Frankenthal
Neuer Leitender Pfarrer: Ich möchte neue Wege finden
Herr Pfarrer Rubel, das ist ja blitzschnell gegangen mit Ihrer Ernennung. Wie kam es dazu?
Nach dem Ende meiner Amtszeit als Diözesanjugendseelsorger und Geistliche Verbandsleitung des BDKJ Speyer war für mich klar, dass ich in die Pfarrseelsorge zurückkehren möchte. Glücklicherweise kamen in der Vorderpfalz seit meinem Entschluss, diesen Weg zu gehen, mehrere Stellen in Frage. Da ich in einer Vita communis in Lampertheim zusammen mit dem dortigen Pfarrer Christian Rauch lebe, musste die neue Stelle gut erreichbar sein. Das reduzierte die Auswahl. Am Ende stand Frankenthal fest.
Speyer hat sich bekanntlich geziert, die Stelle des Leitenden Pfarrers auszuschreiben. Haben Sie sich intern für Frankenthal beworben?
Die Pfarrei wurde nicht ausgeschrieben. Da aber klar war, dass die Gremien der Pfarrei über das neue Leitungsmodell entscheiden und eine Möglichkeit das klassische Modell Leitender Pfarrer war, habe ich in meiner Bewerbung geschrieben, dass ich mich auch auf die Pfarrei Frankenthal Heilige Dreifaltigkeit bewerbe.
Die Gremien der Pfarrei haben sich mehr als halbes Jahr mit dem von Generalvikar Markus Magin vorgeschlagenen neuen Leitungsmodell befasst und es schließlich am 24. Februar abgelehnt. Wie bewerten Sie diese Entscheidung?
Ich finde es gut, dass sich die Gremien die notwendige Zeit für eine so wichtige Entscheidung genommen haben, da Hauptberufliche und Ehrenamtliche noch intensiver zusammenarbeiten würden und einen guten zeitlichen Rhythmus brauchen, damit sie die Entscheidungen gut treffen können. Dazu braucht es Kommunikation, Transparenz, regelmäßige Zusammenkünfte mit ausreichend Zeit, Austausch mit Fachkräften der kirchlichen Stellen, Kenntnis in Finanz-, Bau-, Personalangelegenheiten und vieles mehr. Schon aus meinen bisherigen Tätigkeiten habe ich erfahren, dass auch ohne die Besprechung über vielfältige Verwaltungsaufgaben die Teamsitzungen von Pastoral- und Büroteam lange Zeit in Anspruch nehmen. Ich selbst habe bei Gesprächen mit der Personalleitung meine Bereitschaft sowohl für das Leitungsmodell im Team als auch als Leitender Pfarrer signalisiert.
Welche Gründe waren für sie ausschlaggebend, die zweitgrößte Pfarrei im Bistum zu übernehmen?
Zunächst war nach meiner Tätigkeit in der Jugendseelsorge tatsächlich der Wunsch, zurück in die Pfarrseelsorge zu gehen. Und es war wichtig für mich, meine Lebens- und Wohnsituation so zu berücksichtigen, dass beides gut zu verbinden ist. Daher blieb der Radius auf den Bereich Vorderpfalz beschränkt. Frankenthal kenne ich aus meiner Zeit als Pfarrer in der benachbarten Pfarrei Heiliger Petrus Bobenheim-Roxheim schon gut. Auch kenne ich einige der Gremienmitglieder und Menschen aus der Gottesdienstgemeinde. Ich kann es mir sehr gut vorstellen, hier in der Pfarrseelsorge zu wirken.
Ihrem Vorgänger Stefan Mühl machte die Fülle von Verwaltungsaufgaben sehr zu schaffen. Ist da professionelle Entlastung in Sicht?
Ich kann Stefan Mühl aus meiner eigenen Erfahrung gut verstehen. Ich möchte aber jetzt in meinem neuen Arbeitsfeld versuchen, neue Wege zu finden.
Die sechs Gemeinden der Pfarrei unter einen Hut zu bringen, ist kein einfaches Unterfangen. Haben Sie eine Idee, wie dieser Prozess beschleunigt werden könnte?
Nach meiner Einschätzung hat sich schon einiges im Zusammenwirken der Gemeinden innerhalb der Pfarrei entwickelt. Neben dem Zusammenwachsen der Gemeinden zu einer Pfarrei sehe ich aber auch, dass vor Ort Gemeindeleben erfolgreich stattfinden kann. Die Ausbildung beider Ebenen braucht Zeit. Solche Prozesse möchte ich nicht beschleunigen. Ich glaube, das ist wie mit dem Wachsen. Wenn ich am Grashalm ziehe, wächst er nicht schneller, ich kann ihn im schlimmsten Fall ausreißen. Andererseits möchte ich zusammen mit den Verantwortlichen einen guten Weg gehen und nicht stehenbleiben. Ich würde mich freuen, wenn aus allen Gemeinden die Bereitschaft für die gemeinsame Sache da ist und weniger Kirchturmdenken. Gegenseitige Achtung und Wertschätzung sind da sicher genau so wichtig wie die Erinnerung an die Basis unseres Glaubens: dass Jesus Christus unsere Wege mitgeht. An seinem Beispiel lese ich ab, dass er sich Zeit für Menschen mit ihren Wünschen und Sehnsüchten nahm und dass er seine Botschaft unmissverständlich verkündete. Mit dieser Haltung kann eine Pfarrei sicherlich in die Zukunft gehen, ohne sich zu verbiegen, aber auch mit dem Vorsatz, das Reich Gottes zu verkünden und zu leben. Und damit werden manche Strukturen, die teilweise nicht mehr mit Leben gefüllt sind, aufgebrochen, Liebgewonnenes mitgenommen und Neues kann entstehen.
