passieren, braucht man das Konzept für die Versicherung, um nachzuweisen, dass mal alles beachtet hat.“ Er nennt einige Beispiele, die im Konzept Eingang gefunden haben: So ist ein Ort festgelegt worden, an dem sich wenn nötig ein Krisenstab trifft. Die Veranstalter haben die Schlüssel für umliegende Gebäude, die die Gäste bei Unwetter aufsuchen können, zudem soll akkubetriebene Beleuchtung dafür sorgen, dass die Gäste bei Stromausfall Licht haben.
Tipp für Veranstalter
Polizeichef Jung, der mit Ordnungsbehörden und Kommunen auch Konzepte für den Weinwettstreit in Grünstadt oder das Winzerfest in Bockenheim erarbeitet, empfiehlt Veranstaltern grundsätzlich einen Blick auf die Homepage des Innenministeriums. Dort sind Hinweise und Musterkonzepte für Freiluftveranstaltungen hinterlegt.