Frankenthal
Rückblick 2020: Kreative Ideen in der Krise
Dafür zumindest entscheiden sich die drei Musikschulen in der Stadt, als Mitte März der Unterricht nicht mehr stattfinden kann. Im Musikhaus am Strandbad, an der Music Academy und der städtischen Musikschule findet der Musikunterricht fortan digital als Videokonferenz statt. Christian Schatka etwa bringt seinen Musikhaus-Schülern Bassgitarre übers Netz bei. Dort, wo im Musikhaus am Strandbad normalerweise das Notenpult des Lehrers steht, befindet sich jetzt sein Laptop. Die Übertragung ist minimal zeitversetzt, erst in der Nahaufnahme kann der Lehrer korrigieren, was bei der Schülerin noch nicht ganz rund läuft. Für die Lehrer ist der digitale Unterricht anstrengend, vor allem, wenn wie in Schatkas Fall Bands gecoacht werden wollen. Doch es geht irgendwie. Es muss gehen. An der städtischen Musikschule vernetzten sich zu Beginn der Pandemie rund zwei Drittel der knapp 900 Schüler mit ihren Lehrern. Gruppenangebote werden zunächst ausgesetzt. Notenmaterial, CD- und Buchempfehlungen werden per E-Mail verschickt.
Gleis 4 brechen Einnahmen weg
Auch für das Theater Alte Werkstatt (TAW) fällt mit Beginn der Pandemie im März erst einmal der Vorhang. Die Aufführungen werden gestrichen, die Proben auch. Doch die Kosten laufen weiter, etwa für die Miete der Bühne in der Wormser Straße. TAW-Chef Jürgen Hellmann meldet Kurzarbeit für die Techniker, das Thekenpersonal, die Kassierer und Buchhalter an und hofft auf die Corona-Hilfen von Land und Bund, ebenso wie das Gleis 4.
Auch in der Johann-Klein-Straße stehen schwere Zeiten bevor. Wesentliche Einnahmen brechen mit dem Veranstaltungsverbot etwa von Partys weg. Bis zu 60.000 Euro Ausfall könnte die Pandemie das Kulturzentrum kosten, schätzt Geschäftsführer Tiemo Feldmann noch im März. Auch er hofft auf die Corona-Hilfen des Landes, will Kurzarbeit beantragen. Besucher werden gebeten, bereits gekaufte Tickets nicht zurückzugeben, sondern Nachholtermine abzuwarten oder Gutscheine zu akzeptieren. Mit Live-Streams von Veranstaltungen wie dem „Strohhutfest@home“ baut sich das Gleis 4 ein zweites Standbein auf.
TAW verlängert erfolgreiches Open Air
Das TAW-Ensemble betritt beim Open-Air im Juni wieder die Bühne. Im Winzerhof Claus in Großkarlbach stehen 38 Veranstaltungen auf dem Programm – von Eigenproduktionen über Gastspiele bis hin zu Auftritten von Kabarettisten, Krimiautoren und einem Zauberer. Das kommt gut an beim Publikum, sodass das Auswärtsspiel verlängert wird. Als es draußen kälter wird, verlagert das Ensemble das Geschehen wieder nach drinnen. Mit einer Corona-konformen Online-Show dreimal die Woche unterhält das Team die Fans ab Mitte November im Netz. Auch vor dem Kinderprogramm macht Hellmann nicht Halt – „Rudolph mit der roten Nase“ wird kurzerhand als Film ins Netz gestellt.
Und die Kunst? Auch die geht ins Netz. Uschi Freymeyer, Ursula Faber, Dimana Wolf und viele andere lokale Künstler stellen ihre abgesagten Schauen online, Nicoleta Steffan nutzt erst das Netz, dann leerstehende Läden kreativ. Auch Sängerin Elke Wunderle gibt ihr Kuschelkonzert im Netz, während es sich Fans bei „Musik im Garten“ im Sommer am Kunsthaus bequem machen.