Das mit großem Aufwand erarbeitete Pastorale Konzept steht bisher nur auf dem Papier. Wo sehen sie gute Ansätze für eine rasche praktische Umsetzung?
Das Pastorale Konzept hat nach meiner ersten Einschätzung einen sehr realistischen Blick auf die Pfarrei mit ihren Gemeinden geworfen. Auch wenn die Erhebung der Analyse und die daraus resultierenden Erkenntnisse, die Vision sowie die Leittexte vor der Corona-Pandemie erstellt wurden, ist vieles noch zutreffend. In den Überlegungen der Umsetzung wurden viele Maßnahmen beschrieben, bei denen Ehrenamtliche verantwortungsvoll mitwirken. Ich glaube, dass es eine Aufgabe ist, den Menschen dabei gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Es wurden sehr viele Ziele und Maßnahmen beschrieben. Hier wäre ein Blick auf die aktuelle Situation der verschiedenen Bereiche sicher sinnvoll, um zu sehen, was es bereits gibt und wo angesetzt werden kann. Das ist für mich im Moment schwer zu beurteilen, da ich in die tägliche Arbeit zu wenig Einblick habe. Mir gefällt, dass das Zusammenwirken der Ehrenamtlichen und der Hauptberuflichen ein wichtiger Bestandteil zu sein scheint. Hier möchte ich sehr gern gemeinsam mit vielen anderen ansetzen. Ein Schwerpunkt ist die Perspektive Spiritualität. Hier wäre es super, wenn es gelingt, dass Ehrenamtliche mitwirken.
Vieles ist durch Corona zum Erliegen gekommen. Die Gläubigen verbinden mit dem neuen Pfarrer einen Neuanfang. Wie kann der aussehen?
Ich habe diese Woche einen Satz gelesen: „Wer will, sieht Wege, wer nicht will, sieht Gründe.“ Ich möchte Wege gehen, auf denen viele Menschen mit ihren Unterschieden und Gemeinsamkeiten dabei sind. Wichtig ist mir vor allem, dass wir vorankommen und ein gemeinsames Ziel haben: den Glauben aus unserer Botschaft des Evangeliums. Neuanfang also mit dem, weshalb wir Pfarrei und Gemeinden sind: Jesus Christus.
Die Kirche steckt in einer existenziellen Krise. Auch in Frankenthal kehren ihr immer mehr Menschen den Rücken. Welches sind für Sie die größten Herausforderungen in der Seelsorgearbeit vor Ort?
Ich bin überzeugt, dass viele Menschen in verschiedensten Lebenssituationen Sinn und Orientierung für ihr Leben suchen, dass sie eine spirituelle Ader haben, dass sie eine Sehnsucht haben, die auf eine Resonanz wartet. Für so vieles kenne ich im Evangelium großartige und unvergleichliche Botschaften. Ich möchte diese Botschaften zum Leuchten bringen. Das ist für mich die wichtigste und große Herausforderung – und gehört zu den schönsten Aufgaben.
Sind Sie bereit, im Lichte des Synodalen Weges auch Reformen mitzutragen, um die Kirche zukunftsfähig zu machen?
Ich bin sehr dankbar für den Synodalen Weg und die dort erzielten Ergebnisse. Auch wenn ich mir an einigen Stellen weitreichendere Entscheidungen gewünscht hätte, können viele Themen, die schon Jahrzehnte Menschen bewegen, zumindest in einem anderen Licht gesehen werden oder sogar konkret in Angriff genommen werden. Ein Beispiel ist das kirchliche Arbeitsrecht, das bereits angepasst wurde und Menschen nicht mehr aufgrund ihrer Lebenssituation beurteilt. Jetzt gilt es, weitere Ergebnisse des Synodalen Weges umzusetzen. Ich glaube, dass Kirche nicht nur zukunftsfähiger wird, indem wir notwendige Reformen umsetzen, sondern vor allem dann, wenn wir authentisch und glaubwürdig das tun, was wir predigen.
ZUR PERSON
Andreas Rubel (53) stammt aus Winnweiler. Er wurde 2000 zum Priester geweiht und war Kaplan in Ludwigshafen-Oggersheim und im saarländischen Bexbach. Von 2004 bis 2019 wirkte er als Pfarrer in Bobenheim-Roxheim. Von 2016 bis 2019 war er Prodekan des Dekanats Speyer, außerdem über zehn Jahre Bezirkskurat der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) im Bezirk Ludwigshafen. Die Diözesanversammlung des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) wählte Rubel im Juni 2019 zur Geistlichen Verbandsleitung. Bischof Karl-Heinz Wiesemann ernannte ihn zum Diözesanjugendseelsorger des Bistums Speyer. Beide Funktionen führte Rubel bis 2022 aus. Seit November 2022 war er verschiedenen Pfarreien des Bistums zur Mithilfe zugewiesen. Seinen ersten Gottesdienst in Frankenthal feiert der neue Pfarrer am Palmsonntag (2. April). Der Termin der offiziellen Amtseinführung steht noch nicht fest.