Serie „Sportlexikon“ RHEINPFALZ Plus Artikel Die Besonderheiten der Lateinamerikanischen Tänze

Die Promenade tanzen Petra und Jürgen Dres, die Trainer der Saltens, als Figur beim Cha-Cha-Cha (unser Bild) und bei der Rumba.
Die Promenade tanzen Petra und Jürgen Dres, die Trainer der Saltens, als Figur beim Cha-Cha-Cha (unser Bild) und bei der Rumba.

Tanzen ist immer auch ein Ausdruck von Kultur. Das sieht man besonders gut bei fünf Lateinamerikanischen Tänzen, die wir heute genauer vorstellen werden. Einer davon gilt sogar als getanzte Version eines Stierkampfs.

Zugegeben, der Sammelbegriff „Lateinamerikanische Tänze“ ist etwas irreführend: Von den fünf Tänzen Samba, Rumba, Cha-Cha-Cha, Jive und Paso Doble kommen genaugenommen nur drei wirklich aus Mittel- und Südamerika, nämlich die Rumba und der Cha-Cha-Cha (beide Kuba) und die Samba (Brasilien). Der Jive dagegen entstand im 20. Jahrhundert in Nordamerika, der Paso Doble ist ein spanischer Tanz, der im 19. Jahrhundert entstand.

Warum sie trotzdem alle zu den „Lateinamerikanischen Tänzen“ gezählt werden, liegt in der Technik und Tanzhaltung. Statt wie bei den Standardtänzen – etwa Wiener Walzer oder Slowfox –, tanzt das Paar nicht in enger Haltung, sondern steht weiter auseinander. Ober- und Unterkörper, Arme und Beine bewegen sich unabhängiger voneinander. Bis auf den Paso Doble dürfen die Tänzer auch deutlich mehr Hüfteinsatz zeigen.

„Grundsätzlich machen alle viel Spaß“, urteilt Johanna Salten über die Lateinamerikanischen Tänze. Zusammen mit ihrem Mann Jens (43) tanzt die 39-Jährige beim Tanzsportclub Schwarz-Gelb Casino Frankenthal schon seit vielen Jahren in der Hobbygruppe. Auch bei Turnieren ist das Paar früher angetreten, bevor die Arbeit beim Steuerberater und ein Studium zu viel Zeit beansprucht haben. Dreimal pro Woche Training habe da zeitlich nicht mehr reingepasst.

Zwei perfekte Tänze für Einsteiger

Im Cha-Cha-Cha und in der Rumba sieht Jens Salten die perfekte Möglichkeit, um Nicht-Tänzer auch mal auf das Parkett zu locken. „Das macht einfach viel Freude“, findet er. Getanzt werden beide Tänze im Viervierteltakt, das Tempo ist bei der Rumba aber etwas langsamer. Während der Cha-Cha-Cha als heiterer, fröhlicher und unbeschwingter Tanz gilt, ist die Rumba eher ein spannender, erotischer Flirt: Auf der Tanzfläche umwerben sich der Herr und die Dame intensiv, ab und zu wird einer der beiden fahnenflüchtig, kommt aber immer wieder zurück. Der Cha-Cha-Cha wirkt da eher amüsant und kokett.

Beide Tänze haben auch einen ähnlichen Figurenkatalog, was typisch für alle Lateinamerikanischen Tänze ist. Bekannte Beispiele sind da etwa die „Promenade“. Beim Cha-Cha-Cha machen die Tänzer lediglich zusätzliche Chassee-Schritte. Auch den „Fan“, bei der die Dame im 90-Grad-Winkel auf der linken Seite des Mannes steht, und den „Hockey Stick“, bei dem sie sich mit einer schnellen Linksdrehung wieder auf den Rückweg zur Ausgangsposition macht, gibt es in beiden Tänzen. Grundsätzlich geht es bei vielen „Latein“-Figuren weniger um das Paar als Gesamtpaket. Vielmehr soll jeder Tänzer die Möglichkeit bekommen, sich abwechselnd selbst für einen kurzen Moment in den Vordergrund zu rücken.

