Motorsport RHEINPFALZ Plus Artikel Rennfahrer Marvin Dienst auf unbekanntem Terrain

Mit diesen Prototypen gehen Marvin Dienst und Co. an den Start. Die Autos haben weniger PS als ein GT3-Fahrzeug, sind aber auch
Mit diesen Prototypen gehen Marvin Dienst und Co. an den Start. Die Autos haben weniger PS als ein GT3-Fahrzeug, sind aber auch leichter.

Neue Serie, neues Auto – Rennfahrer Marvin Dienst steht vor einer doppelten Premiere. Am Wochenende bestreitet er für das Team Toksport WRT aus der Eifelgemeinde Quiddelbach auf der Strecke in Spa-Francorchamps die ersten beiden Rennen im Prototype Cup Germany des ADAC. Für den 25-Jährigen ist es der erste Einsatz in einem Prototyp.

Die Vorfreude auf die Ardennen-Achterbahn ist bei dem Lampertheimer groß. Zumal er nach dem Umbau – die legendäre Piste bekam im Winter einige neue Kiesbetten und Tribünen – noch nicht dort war. Die sieben Kilometer lange Strecke mit ihrem hohen Vollgasanteil fordert die Fahrer mehr als andere Kurse.

Mensch und Maschine haben auf jeder Runde einen Höhenunterschied von 100 Metern zu überwinden und 21 Kurven zu durchfahren, von denen eine ganz besonders heraussticht: die legendäre Eau Rouge mit ihrer steil bergauf führenden Links-rechts-links-rechts-Kombination. „Das ist eine meiner Lieblingskurven, aber sie erfordert viel Vertrauen ins Auto und in einen selbst“, sagt Dienst, der seit vielen Jahren für das Team Schütz Motorsport aus Bobenheim-Roxheim am Lenkrad dreht. „Die Kurve baut sich wie eine Wand vor der Windschutzscheibe auf und ist für den Fahrer nicht vollständig einzusehen. Man muss sie aber mit Vollgas nehmen, um die anschließende Kemmel-Gerade, die weiter bergauf führt, optimal zu erwischen.“

Dienst im „puren Rennwagen“

Mit GT3-Autos ist Marvin Dienst schon oft in Spa gefahren. Nicht jedoch mit einem Prototyp. „Das ist für mich absolutes Neuland“, sagt der 25-Jährige, der für Toksport zusammen mit Berkay Besler einen nagelneuen Ligier JS P320 pilotieren wird. Der Bolide der LMP3-Klasse, der von einem 5,6 Liter großen V8-Motor von Nissan angetrieben wird, hat mit rund 460 PS zwar etwas weniger Leistung als ein GT3-Auto, ist mit einem Gewicht von 950 Kilogramm aber mehr als 300 Kilo leichter. Auch die Aerodynamik ist ausgefeilter. Gefahren wird ohne ABS und Traktionskontrolle. „GT3-Autos basieren auf Serienfahrzeugen, Prototypen sind von vornherein als pure Rennwagen konzipiert“, erklärt Dienst. Er rechnet damit, dass der LMP3 in Spa im Rennen sieben bis acht Sekunden schneller sein wird als ein GT3-Fahrzeug.

Den Einstieg in den Prototypen-Sport sieht er als eine Chance, die eigene Karriere zu befeuern. „Viele Piloten fahren nur GT3. Da kann es nicht schaden, Erfahrungen im Prototypenbereich zu sammeln, der gerade stark boomt“, sagt der 25-Jährige. Er will sich so auch für Einsätze in der LMP2- und Hypercar-Klasse empfehlen, wie sie zum Beispiel in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) gefahren werden.

Duru setzt auf Dienst

Der vom ADAC in dieser Saison ins Leben gerufene Prototype Cup Germany für LMP3-Fahrzeuge sowie für Sport-Prototypen der Klassen CN und P4 biete eine gute Einstiegsmöglichkeit in dieses Segment, findet Dienst. Das sieht auch Toksport so. „Für uns wird es das Debüt mit Prototypen-Rennwagen sein“, wird Teammanager Seyhun Duru in einer Pressemitteilung des ADAC zitiert. „Wir können es kaum erwarten, neue Streckenerfahrungen für unser Team und unsere Fahrer zu sammeln.“ Dabei setzt er nicht zuletzt auf Dienst, der im vergangenen Jahr in der GT World Challenge Europe für die Toksport-Truppe gestartet ist: „Marvin ist jung, aber schon sehr erfahren. Er hat über 150 Starts im Rennsport absolviert.“

Die Erfahrung des Lampertheimers wird in den Tagen vor den ersten Rennen gefragt sein. Die Vortests Anfang April mussten wegen Schneefalls in den Ardennen abgesagt werden. „Das wird ein Kaltstart für uns“, sagt Dienst. Weil das nagelneue Auto erst eingefahren werden müsse, werde man wohl erst im freien Training am Freitag ans Limit gehen und am Setup feilen können.

Sprintrennen mit Fahrerwechsel

Die beiden einstündigen Sprintrennen mit einem Fahrerwechsel zur Mitte werden am Samstag, 23. April, ab 10.05 Uhr und am Sonntag, 24. April, ab 10.10 Uhr im Livestream im Internet auf dem Youtube-Kanal der Serie übertragen. Nach dem Saisonauftakt folgen drei weitere Rennwochenenden mit jeweils zwei Läufen auf dem Nürburgring (16./17. Juli), Lausitzring (20./21. August) und Hockenheimring (22./23. Oktober).

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