Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Frust und Ärger bei der Haussuche

Ein Haus mit vier bis fünf Zimmern und einem kleinen Garten wünscht sich die junge Familie.
Ein Haus mit vier bis fünf Zimmern und einem kleinen Garten wünscht sich die junge Familie.

Zu teuer, zu schrottig oder erst gar kein Angebot: So beschreibt eine junge Familie die schwierige Lage im regionalen Immobilienmarkt.

Die junge Familie ist mittlerweile fast am verzweifeln: Seit über vier Jahren wollen Alexandra Strickler und ihr langjähriger Partner für sich und ihren einjährigen Sohn Toni ein Haus oder einen Bauplatz in Grünstadt oder der näheren Umgebung kaufen. Sie finden aber einfach nichts. Dabei haben sie „schon echt alles probiert“, sagt Alexandra Strickler. Zahlreiche Stunden hätten sie das Internet nach passenden Angeboten durchsucht, Anzeigen auf verschiedenen Portalen geschaltet und in der Zeitung immer mal wieder ein Gesuch inseriert. Über 30 Häuser hätten sie sich mittlerweile angeschaut, wovon nur zwei überhaupt in die engere Auswahl gekommen seien.

„Es war so viel dabei, was wirklich Schrott war“, sagt Strickler. Sie sei der Besichtigungen inzwischen müde. „Das frustriert schon sehr, wenn man da hingeht und dann sieht das alles ganz anders aus“, erzählt die junge Mutter. Der „größte Müll“ würde einem angepriesen werden, als sei es „etwas ganz Tolles“, sagt sie. So sei ihnen unter anderem versucht worden, eine alte, verstaubte Küche im Keller als schicke Sommerküche zu verkaufen. Ein anderes Haus sei bei einem Kaufpreis von 580.000 Euro komplett renovierungsbedürftig gewesen, inklusive Schimmel an den Wänden. Die Antwort des Maklers auf ihre Beschwerde, wie man ein solches Haus zu so einem Preis anbieten könnte: Der Markt gibt es her.

Schlaflose Nächte bei solchen Summen

Die Angebotslage, aber vor allem auch das Preis-Leistungs-Verhältnis sei demnach der Hauptgrund dafür, dass es bisher mit dem Traum vom Eigenheim nicht geklappt hat. „Wir wollen kein Haus geschenkt bekommen, aber es muss eben noch im Verhältnis stehen“, sagt die 35-Jährige. Sowohl sie als auch ihr gleichaltriger Partner sind verbeamtete Gymnasiallehrer, könnten sich also, was das Gehalt angeht, eigentlich „nicht beschweren“. Und auch einen Kredit zu bekommen, sei nicht das Problem. „Wir haben aber auch keine Lust, bis in die Pension einen Kredit abzubezahlen“, sagt Stricklers Partner. „Und selbst bei unserer Berufsgruppe darf da dann nix passieren in den nächsten 40 Jahren“, ergänzt er. Bei diesen Summen hätten sie beide schon schlaflose Nächte gehabt. Strickler findet: „Es kann eigentlich nicht sein, dass ich mir als Lehrerin kein Haus leisten kann.“

Ihnen sei bewusst, dass das „Jammern auf hohem Niveau“ ist und es sei auch von vornherein klar gewesen, dass das Haus oder der Bauplatz „kein Schnapper“ wird. Strickler sagt aber auch: „Man muss sich eben wohlfühlen, wenn wir was kaufen, dann machen wir das nur einmal.“ Als zu anspruchsvoll empfindet sich das Paar nicht. „Wenn man nicht alles nimmt, heißt es direkt, man ist zu wählerisch. Dabei sind wir relativ offen, sowohl für Bestandsimmobilien als auch bauen“, sagen sie. Von der perfekten Immobilie hätten sie sich schon längst verabschiedet und würden auch keinen großen Luxus wollen. Im Gegenteil: „Wir brauchen nichts Überdimensionales, wir wollen was Klassisches, Einfaches“, so der Lehrer.

