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Samstag, 20. Oktober 2018 Drucken

Grünstadt

Kirchheim: Ein Ort steht unter Schock

Von D. Richter, S. Hoffmann,

A. Benndorf und K. Schnurrer

Medien aus ganz Deutschland waren gestern am Tatort in der Weinstraße-Nord in Kirchheim.

Medien aus ganz Deutschland waren gestern am Tatort in der Weinstraße-Nord in Kirchheim. ( Foto: Benndorf)

Polizei und Spurensicherung in der Weinstraße.

Polizei und Spurensicherung in der Weinstraße. ( Foto: Benndorf)

Oberstaatsanwalt Hubert Ströber

Oberstaatsanwalt Hubert Ströber

In der knapp 2.000 Einwohner zählenden Gemeinde herrscht Trauer. Die 56-jährige Frau, die am Freitagmorgen in ihrem Haus in der Weinstraße getötet wurde, war im Ort gut bekannt. Sie war in der Kindertagesstätte Löwenzahn beschäftigt. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft ist sie von ihrem 25-jährigen Sohn getötet worden. Dieser wurde von der Polizei erschossen.

Um kurz vor zehn Uhr herrscht in der Weinstraße-Nord betroffene Stille. Mehrere Anwohner stehen fassungslos auf der Straße und werfen aus sicherer Distanz einen Blick auf das, was sich da vor ihnen abspielt: Die Polizei hat ein Anwesen abgesperrt, Mitarbeiter der Spurensicherung, komplett in weißen Schutzanzügen, gehen in dem Haus ein und aus. Noch wissen die Kirchheimer nicht, was hier passiert ist. Sie haben gehört, dass geschossen worden ist. Nur wenige Meter von ihnen entfernt liegt ein Toter im Hof und eine Tote im Haus. Über die sozialen Netzwerke wird verbreitet, dass immer noch geschossen werde. Bis die Polizei schließlich twittert, dass für die Öffentlichkeit keine Gefahr besteht – und nie bestanden hat.

Im Laufe des Tages wird das Bild klarer

Eine 56-Jährige hatte die Polizei verständigt, aus Angst vor ihrem 25-jährigen Sohn, der unter Drogeneinfluss stehe, einen psychotischen Schub erlitten habe und sie angreife. Als die Polizei um 8.30 Uhr am Tatort eintraf, sei die Frau bereits tot gewesen, sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Hubert Ströber später. Der Sohn sei schließlich mit einer Schere auf die Polizisten losgegangen und habe diese dabei verletzt. Um sich zu schützen, sollen die Beamten den 25-Jährigen erschossen haben. Die 31-jährige Polizistin und ihr 56-jähriger Kollege mussten nach dem Einsatz ins Krankenhaus gebracht werden.

Robert Brunner (CDU) ist an diesem Morgen durch die Polizeifahrzeuge und Hubschrauber auf den Einsatz aufmerksam geworden. Der Ortsbürgermeister kannte die getötete Frau. Sie habe in der Küche der Kindertagesstätte Löwenzahn Im Kiesling gearbeitet. „Nachdem im Verlauf des Vormittags bekannt geworden war, dass es sich um eine Kita-Mitarbeiterin handelt, haben wir die Eltern gebeten, ihre Kinder abzuholen“, erklärt Brunner. Ihre Kolleginnen seien sehr betroffen. Ihnen sei nicht mehr danach zumute gewesen, einfach so weiterzuarbeiten. „Und die Kinder merken in so einer Situation auch, dass etwas nicht stimmt. Deswegen haben wir beschlossen, die Einrichtung früher zu schließen.“ Auch die für den heutigen Samstag geplante Einweihungsfeier für den Erweiterungsbau der Kita sei abgesagt worden. Die Kirchheimer, mit denen er gesprochen habe, seien schockiert, so Brunner. Auch einen Medienrummel in dieser Dimension habe er bisher noch nicht erlebt. Eine Anwohnerin etwa berichtet, dass sie – wie viele andere auch – von mehreren Journalisten angesprochen worden sei. „Ich habe schon überlegt, den Stecker am Telefon zu ziehen. Es haben sogar schon Zeitungen aus München angerufen“, sagt die Frau.

Gerüchte von einem frei herumlaufenden Täter

Sie selbst habe die Schüsse gehört, als sie am Morgen ihre Tiere im Hof fütterte. „Ich bin sofort in Deckung gegangen und ins Haus gerannt, ins zweite Obergeschoss“, sagt sie. Dort habe sie dann aus dem Fenster geschaut. Die Polizei sei bereits vor Ort gewesen, danach sei sofort der Rettungsdienst eingetroffen. „Es gingen Gerüchte rum, dass der Täter noch frei herumläuft.“

Weil sie sich deswegen Sorgen gemacht habe, sei sie schließlich doch auf die Straße gegangen und habe die Polizisten gefragt, ob das stimme. „Die Beamten haben mir dann gesagt, dass keine Gefahr mehr besteht.“

Schreck auch in Kindergarten und Grundschule

Kindergarten und Grundschule liegen vom Tatort ein Stück entfernt. Sie sind von den Absperrungen der Polizei nicht betroffen gewesen. „Der Kindergarten war frei zugänglich, der Betrieb ist zunächst normal weitergelaufen“, so Ortsbürgermeister Brunner. Er habe das Personal im Kindergarten aber informiert und veranlasst, dass die Türen der Einrichtung verschlossen wurden. Weitere Sicherheitsmaßnahmen seien laut Polizei nicht notwendig gewesen.

Sandra Hanauer, Rektorin der Grundschule Kirchheim-Kleinkarlbach, sagt: „Um 8.50 Uhr hat mich mein Mann angerufen, der die Informationen von einem Bekannten hatte.“ Er habe ihr gesagt, dass Schüsse gefallen seien. Die Pause verbrachten die Kinder daher nicht wie üblich auf dem Schulhof, sondern im Schulgebäude. Die Eltern der Schüler seien aber informiert worden. „Ich habe entschieden, dass wir kein Kind alleine mit dem Bus fahren oder zu Fuß gehen lassen“, berichtet Rektorin Hanauer.


 

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