Bolanden / Preisverleihung RHEINPFALZ Plus Artikel Wie junge Menschen mit dem Thema Hoffnung umgehen

Die Preisträgerin Pauline Vogelsanger geht in Kaiserslautern zur Schule.
Die Preisträgerin Pauline Vogelsanger geht in Kaiserslautern zur Schule.

Die Verleihung des Susanne-Faschon-Preises ist ein wichtiger Programmpunkt bei den Donnersberger Literaturtagen. Am Freitag trugen die jungen Autoren der 14 besten Arbeiten Texte zum Thema Hoffnung in der Aula des Gymnasiums Weierhof in Bolanden vor.

Was bedeutet Hoffnung in dieser krisengeschüttelten Zeit? Junge Autoren gewähren Einblicke in ihre Sichtweisen, die Hoffnung machen, aber auch von Trostlosigkeit sprechen. Sie zeigen sich einfühlsam und vom Thema bewegt. Sie setzen Zeichen gegen Verzweiflung, Skepsis und Resignation mit ihren Gedichten und Kurzgeschichten. So wurde die Lesung am Freitag in der Aula des Gymnasiums Weierhof zu einem facettenreichen Lehrstück und gleichzeitig zu einem literarischen Genuss.

Der Gewinnername fällt nach drei Stunden

„Mir macht diese Kreativität viel Hoffnung. Wir brauchen sie, weil sie uns in die Zukunft führt“, begrüßte Schulleiter Michael Scholz die Menschen in der voll besetzten Aula. „Schön, dass es den Susanne-Faschon-Preis gibt, der an eine große Dichterin aus dem Donnersbergkreis erinnert“, schloss sich Landrat Rainer Guth an. „Ich habe sie persönlich erlebt – in den Damenkränzchen meiner Großtante. Sie war eine kulturbeflissene Persönlichkeit und literarisch stark. Ich habe die Hoffnung, dass es diesen Preis noch lange gibt und Schüler sich bemühen.“

Dem Initiator des Wettbewerbs, Thomas Mayr, gelang es, einen spannungsreichen Nachmittag zu gestalten. 79 Schüler aus 14 Schulen in Rheinland-Pfalz waren der Einladung des Donnersberger Literaturvereins gefolgt, sich literarisch mit dem Thema Hoffnung auseinanderzusetzen. Nach drei Stunden verkündete Mayr den Namen der Preisträgerin: Pauline Vogelsanger, eine Schülerin des Rittersberg-Gymnasiums in Kaiserslautern. Sie wurde von einer vierköpfigen Jury auserkoren, der alle Beiträge anonymisiert vorlagen. Die Jury besteht aus der Lehrerin und Autorin Barbara Franke, Thomas Behnke, Thomas Mayr selbst und dem Preisträger von 2021, Georg Wolf.

Gefaltete Papierkraniche als Symbol der Hoffnung

Pauline Vogelsanger erhielt laut Mayr von allen vier Juroren die Höchstnote von 20 Punkten. Ihre Geschichte trägt den Titel „Kraniche“. „Ein spritziger Text, ironisch, sensibel, einfühlsam, mit Tiefgang geschrieben. In einer tollen Sprache, gerade in den Andeutungen, lässt die Autorin Bilder sprechen“, gab Mayr die Beurteilung der Jury wieder. Es geht in der Geschichte um gefaltete Papierkraniche als Symbol der Hoffnung für Karlina, die in einer Klinik von der Ich-Erzählerin, ihrer Zimmernachbarin, beobachtet wird. Beeindruckt lauschte das Publikum der bildreichen Sprache und erschloss sich aus den Beobachtungen der Zimmernachbarin ahnungsweise die Situation.

„Ein gutes Spiel mit einer unklaren Situation, in der Tiefe brillant ausgearbeitet. Es wird nicht alles geklärt in diesem Dialog dreier Generationen, es bleiben Rätsel“ , begründeten die Juroren ihre Entscheidung für die Trägerin des zweiten Preises: Fredericke Lea Nickel vom Elisabeth-Langgässer-Gymnasium in Alzey. Es läuft nicht gut in ihrer Geschichte „Besser sein“. Aus den Dialogen und Monologen lässt sich erahnen, dass eine Mutter versagt hat, ihre Tochter deshalb nicht sehen darf und unter den Vorwürfen ihrer eigenen Mutter leidet. Und dennoch birgt der Text Hoffnung.

Ein Coming-out und ein Beinahe-Selbstmörder

Einen dritten Preis gewann Jasmin Gromatka von der Sophie-Scholl-Schule in Mainz. Lebendig erzählt sie die Geschichte eines Coming-outs zum falschen Zeitpunkt.

Auch Amelie Sommer vom Kaiserslauterer Rittersberg-Gymnasium errang einen dritten Preis – mit „Exit“. Ein Obdachloser will in dieser Geschichte Selbstmord begehen. Aber er gibt dem Werben eines Fremden nach und kehrt um. Sommer schließt ihre Geschichte mit einem eindrücklichen Bild: Sei ein Licht in der Nacht eines anderen Menschen.

Die Juroren hatten sich für insgesamt 14 Wettbewerbsteilnehmer entschieden, die am Freitag vorlesen durften. Alle Autoren erhielten eine Anthologie mit den vorgetragenen Geschichten und Gedichten als Teil des Preises. Außerdem gab es Preisgelder.

Alle Vorleser ziehen das Publikum in ihren Bann

Dass man mit einer Kurzgeschichte Situationen wie mit einem Brennglas eindrucksvoll und unmittelbar einfangen kann, bewiesen alle Vorleser. Es beeindruckte, wie klar, stimmungsvoll und überzeugend die jungen Autoren das Publikum in ihren Bann ziehen konnten – in den acht Minuten Lesezeit, die ihnen jeweils zur Verfügung standen. Die Lesung wurde zu einem faszinierenden Panoptikum der Hoffnung, wie junge Menschen sie spüren und erleben. Beeindruckend war aber auch die musikalische Umrahmung durch den Achtklässler Zipeng Shen am Flügel, der virtuos und ausdrucksstark Stücke von Johann Sebastian Bach und Frédéric Chopin vortrug.

Der Preis für die schreibkreativste Schule wurde auch verliehen: Es ist das Rittersberg-Gymnasium in Kaiserslautern. Die Extrapunkte, die diese Schule für zwei der Preisträgerinnen erhielt, gaben den Ausschlag.

 Die höher dotierten Preise gingen an Amelie Sommer, Pauline Vogelsanger, Fredericke Lea Nickel und Jasmin Gromatka (von links).
Die höher dotierten Preise gingen an Amelie Sommer, Pauline Vogelsanger, Fredericke Lea Nickel und Jasmin Gromatka (von links).
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