Fragen und Antworten
Warum in Rockenhausen ein MVZ entstehen und wer es betreiben soll
Was ist ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ)?
Ein MVZ ist eine seit 2003 gesetzlich verankerte Einrichtung zur ambulanten medizinischen Versorgung. Mehrere Ärzte beziehungsweise Ärztinnen arbeiten kooperativ unter einem Dach. Während in einer Haus- oder Facharztpraxis die Inhaber in der Regel persönlich tätig sind, zeichnet sich laut Bundesgesundheitsministerium ein MVZ „insbesondere durch eine organisatorische Trennung der Inhaberschaft von der ärztlichen Behandlungstätigkeit aus“. Mit anderen Worten: Ein Vorteil ist, dass Mediziner in MVZ in Anstellung arbeiten können und sich so flexible Arbeitszeitmodelle umsetzen lassen. Die Zusammenlegung von Organisationsstrukturen – samt der damit verbundenen finanziellen und zeitlichen Einsparungen – sowie kurze Wege für Patienten sind weitere Vorzüge. Zudem ist die Anzahl der in einem MVZ angestellten Ärzte nicht begrenzt – solange die Kassensitze dafür vorhanden sind. Einen Kassensitz kann man auf vier Ärzte verteilen. Träger von MVZ können Ärzte selbst, beispielsweise aber auch Krankenhäuser, Praxisnetze oder Kommunen sein.
Warum soll in Rockenhausen ein MVZ gegründet werden?
Ob die Verlagerung der Inneren und geriatrischen Abteilung am Westpfalz-Klinikum nach Kirchheimbolanden oder die Schließung der Bereitschaftspraxis: In Sachen Gesundheitsversorgung hat es in und um Rockenhausen in den zurückliegenden Jahren kaum gute Nachrichten gegeben. Zudem hat der Ärztemangel längst die gesamte Region erfasst. Vor zwei Jahren hatte die Kassenärztliche Vereinigung den Nachbesetzungsbedarf bei niedergelassenen Ärzten im Kreis bis 2024 auf 65 Prozent (landesweit 57 Prozent) beziffert. Etliche Hausarztstellen sind oder werden in naher Zukunft vakant.
Gründe sind zum einen die hohe Bürokratisierung im deutschen Gesundheitssystem, zum anderen die oft zitierte Work-Life-Balance: Viele Medizinerinnen und Medizinier wollen heute nicht mehr in Vollzeit arbeiten – zumindest nicht, wie das früher beim Landarzt die Regel war, sieben Tage rund um die Uhr verfügbar sein. In einem MVZ kann die Arbeit besser den individuellen Wünschen und der jeweiligen Lebenssituation angepasst werden.
Zudem können sich die Ärzte, aber etwa auch die medizinischen Fachangestellten, besser auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren. Denn viele administrative Tätigkeiten werden von der kaufmännischen MVZ-Leitung erledigt. Das entlastet das medizinische Personal, dem dadurch mehr Zeit für die medizinische Versorgung der Patienten bleibt.
Wer soll das MVZ betreiben?
Als Träger fungieren das Westpfalz-Klinikum und der ambulante Gesundheitsversorger Zero Praxen. Bei Letzterem handelt es sich laut Internetseite des Unternehmens um einen Zusammenschluss von mehr als 30 haus- und fachärztlichen Praxen – darunter auch MVZ – in zwölf Städten in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen, vorwiegend in der Metropolregion Rhein-Neckar. Westpfalz-Klinikum und Zero Praxen haben bereits eine gemeinsame Gesellschaft gegründet, die aber operativ noch nicht aktiv ist. Das Westpfalz-Klinikum bringt seine Erfahrung aus vier MVZ in Kaiserslautern sowie Stadt und Kreis Kusel ein.
Wird in Rockenhausen ein klassisches MVZ entstehen?
Jein. Landrat Rainer Guth hatte im Vorjahr bei der Vorstellung des Projekts gesagt, dieses solle „beschäftigungsoffen“ sein. Das bedeutet: Ärztinnen und Ärzte können sich beim MVZ anstellen lassen, sie können sich aber auch an Gewinnen/Verlusten beteiligen, als Selbstständige einmieten oder gemeinsame Strukturen wie Anmeldungen und Abrechnungen hinzubuchen. Sollten also künftige Nutzer von der Selbstständigen-Variante Gebrauch machen, handelt es sich streng genommen zwar auch, aber nicht nur um ein MVZ. Korrekt wäre dann etwa die Bezeichnung als Gesundheitszentrum, in dem neben einem MVZ auch eigenständige Praxen angesiedelt sind. Der Rockenhausener Stadtchef Michael Vettermann spricht bevorzugt von einem Ärztehaus.
