Streitfall:
Schulstandorte Kirchheim und Kleinkarlbach: Anbauen oder neu bauen?
Von Heike Schenk-Huber aus Kleinkarlbach
Zwei Gebäude opfern, einen Neubau errichten – das ist die Vorgehensweise der Verbandsgemeinde Leiningerland unter der Leitung von Bürgermeister Frank Rüttger für die Grundschulen in Kirchheim und Kleinkarlbach. Zum besseren Verständnis: Die Grundschulen sollen geschlossen werden, dafür ist ein Neubau in Kirchheim geplant, und zwar ohne Turnhalle. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) [in Trier als übergeordnete Behörde] ist zufrieden mit dem Zusammenlegen der Schulen und die Verbandsgemeinde hat eine einfache „wirtschaftliche“ Lösung.
Aber da war doch ein Wahlversprechen von Herrn Rüttger? Dass die Grundschulen beider Gemeinden erhalten bleiben. Und im Oktober 2017 gab es einen Grundsatzbeschluss, alle Schulstandorte [im Leiningerland] zu erhalten.
Seit 25 Jahren lebe ich in der Gemeinde Kleinkarlbach, meine Kinder konnten hier in die Grundschule gehen – meine Jungs hatten dort eine tolle Zeit. 2010 hat mein Jüngster die Schule verlassen. Damals hat das Gebäude nicht so ausgesehen, als ob es für 3,4 Millionen Euro renovierungsbedürftig sei. Mein Verständnis reicht nicht aus, um nachvollziehen zu können, wieso die Sanierungskosten von 1,9 Millionen Euro plötzlich auf 3,4 Millionen Euro gestiegen sind. Ich zweifle den Kostenvoranschlag daher an. Wer profitiert von den hohen Kosten – das Argument der Wirtschaftlichkeit?
„Der Standort Kleinkarlbach ist perfekt“
Der Standort Kleinkarlbach am Eckbach ist aus meiner Sicht perfekt für einen Erweiterungsbau und eine Sanierung. Es heißt, der Platz sei durch einen Grünzug (Raumordnungsplan) beschränkt. Wenn ein Bestreben vorhanden wäre, könnte die Nutzung des Grünzugs aber geändert werden – für einen gemeinnützigen Zweck. Ich habe den Eindruck, Grünzug und Raumordnungsplan kommen sehr gelegen, um sich hier nicht mehr bemühen zu müssen. In anderen Ortschaften konnte der Grünzug meines Wissens auch in seiner Nutzung geändert werden.
Aus meinem Blickwinkel ist der Standort Kleinkarlbach optimal: Die bestehende Grundschule erweitern und sanieren, den Grünzug nach einer Nutzungsänderung mit einbeziehen. Direkt neben der Schule ist bereits eine Turnhalle, die Grundschulkinder haben keinen Fußweg und somit keinen Zeitverlust für den Sportunterricht – und es gibt keine weiteren Baukosten für eine Schulturnhalle. Der Bushalteplatz ist abgelegen von der Hauptstraße in einer Sackgasse, ein Plus an Sicherheit für bewegungshungrige Grundschulkinder.
„Die Schule ist ein großer Teil der Infrastruktur“
Die Grundschule ist ein großer Teil der Infrastruktur in Kleinkarlbach. Junge Familien mit Kindern haben den Anreiz, hier zu bleiben oder nach Kleinkarlbach zu ziehen. Bei der wirtschaftlichsten Lösung nehme ich an, dass die leerstehenden Häuser stetig mehr werden und eine schleichende Überalterung der Einwohner stattfindet.
In Kleinkarlbach soll eine lebendige Grundschule bestehen bleiben. Die Hilfe von Frank Rüttger, dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde, wird dazu dringend gebraucht. Die Bereitschaft, die Alternative objektiv zu betrachten – ohne Einfluss der ADD und der einfachen Worte der Wirtschaftlichkeit. Flexibilität (Betrachtung der Nutzungsänderung des Grünzugs) und Innovation der wirtschaftlichen Umsetzung einer Erweiterung und Sanierung der Grundschule Kleinkarlbach sind notwendig.