Paso Doble: Viel Körperspannung nötig

Ganz anders ist da der Paso Doble, der einer tänzerischen Interpretation eines Stierkampfs gleichkommt. „Da braucht man viel Körperspannung und muss auf die geschlossene Tanzhaltung achten“, erklärt Johanna Salten die wichtigsten Eckpunkte des spanischen Tanzes, der traditionell im Zweiviertel-Takt und bei sehr hohem Tempo aufs Parkett gelegt wird. Der Herr übernehme dabei die Rolle des Toreros, die Dame die des roten Tuchs.

Diese Symbolik spiegelt sich auch in der Tanzhaltung wieder: Der Mann tanzt stolz mit erhobenem Haupt, die Schulterblätter werden nach hinten gezogen, seine Arme sind angespannt. Die Dame berührt er dabei kaum. Die Marschmusik ist dabei normalweise mit Elementen des Flamencos angereichert. „Und dann muss man mit dem Fuß aufstampfen, das erinnert also wirklich sehr an den Stierkampf“, sagt Johanna Salten. Sie schätzt am Paso Doble vor allem das Gemeinschaftsgefühl, wenn er in einer größeren Gruppe und gleichzeitig getanzt wird.

Jive: Hohes Tempo im Viervierteltakt

Genauso begeistert sind die Saltens vom Jive. „Auch wenn mir da immer schnell die Puste ausgeht“, wie Jens Salten zugibt. Zu Rock ’n’ Roll- und Popmusik geht es hier für die Tänzer im Viervierteltakt übers Parkett. Das Tempo des amerikanischen Tanzes, der seinen Ursprung in Lindy Hop, Blues, Swing und Boogie-Woogie hat, ist hoch. Die Figuren werden offen getanzt, es gibt viele Kicks und Sprünge. Getanzt wird fast nur über die Ballen und die Innenkanten der Füße.

Samba: Schnelle Bewegungen aus der Hüfte

Deutliche, schnelle Bewegungen gibt es auch bei der Samba. Die kommen allerdings aus der Hüfte. Ursprünglich war der Name „Samba“ ein Sammelbegriff für verschiedene Tänze, die Sklaven, etwa aus dem Kongo, im 19. Jahrhundert mit in ihre neue Heimat Brasilien gebracht haben. Sie verliehen so ihrer afrikanischen Herkunft, Kultur und Geschichte Ausdruck. Zur musikalischen Begleitung gehörten Trommeln, aber auch Händeklatschen.

Die heutige Samba zeichnet sich vor allem durch das sogenannte Bouncen, das sanfte Vor- und Zurückspringen, der Unterkörper der Tänzer aus. „Für viele Anfänger ist da der Tip mit dem Fuß nach hinten zu Beginn schwierig“, erinnert sich Jens Salten an seine ersten Tanzstunden. „Aber der Trick ist, den Fuß nicht zu belasten, dann klappt das.“ Das Ehepaar schätzt an der Samba die offene Tanzhaltung und den langen Figurenkatalog. „Samba ist einfach sehr vielfältig“, sagt Jens Salten.

Beim Jive bestehen viele Figuren aus Kicks oder Sprüngen, die zu Rock’n’roll- oder Popmusik ausgeführt werden.
Beim Jive bestehen viele Figuren aus Kicks oder Sprüngen, die zu Rock’n’roll- oder Popmusik ausgeführt werden.
Der Paso Doble ist die tänzerische Interpretation eines Steirkampfs, also müssen die Tänzer auch mit den Füßen aufstampfen.
Der Paso Doble ist die tänzerische Interpretation eines Steirkampfs, also müssen die Tänzer auch mit den Füßen aufstampfen.
Beim Grundschritt der Samba ist der Tip mit dem Fuß nach hinten entscheidend und für viele Anfänger eine Herausforderung.
Beim Grundschritt der Samba ist der Tip mit dem Fuß nach hinten entscheidend und für viele Anfänger eine Herausforderung.
Die Rumba gilt als spannender Flirt. Hier zeigen das Marius-Andrei Balan und Khrystyna Moshenska (Schwarz-Weiß-Club Pforzheim).
Die Rumba gilt als spannender Flirt. Hier zeigen das Marius-Andrei Balan und Khrystyna Moshenska (Schwarz-Weiß-Club Pforzheim).
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