Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel Vermittlung von Katzen sorgt für Kritik bei Tierschützern

Das Veterinäramt vermittelt 50 Katzen.
Das Veterinäramt vermittelt 50 Katzen.

Mehr als 50 Katzen suchen derzeit ein neues Zuhause. Die Tiere stammen aus einer offenbar aus dem Ruder gelaufenen Privathaltung in der Verbandsgemeinde Kibo. Das Veterinäramt will die meisten Vierbeiner am Dienstag mit Hilfe von Tierschutzorganisationen herausnehmen – das stößt allerdings auf Kritik.

In dem Haushalt in der Verbandsgemeinde Kirchheimbolanden – der genaue Ort wird aus Datenschutzgründen nicht mitgeteilt – leben nach Angaben des Veterinäramtes zu viele Katzen. Der Halter sei mit den vielen Tieren überfordert. Vor gut einem Jahr habe es bereits den ersten Hinweis darauf gegeben. Seither sei das Amt an dem Fall drangewesen. Jetzt plant das Veterinäramt mit Hilfe von Tierschützern, die Katzen aus dem Haushalt herauszunehmen. Sie sollen an Tierschutzorganisationen und Privatleute abgegeben werden.

Die Tierrettung Kindsbach und der Verein Stubentiger in Not aus Trippstadt wollen am Dienstag rund 30 bis 40 Katzen aus der Haltung entnehmen. Die restlichen Samtpfoten sollen danach von den Kindsbachern in ein vom Veterinäramt angemietetes Haus transportiert werden, schildert Katja Günther, Vorsitzende der Stubentiger in Not. „Zwei Personen werden sich dort täglich um die Tiere kümmern“, sagt sie. Anschließend sei die Vermittlung der Katzen geplant.

Vielleicht sogar 80 Katzen im Haus

Die Katzen seien in keinem guten Allgemeinzustand, berichtet Kai Zöller, Leiter der Tierrettung Kindsbach. Er spricht auch von „schwerst kranken“ sowie trächtigen Katzen, denen, wie er sagt, weder Futter noch Wasser zur Verfügung standen. Das Veterinäramt bestätigt, dass die meisten Katzen dünn erschienen. Sie hätten sich jedoch normal verhalten. Allerdings konnten die Veterinäre „nicht alles sehen und wenig untersuchen“. Drei Katzenjungen hatten nach Angaben der Amtstierärzte verklebte Augen – ein Anzeichen für Katzenschnupfen, der vom Tierarzt behandelt werden sollte.

Bereits vor einigen Tagen habe die Tierrettung Kindsbach vom Veterinäramt den Auftrag zur Sicherstellung kranker Katzen erhalten. Daraufhin seien bereits zehn Tiere abgeholt und vom Tierarzt versorgt worden. „Wir empfahlen, alle Katzen aus dem Haus zu holen“, ergänzt Zöller. Auch sollten die Katzen kastriert werden. Wie viele Fellnasen noch im Haus sind, ist Zöller zufolge nicht klar. „Die Anzahl von 50 kann ich nicht bestätigen, in unseren Augen sind es weitaus mehr.“ Zöller, der auch Vorsitzender der Animal Sunshine Farm ist, spricht von rund 80 Katzen. Klarheit gebe es erst, wenn sämtliche Räume und Verstecke durchsucht wurden.

„Kein Katzenflohmarkt“

Nach Angaben des Veterinäramtes handelt es sich um Katzen unterschiedlichen Alters, auch mehrere junge Kätzchen seien dabei. Die Tiere seien nicht kastriert. Das Veterinäramt möchte ihnen schnellstmöglich ein neues Zuhause bieten und ist auf der Suche nach neuen Besitzern, die sich liebevoll um ein oder auch mehrere Tiere kümmern können. Der Aufruf ist umso dringlicher, da aktuell auch die Tierheime in der weiteren Region an ihre Kapazitätsgrenzen gekommen sind. „Die Tierheime sind landesweit überschwemmt“, berichtet Zöller. Auch der Verein von Katja Günther hat aktuell schon 25 Katzen in seiner Obhut. Bereits vor zwei Jahren hatte Stubentiger in Not mehr als 55 Katzen in einem ähnlichen Fall in Winnweiler übernommen, erinnert die Vorsitzende.

Tierschützer hatten der RHEINPFALZ in den vergangenen Tagen berichtet, dass die Katzen am heutigen Dienstag an ihrem Fundort für eine Spende an Abnehmer vermittelt werden sollten. Daraufhin hagelte es Proteste, auch über den Donnersbergkreis hinaus, und nicht nur wegen des Gesundheitszustandes der Tiere. Solch ein Vorgehen sei nicht verantwortungsvoll, kritisierte etwa der Tierschutzverein Kusel, der ebenfalls wegen Pflegeplätzen angefragt worden war. „Es ist Ferienzeit, da haben wir die Befürchtung, dass die Tiere nach sechs Wochen wieder ausgesetzt werden“, gibt Christine Fauß aus Kusel zu bedenken.

„Es war und ist kein Katzenflohmarkt an Ort und Stelle geplant“, stellt das Veterinäramt hingegen auf Nachfrage klar. Es gehe auch nicht um einen Ausverkauf von Tieren. „Ziel des Veterinäramtes ist es, neue Besitzer für die Tiere zu finden, die sich liebevoll um diese kümmern.“ Katzen, die an Privatpersonen abgegeben werden, würden zuvor tierärztlich untersucht, gechipt und geimpft, betonte ein Sprecher.

Viel Kritik

Nach Angaben des Veterinäramtes handelt es sich derzeit noch nicht um eine offizielle Beschlagnahme. Denn es solle eine gemeinsame Lösung mit dem Besitzer gefunden werden, so die Auskunft aus der Kreisverwaltung. Auch diese freiwillige Abgabe kritisieren die Tierschützer. Denn bei einer Beschlagnahme sorgt das Amt als neuer Besitzer für Unterbringung und medizinische Versorgung und übernimmt Gebühren für Kost und Logis sowie tierärztliche Kosten bis zur Vermittlung.

Diese können zwar beim bisherigen Halter geltend gemacht werden, allerdings ist dort meistens nichts zu holen, sodass die Kommune und letztlich der Steuerzahler dafür aufkommen muss. Dagegen werden bei einer Entnahme Tiere an neue Halter oder Vereine übermittelt, die dann sämtliche Kosten tragen.

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