Zur Person: Heike Schenk-Huber
Von Susanne Raaf aus Kirchheim
Ein Neubau ist die einzige Option – alles andere wäre töricht! In den Diskussionen um die Zukunft der Grundschulen Kirchheim und Kleinkarlbach stellt sich die Frage, ob hier nur nostalgisches und egoistisches Denken im Vordergrund steht, oder die Verantwortlichen auch vom ökonomischen Sachverstand geleitet werden. Sich an einer Sanierung so verbissen festzuklammern und dabei Wirtschaftlichkeit und die Situation von Kindern und Lehrern, die beiden zentralen Gesichtspunkte, völlig außer Acht zu lassen, ist nicht nur unsinnig, sondern auch verantwortungslos.
Trotz langer Überlegungen findet sich kein vernünftiges Argument, welches für die Sanierung eines Altbaus spricht – dafür umso mehr Argumente für einen Neubau, von welchem beide Gemeinden profitieren würden. Ob nämlich ein Dorf, mit einer maroden, sanierungsbedürftigen Schule sich wirklich attraktiver darstellt als eines, dessen Schulkinder einen Kilometer weiter in einem modernen, den heutigen Anforderungen entsprechenden Neubau unterrichtet werden können, ist fraglich.
„Bei einem Neubau ist die Platzfrage geklärt“
Bei einem Neubau ist die Platzfrage geklärt, denn sowohl Kleinkarlbach als auch Kirchheim verfügen nicht über ausreichende Kapazitäten, um Kinder von fünf Gemeinden zu beherbergen, ohne die Schulhöfe mit Containern zu verschandeln und Freiflächen zum Spielen in den Pausen wegzunehmen.
Eine zweizügige Schule, die einen gewissen Lern- und Lehrkomfort bieten möchte und auch muss, sollte über folgende Räumlichkeiten verfügen: acht Klassensäle, mehrere Fachräume (Musik, Naturwissenschaften, Kunst), das Büro der Schulleitung, ein Sekretariat, ein Lehrerzimmer, einen Medienraum, einen Speisesaal (aktuell nehmen die Kinder in Kirchheim ihr Essen im oberen Foyer der Grundschule ein), eine Küche, zwei Räume für die Ganztagsbetreuung und einen Raum zur Vorbereitung mit Platz für Arbeitsmaterialien, einen Kopierer, Bücher und so weiter. Das könnten bei den aktuellen Gegebenheiten weder Kirchheim, noch Kleinkarlbach nach einer Sanierung bieten.
„Gute Mahlzeiten für die Kinder“
Verbunden mit einer zweckmäßigen Küche, könnte die Einstellung einer Hauswirtschafterin sein, welche für frisches, schmackhaftes Mittagessen sorgt. Das ist eine bessere Alternative als der derzeitige Catering-Service, der das Essen aufgrund der Lieferzeit nur in aufgewärmtem Zustand servieren kann. Man hätte dadurch zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Die Kinder bekommen eine leckere, gesündere Mahlzeit und die Transportwege des Caterers fallen weg. Aus ökologischer und wirtschaftlicher Sicht optimal.
Um bei der Wirtschaftlichkeit zu bleiben: Die Sanierung eines Altbaus ist unterm Strich meistens teurer als anfangs veranschlagt, da man schlecht voraussehen kann, welche Folgekosten zu erwarten sind beziehungsweise welche unguten Überraschungen sich hinter altem Mauerwerk verbergen. Bei einem Neubau lässt sich alles etwas genauer kalkulieren.
„Den Goldesel gibt’s nur im Märchen“
Und es stellt sich auch immer noch die Frage, wer denn die Sanierung(en) eigentlich finanzieren soll. Die Kassen der Gemeinden im Leiningerland sind nicht gefüllt, das Land bezuschusst [unwirtschaftliche Vorhaben] verständlicherweise nicht und den Goldesel im Keller gibt’s leider nur im Märchen. Das sollten die kommunalen Entscheidungskräfte eigentlich wissen.
Zur Person: Susanne Raaf