Rockenhausen
„Unterschiedliche Auffassungen“: Zoar stellt Vorstand Peter Kaiser frei
Als Peter Kaiser und Martina Leib-Herr vor rund zwei Monaten im RHEINPFALZ-Gespräch die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Evangelische Diakoniewerk Revue passieren ließen, deutete nichts auf eine baldige Trennung hin. Sichtlich aufgeräumt bilanzierte das Führungsduo, wie gut das Unternehmen und allen voran die Mitarbeiter die Krise bislang gemeistert hätten.
Das Lob gilt natürlich nach wie vor – mit dem großen Unterschied, dass ab sofort nicht mehr Kaiser, sondern bis auf Weiteres Leib-Herr alleine die Geschicke von Zoar lenken wird. Dessen Verwaltungsrat hat in seiner Sitzung am Montag beschlossen, den 62-Jährigen „mit sofortiger Wirkung vom Dienst freizustellen“. So heißt es in einer Pressemitteilung, die das Unternehmen gestern Mittag herausgegeben hat. Zuvor waren die Mitarbeiter am Dienstagabend in einer gleichlautenden E-Mail über die aktuelle Entwicklung informiert worden.
Grund: Vielzahl der Projekte
Als Grund für die Trennung nennt das Diakoniewerk „unterschiedliche Auffassungen über die Zukunft von Zoar, auch angesichts der Vielzahl der Projekte“. Gerüchte, zwischen Kaiser und dem Verwaltungsrat knirsche es, hatten bereits vor einigen Wochen in Rockenhausen und Umgebung die Runde gemacht.
Martina Leib-Herr bestätigte gestern auf Anfrage der RHEINPFALZ, dass es in jüngster Zeit wiederholt „einen sachlich-thematischen Austausch“ zwischen den beiden Parteien gegeben habe. „Es gibt ja immer unterschiedliche Meinungen und Prioritäten, wie sich ein Unternehmen entwickeln soll. Fest steht, dass Zoar in den letzten Jahren extrem gewachsen ist.“ Bevor sich die Situation in den vergangenen Tagen zugespitzt hat, „war schon absehbar, dass Peter Kaiser im Laufe des nächsten Jahres aus dem Vorstand ausscheiden wird“, so die Direktorin, die sich in ihren Aussagen mit dem Verwaltungsrats-Vorsitzenden Klaus Rüter abgestimmt hat.
Schnelle Informationen
Detaillierter wolle und könne sie sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht über die Ursache der Differenzen äußern, sagte Leib-Herr weiter. Allerdings stünden sie und Rüter demnächst für ein Gespräch mit der RHEINPFALZ zur Verfügung. Eines will sie unbedingt vermeiden: Turbulenzen wie vor rund zehn Jahren, als der langjährige Direktor Helmut Eckert über Nacht aus dem Amt geschieden war. Damals hatte Zoar die Öffentlichkeit erst Tage später über die Trennung von Eckert in Kenntnis gesetzt. Auch deshalb „haben wir nun so schnell es geht die Mitarbeiter und im nächsten Schritt die Presse über die Situation informiert“, so Leib-Herr – die zudem betont, „dass beide Fälle überhaupt nicht miteinander vergleichbar sind“.
Kaiser hatte Zoar seit Oktober 2011 geleitet – zunächst mit Martin Bach, nach dessen Abschied im Jahr 2013 alleine, seit August 2015 zusammen mit Martina Leib-Herr. Er war bisher von der RHEINPFALZ für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Das Dienstleistungsunternehmen mit Wohn- und Betreuungsangeboten für behinderte und alte Menschen beschäftigt aktuell rund 1550 Mitarbeiter an 16 Standorten in Rheinland-Pfalz. Ursprung und Sitz ist der Inkelthalerhof bei Rockenhausen. Momentan betreut Zoar etwa 3000 Menschen.