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Dienstag, 19. Februar 2019 Drucken

Frankenthal Land

Die Wächter der Badewanne

Bobenheim-Roxheim: 20 Bürger zu Deichgängern geschult – Weitere Helfer werden gesucht

Von Frank Geller

Wenn die Schneeschmelze in den Alpen beginnt, dann könnte es bereits im nahenden Frühjahr an den Deichen wieder spannend werden.

Wenn die Schneeschmelze in den Alpen beginnt, dann könnte es bereits im nahenden Frühjahr an den Deichen wieder spannend werden. ( Foto: BOLTE)

Die Feuerwehr in Bobenheim-Roxheim bei einem drohenden Hochwasser unterstützen, das wollen knapp 20 Bürger als Deichgänger. Steigt der Rheinpegel anhaltend an, sollen die Freiwilligen mit geschultem Blick den Zustand des Hauptdeichs überprüfen. Kürzlich wurden sie in ihre neue Aufgabe eingewiesen. Die Wehr sucht für die wichtige Aufgabe weitere Helfer.

„Keine Sorge – eine erfahrene Einsatzkraft der Feuerwehr wird bei den Deichgängen immer an Ihrer Seite sein.“ Wehrleiter Kai Neiheiser zerstreut zu Beginn der Schulung Befürchtungen, die Helfer könnten im Falle eines Falles auf sich selbst gestellt sein. Die Unterstützung der Freiwilligen sei nötig, weil die Wehr personell nicht in der Lage sei, bei Hochwasser alle damit verbundenen Aufgaben zu erfüllen und gleichzeitig für andere Einsätze zur Verfügung zu stehen. „Wir kommen da an unsere Grenzen“, betonte Neiheiser.

Wie strapazierend diese Doppelbelastung sei, habe man insbesondere beim Hochwasser im Jahr 2013 erlebt. Der Pegel am Rheinabschnitt zwischen dem Hofgut Petersau und der Freilichtbühne des Theaterkreises, für den die Bobenheim-Roxheimer Wehr zuständig ist, sei damals auf 8,35 Meter angestiegen, berichtete Neiheiser. Einen Wasserstand von 9,35 Metern könne der Deich noch abhalten, doch schon da würden Wellen über die Krone schwappen.

2500 Stunden hätten seine Leute vor sechs Jahren geleistet, fünf Tage lang sei die Feuerwehr rund um die Uhr im Einsatz gewesen. „Die Belastung war sehr hoch, Wechsel waren mangels Personal nicht möglich“, betonte Neiheiser. Bobenheim-Roxheim sei damals wegen seiner tiefen Lage im Rheingraben beinahe abgesoffen. „Wir leben hier in der Badewanne der Vorderpfalz. Viele vergessen das, wenn ein paar Jahre lang nichts mehr passiert ist.“

Schon in diesem Frühjahr könnte es entlang des Rheins wieder spannend werden, befürchtet der Wehrleiter. Der Grund sind die Schneemassen in den Alpen und im Schwarzwald. Wenn im April die Schneeschmelze einsetze, könnte es schnell ernst werden. Insbesondere, wenn ein starker Temperaturanstieg in den schneereichen Regionen mit einer längeren Regenphase in der Pfalz zusammenfalle.

Umso wichtiger sei die Unterstützung durch die Freiwilligen, unterstrich Neiheiser. Die Idee, die Bürger einzubinden, gehe auf das von der Gemeinde und der Feuerwehr erstellte Hochwasserschutzkonzept samt Katastrophenplan zurück. Die Aufgabe der Helfer sei es, den Rheinhauptdeich bei drohendem Hochwasser mit einer erfahrenen Einsatzkraft abzulaufen sowie die Wasserstände und Gefahren wie etwa Beschädigungen des Deichs zu melden.

Wie Ober-Feuerwehrmann Jens Glaser, Hochwasserbeauftragter der Wehr in Bobenheim-Roxheim, erläuterte, werden die freiwilligen Helfer rechtzeitig vor ihren Einsätzen informiert. Gebraucht würden sie nachts und an den Wochenenden. Unter der Woche kümmerten sich tagsüber die Mitarbeiter des Betriebshofs der Gemeinde um die Wache.

Ab einem Pegelstand von 6,50 Metern in Mannheim, wo der Neckar in den Rhein fließt, werde die Einsatzbereitschaft überprüft, so Glaser. „Wir kontrollieren dann die Abflüsse in den Entlastungsgräben und überprüfen, ob in unserem Materiallager etwas fehlt.“ Überschreite der Pegel die Marke von 7,20 Metern, laufe die Hochwasser-Maschinerie richtig an: „Dann wird eine Telefonbereitschaft eingerichtet, und der Deich und sein Umfeld werden alle sechs Stunden kontrolliert.“ Bei 7,80 Metern werde eine Wache eingesetzt, alle ein bis zwei Stunden finde ein Kontrollrundgang statt. Die Zufahrtsstraßen zum Rhein würden gesperrt.

„Jede Deichwache besteht aus mindestens zwei Personen“, sagte Glaser. Die Patrouillen müssten zur Sicherheit Schwimmwesten tragen. Zur Ausrüstung gehörten ferner Taschenlampe, Notizbuch, Kamera, Fernglas, Messband, Funkgerät sowie Markierungsfarbe und Fahnen.

„Ich liebe den Rhein und die Seen, habe aber Respekt vor dem Wasser“, erklärte Pia Maffenbeier gegenüber der RHEINPFALZ ihre Motivation, sich als Deichgängerin zu melden. Sie wohne in der Roxheimer Marktstraße, wo es an den alten Häusern Markierungen von Hochwasserständen gebe. „Da wird man sich der Gefahren bewusst“, bekannte Maffenbeier.

Noch Fragen?

Wer die Feuerwehr als Deichgänger unterstützen möchte, kann sich per E-Mail an feuerwehr@bobenheim-roxheim.de melden.

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