Grünstadt
Leiningerland: Winzer freuen sich auf den Herbst

Während die Weinlese in anderen Teilen der Pfalz bereits begonnen hat, möchten die Winzer im Leiningerland ihre Trauben noch zwei, drei Wochen hängen lassen. Bleibt es heiß und trocken, erwarten sie eine ausgezeichnete Qualität, allerdings keine Rekordernte wie im vergangenen Jahr.
Hauptrebsorten wie Burgunder oder Riesling werden laut dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum etwa ab Mitte September geerntet. Das bestätigt Gerhard Siebert, Vorsitzender der Bauern- und Winzerschaft Grünstadt-Sausenheim. „Die Reifephase hat jetzt gerade begonnen. Daher ernten wir aktuell noch nicht in der Region“, erklärt er. Siebert hofft auf einen guten Jahrgang, da die Trauben seiner Meinung nach in hervorragendem Zustand sind.
Abgesehen von den zwei Unwettern im Sommer seien die Wetterbedingungen über das Jahr hinweg optimal gewesen, sagt er. Die Rebstöcke hätten dank der Niederschläge ausreichend Wasser bekommen. Und die zahlreichen Sonnenstunden ließen die Beeren, besonders während der Sommermonate, kräftig wachsen. Hagelschäden seien nur partiell in kleinen Bereichen vorgekommen. Hier schätzt Siebert einen Verlust von zehn bis 15 Prozent.
Die Beeren werden jetzt täglich süßer
„Jetzt kann es so weitergehen, vor allem mit der Sonne und der Wärme von 26 bis 28 Grad“, wünscht sich der Winzer. Denn diese ist für die Oechslegrade, also die Süße der Trauben, verantwortlich. Täglich nehme die Süße im Durchschnitt um ein Grad Oechsle zu. Bis zur Ernte müssten die Beeren etwa 70 Grad Oechsle erreichen. Besonders die aktuell eher kühleren Nächte seien für die Aromatik der Beeren, auch für die im Leiningerland vorwiegend angebaute Rebsorte Riesling, von Vorteil.
Im Dürrejahr 2018 gönnte das Wetter den Winzern keine Sommerpause, da die Lese auch im Leiningerland bereits im August startete. So habe das Weingut Sonnenhof in Bockenheim Anfang August 2018 als einer der ersten Betriebe den Traubenherbst eingeläutet, berichtet Siebert. Gelesen wurden die Sorten Huxelrebe, Ortega und Solaris für Neuen Wein. Etwa 14 Tage bis drei Wochen später sei die Vegetation in diesem Jahr dran, schätzt Siebert: „Wir sind in einem normalen Bereich.“ Die kühlere Periode sei für die Lese besser, freut er sich. Die Trauben müssten nämlich vor der Weiterverarbeitung sonst gekühlt werden.
Heiß und trocken ist perfekt
„Alles gut“, sagt auch der Asselheimer Winzer Uli Metzger. Nachdem er im vergangenen Jahr am 20. August mit der Ernte beginnen musste, geht es diesmal erst am 5. September mit der Lese von Früchten für Traubensaft los. Eine Woche später seien Müller-Thurgau, Portugieser und Dornfelder dran. „Wenn es so heiß und trocken bleibt, ist es perfekt“, erklärt der 50-Jährige. Dann werde man keine Probleme mit der Kirschessigfliege haben. Metzger zeigt sich zuversichtlich, ein ausgezeichnetes Ergebnis zu erzielen, allerdings keine Rekordernte wie 2018.
Der Behang an den Rebpflanzen sei nicht so dicht wie 2018 Jahr. Aber die Säurewerte seien besonders hoch und die Trauben gesund. Im Juli und August habe es genau zur richtigen Zeit geregnet. Käme es in den nächsten Tagen zu heftigen Niederschlägen, könnte sich aber schnell Fäulnis unter den Früchten breitmachen, und dann müsse sehr schnell reagiert – sprich: geerntet – werden.
Von den Unwettern seien seine Wingerte weitgehend verschont geblieben. „In Kleinbockenheim habe ich drei bis sechs Prozent Hagelschäden“, erzählt Metzger. Durch Sonnenbrand habe er auch nur wenige Beeren verloren. „Die Trauben an früh entlaubten Rebstöcken entwickeln eine dickere Schale und vertragen die Sonne besser.“ Man könne viel machen, um mit den aufgrund des Klimawandels veränderten Bedingungen zurechtzukommen – außer auf neue Rebsorten wie Petit Verdot zu setzen. Etwa wasserspeichernde und humusbildende Winterbegrünung zwischen den Rebzeilen anlegen, Beschattung durch Strohbedeckung und eine frühe Bodenbearbeitung, damit die Feuchtigkeit nicht verdunstet.
Es muss umgedacht werden
Wolfgang Pahlke, der zusammen mit seinem Sohn Thomas in Battenberg Biowein erzeugt, wünscht sich mit Blick auf die zunehmende Trockenheit von den Winzerverbänden und der Politik ein Umdenken. „Es müssen Bewässerungsmöglichkeiten geschaffen werden. In 20 Jahren ist es zu spät“, findet er. Auf Mallorca, in Südafrika und Kalifornien habe jedes Weingut einen eigenen Teich.
In Battenberg sei man zwar grundsätzlich noch gut mit Feuchtigkeit versorgt, doch gebe es keine Regel ohne Ausnahme. So erinnert sich Pahlke an das Extremjahr 2003: „Da die Früchte viel Wasser ziehen, haben wir damals die noch unreifen Trauben von jungen Spätburgunder-Pflanzen einfach abgeschnitten, damit der Rebstock überlebt.“ Im laufenden Jahr habe er viel Mehrarbeit durch den Tornado gehabt, der am 12. Juli auch über seine Weinberge hinwegfegte. Auf einzelnen Rebflächen seien bis zu 30 Prozent der Trauben kaputt und mussten wegen Fäulnisgefahr herausgeschnitten werden. „Wir lesen ja ausschließlich mit der Hand“, sagt Pahlke. Los geht es bei ihm mit dem Frühburgunder ab 10. September: „Wir scharren mit den Hufen, freuen uns schon auf den Herbst.“
Eine Neuanlage kostet viel Geld
Jungwinzerin Johanna Kolb aus Kirchheim wird in zwei Wochen mit der Ernte der Sorten Phönix und Regent für Neuen Wein starten. In den Lagen Steinacker und Geißkopf habe sie durch Hagel und Sturm bis zu 40 Prozent der Trauben eingebüßt, „und der Verlust durch Sonnenbrand ist erheblich“, berichtet sie. Das Gute daran sei aber: „Die geschädigten Beeren trocknen ab, fallen auf den Boden und beeinträchtigen nicht das Lesegut.“ Das Anpflanzen von Reben, die besser mit Hitze zurechtkommen, sei reiflich zu überlegen: „Eine Neuanlage kostet viel Geld und die Rebstöcke brauchen drei Jahre, bis sie Ertrag bringen.“