Glückskolumne Wenn die Gedanken kreisen …

Versuchen Sie, die Gedanken kommen und gehen zu lassen, als wären es Wolken, die vorbeiziehen.
Versuchen Sie, die Gedanken kommen und gehen zu lassen, als wären es Wolken, die vorbeiziehen.
Christine Weyers
Christine Weyers

Eigentlich sind Gedanken eine großartige Sache. In Gedanken kann man träumen: Sie können in fremde Welten reisen, Abenteuer erleben, fliegen, Freunde treffen. Allerdings ist es nicht immer ganz so einfach mit den Gedanken und den Träumen. Manche sind verzwickt und beängstigend, und manchmal fragt man sich, was Wirklichkeit und was Fiktion ist. Wenn Sie darunter leiden, dass in ihrem Kopf ständig Gedanken umhergehen und der Geist keine Ruhe findet, kann dies zu einer permanenten Anspannung führen. Es wird schwierig, den Augenblick zu genießen, wenn Sie mit Ihren Gedanken durch das Gestern oder das Morgen abgelenkt sind. Kreisen diese Gedanken immer wieder im Kopf und Sie bewerten sich dabei selbst, kann dies belastend werden. Denn das Nichtbeachten der eigenen Grundbedürfnisse hat eine Grund–Unzufriedenheit zur Folge.

Was können Sie also tun, wenn die Gedanken kreisen? Das belastende Karussell führt sie zu keinem Ziel. Die Gedanken zu unterdrücken oder zu stoppen, ist keine Lösung. Sich darüber Gedanken zu machen, wie sie Ihre Gedanken unterbinden, würde nur noch mehr Gedanken ins Spiel bringen und alles noch komplizierter machen. Also was tun?

Aus Distanz beobachten

Die Achtsamkeitspraxis kann Ihre Stimmung günstig beeinflussen. Es gibt eine Vielzahl von Übungen, die in den Alltag eingebaut werden können, um Ihre Achtsamkeit zu schulen. So können Sie ein besseres Verständnis im Umgang mit den eigenen Gefühlen, Gedanken und sich selbst erlernen. Das regelmäßige Üben unterstützt Ihr Wohlbefinden, Ihre Konzentrationsfähigkeit und die Genussfähigkeit.

Ich habe für Sie ein paar Tipps zusammengestellt für den heilsamen Umgang mit schwierigen Gedanken. Das kann in einer Meditation sein, aber auch einfach im Alltag. Versuchen Sie einmal, die Gedanken kommen und gehen zu lassen, ohne Ihnen zu folgen. Als wären sie Wolken am Himmel und Sie wären der Beobachter. Hört sich schwierig an – aber werden Sie sich bewusst, dass es ja ein Gedanke in Ihrem Kopf ist. Wenn er nicht weiterziehen will, erforschen Sie, warum es so ist. Was hält Sie an diesem Gedanken so fest? Vielleicht hilft es Ihnen, es aufzuschreiben und mit etwas Distanz zu beobachten. Wenn Sie später den Gedanken noch einmal betrachten, gibt es vielleicht neue Sichtweisen.

Gedanken steuern

Und jetzt noch ein letzter wichtiger Tipp. Fragen Sie sich: Ist dieser Gedanke denn wahr? Ist es ein Ereignis in Ihrem Kopf oder eine Tatsache? Gibt es eine alternative Sichtweise? Denn unsere Gedanken sind nun mal sprunghaft, erfinderisch und manchmal überhaupt nicht rational. Manchmal kreieren Sie ganze Horrorgeschichten, malen sich aus, was alles in der Zukunft passieren könnte, und so entsteht Angst. Angst, die Sie nicht mehr klar denken oder womöglich sogar nicht mehr schlafen lässt.

Sie können lernen, wie Sie Ihre Gedanken steuern können und somit nicht Ihren Gedanken ausgeliefert sind. Im Buddhismus sagt man: „Be the Master of your Monkey Mind“ – sei der Herr über dein Gedankenkarussell.

Die Kolumne

Unsere wöchentliche Kolumne befasst sich mit der Frage, wie es gelingen kann, das Glück während der Pandemie nicht aus den Augen zu verlieren. Christine Weyers unterrichtet das Fach Glück an Schulen, mit ihrem Bruder Alex Gessner betreibt sie ein „Erlebnispädagogik- und Achtsamkeitszentrum“ (www.weyers-gessner.de) in Bischheim.