Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Rück-Spiegel – die Wochenkolumne

In Bayern ist der politische Aschermittwoch traditionell eine lautstarke, derbe und bierselige Angelegenheit.
In Bayern ist der politische Aschermittwoch traditionell eine lautstarke, derbe und bierselige Angelegenheit.

Geschichte: Einfall

Die Zeiten haben es im Allgemeinen so an sich, dass sie sich ändern. Und dem muss man Rechnung tragen, wenn man kein Ewiggestriger sein will. Überall ist man auf der Suche nach neuen Formaten und Angeboten, um Leute zu erreichen und an sich zu binden, seien es Medien, Kirchen, Parteien oder Vereine.

Auch der Bobenheim-Roxheimer Verein für Naturschutz und Heimatpflege hat sich überlegt, womit er die Einwohner mal wieder in sein Museum locken könnte. Neben Führungen, die ganz bestimmte Exponate in den Blick nehmen, wurde auch die zunächst einmal nicht gerade spannend klingende Idee des „Erzählcafés“ geboren. Die Vereinsleute waren dann ziemlich überrascht, dass zur Premiere von „Wäschd noch, wie des war, sellemols?“ am Sonntagnachmittag ein gutes Dutzend Frauen kam, um Erinnerungen an das frühere Dorfleben auszutauschen, berichtet Vorstandsmitglied Klaus Graber.

Als „heimatkundlichen Haupttreffer“ bezeichnet Graber eine 97-Jährige mit einem derart guten Namensgedächtnis, dass endlich die Rätsel auf den Fotos des Vereinsarchivs hätten gelöst werden können. Graber ist sicher, dass beim nächsten Mal, am 2. Juni ab 15 Uhr, die lebhaften Gespräche fortgesetzt werden können. Manchmal braucht es eben gar kein neues Format, sondern ein uraltes. Geschichten von früher haben sich die Menschen doch schon immer gern erzählt. Waltraud Werdelis

Tradition: Zufall

Ein uraltes Format – das ist auch der politische Aschermittwoch. Traditionell ist er eine urbayerische Disziplin – lautstark, bierselig und derb. CDU-Landtagsabgeordneter Christian Baldauf nutzt den Brauch direkt nach Karneval seit einigen Jahren für ein, gemessen an den Verhältnissen im Freistaat, gesittetes Treffen im Café Mirou. Na gut, Baldauf ist nicht Söder und Frankenthal ist nicht Passau – aber in diesem Jahr bekommt der Christdemokrat ernsthafte Konkurrenz: Die rheinland-pfälzische SPD lädt am selben Tag ein halbes Stündchen früher ins Brauhaus Zur Post zu ihrem politischen Aschermittwoch ein – mit hoher Promi-Dichte: Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Arbeitsminister Alexander Schweitzer sprechen, Landeschef Roger Lewentz kommt und der Lambsheimer Martin Haller, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, spielt mit seinem Jazztrio.

Dass die Sozialdemokraten ihre Veranstaltung dem Landeschef der Konservativen im Kommunalwahljahr mit Absicht vor die Nase gesetzt hätten, bestreiten sie vehement. Man treffe sich zu diesem Anlass an wechselnden Orten; dieses Mal sei eben die Vorderpfalz dran gewesen.

Baldauf sieht es entspannt: Er sei stolz, dass er die Tradition in Frankenthal begründet habe und die SPD das erkenne. Sein Vorschlag für die Zukunft: eine gemeinsame Veranstaltung, um mehr Bürger für politischen Diskurs zu interessieren. Na denn, Prost! Jörg Schmihing

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