Frust und Ohnmachtsgefühl

Nach der jahrelangen Suche mache sich mittlerweile Frustration breit. Besonders seit ihr Sohn da sei, fühlten sich die Eltern noch mehr unter Druck, denn „der braucht ja immerhin auch irgendwann sein eigenes Zimmer“. Aktuell lebt die kleine Familie in einer Drei-Zimmer-Wohnung in Grünstadt. Da ihre Vermieterin die Wohnung jedoch zeitnah verkaufen möchte und dem Paar die Wohnung auf Dauer zudem zu klein werde, hielten sie mittlerweile auch wieder nach Mietwohnungen Ausschau. Doch auch da „kommt einfach nichts rein“, beklagen sich die beiden. „Man hat schon so ein Ohnmachtsgefühl, weil man alles macht, was geht, und es kommt nichts dabei raus“, beschreibt es Strickler.

Neben der Suche im Internet und den Anzeigen seien sie auch schon durch Grünstadt gelaufen und hätten nach leerstehenden Immobilien Ausschau gehalten. Nach wie vor würden sie zwar am liebsten ein Grundstück direkt von der Gemeinde kaufen. Aber auch der direkte Weg über die Bürgermeister in der Verbandsgemeinde Leiningerland, unter anderem aus Obrigheim, Kirchheim und Kleinkarlbach, seien erfolglos geblieben. Die Antwort sei immer die Gleiche gewesen: Sie würden gerne mehr Wohnraum schaffen, dafür bräuchten sie aber Ausgleichsflächen, die sie nicht haben.

Das sagen Stadt und Verbandsgemeinde

Das bestätigt auch Joerg Schifferstein, der Pressesprecher der VG. „Es ist tatsächlich so, dass derzeit im Gebiet der Verbandsgemeinde Leiningerland keine Bauplätze aus kommmunaler Hand angeboten werden können“, sagt er.

Dasselbe gilt für Grünstadt. Karin Beck von der Stadtverwaltung bestätigt, dass der Wohnungsmarkt, besonders im preisgünstigen Segment, sehr angespannt sei. Eine Analyse, wie viel Wohnraum in Zukunft gebraucht werden wird, habe ergeben, dass bis zum Jahr 2035 rund 590 Wohnungen fehlen. Sowohl die Nachfrage nach Baugrundstücken sei weiterhin groß – circa vier bis fünf Anfragen die Woche – als auch die Nachfrage nach Mietwohnungen (fünf bis sechs Anfragen pro Woche). Beck weiter: „Die städtischen Bauplätze sind derzeit alle veräußert.“ Sie mutmaßt, dass es noch private Grundstücke geben könnte, die zum Verkauf stehen, die meisten würden diese aber „aus unterschiedlichen Gründen derzeit nicht veräußern“ wollen.

Noch Hoffnung auf ein Eigenheim

Die Berichte vonseiten der VG und der Stadt decken sich mit den Erfahrungen, die Familie Strickler gemacht hat. Dennoch wollen die beiden den Traum vom Eigenheim aktuell noch nicht aufgeben und suchen weiter. Entweder nach einem Grundstück oder einem Haus im Umkreis von circa zehn Kilometern rund um Grünstadt, mit mindestens vier Zimmern und am liebsten mit einem keinen Garten.

Sie wissen zwar: „Das ist ein Traum, den viele haben, wir sind ja nicht die einzigen Familie, die sucht.“ Trotzdem hoffen sie weiter, etwas Passendes zu finden und würden sich über Angebote unter der Telefonnummer 06359 9290401 oder per E-Mail an familieb21@web.de freuen. „Bei erfolgreicher Vermittlung gibt es auch einen selbst gebackenen Kuchen“, verspricht Alexandra Strickler.

Immerhin das Haus aus Bauklötzen ist zum Greifen nah.
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