Donnersbergkreis
Schlosshotel Rockenhausen: Die Ritter ziehen sich zurück
Es sei keine Entscheidung gegen das Schlosshotel, sondern vielmehr eine für eine andere Immobilie gewesen, sagte Philipp Prinz von Thurn und Taxis am Freitag in einem Zoom-Meeting mit der RHEINPFALZ. „Das ist für uns und unsere Pläne einfach besser wirtschaftlich umsetzbar“, so der Prinz. Er ist der Geschäftsführer der Stiftung, die hinter dem „Orden des salomonischen Tempels zu Jerusalem“ steht. Die Stiftung hatte im vergangenen Jahr Interesse daran bekundet, das Schlosshotel zu kaufen.
Den Rittern schwebte vor, dort eine Wohn- und Lebensgemeinschaft für alte Menschen zu gründen. Das Anwesen sollte zudem weiterhin als Hotel genutzt werden. Die Ritter machten aber auch klar: Eine dauerhafte Pacht kam für sie nicht in Frage, sie wollten kaufen. Eine Entscheidung von Seiten der Stadt wünschten sie sich bis Ende des Jahres 2023.
Verkauf für manche undenkbar
Im Stadtrat gab es allerdings einige Vorbehalte gegen das Projekt. Die Vereinbarkeit einer „Alten-WG“, wie Ordensritter Udo Krauß aus Lautersheim es umschrieben hatte, mit einem Hotelbetrieb, erschien manchen Ratsmitgliedern schwer möglich. Zudem sträubte sich insbesondere die SPD-Fraktion dagegen, das Schlosshotel zu veräußern. Dass Bürgermeister Michael Vettermann (FDP) dennoch Gespräche mit den Rittern aufgenommen hatte, war nicht zuletzt der desolaten Haushaltslage der Stadt geschuldet. Aufgrund des Defizits ist der Haushalt von Rockenhausen nämlich gesperrt, unterliegt also der Kommunalaufsicht. Konkret bedeutet das, dass in Rockenhausen nur noch Maßnahmen umgesetzt werden dürfen, die als unabdingbar gelten. Die finanziellen Belastungen durch das Schlosshotel tragen zu dieser Finanzsituation nicht unerheblich bei.
Zwei neue Bewerber
Für Vettermann selbst ist der Verkauf der Schlosshotels nicht völlig undenkbar. „Ich bin offen für alle Möglichkeiten. Für mich ist es die Hauptsache, dass das Schlosshotel gut untergebracht ist und sinnvoll genutzt wird“, so der Stadtbürgermeister. Dass die Ritter sich jetzt zurückziehen, sieht er mit Bedauern. „Ich hatte gehofft, dass sie dranbleiben. Auch wenn ich natürlich gesehen habe, dass das eine eher umstrittene Geschichte ist und es da durchaus auch manche Vorurteile gibt“, so Vettermann. Jetzt gelte es aber, weiter nach einer guten Lösung zu suchen. In den vergangenen Wochen seien zwei neue Bewerber hinzugekommen. „Ich kann aber noch nicht abschließend sagen, ob diese Bewerbungen tatsächlich Bestand haben, wir sind da noch in der Prüfung“, so Vettermann. Auch die Idee, das Hotel-Restaurant als Inklusionsbetrieb zu führen, ist noch nicht vom Tisch. Und auch die Kirchheimbolander Kulturveranstalterin Lydia Thorn Wickert hat mit ihrem Konzept zur Gründung einer internationalen Musikakademie weiterhin Interesse.
Schweigen zu neuem Projekt
Für die Ritter ist es nicht völlig undenkbar, dass das Schlosshotel irgendwann einmal erneut in ihr Blickfeld kommen könnte. „Wenn die Situation passt und die Gemeinde daran Interesse hätte, dann könnte man vielleicht in ein paar Jahren wieder darüber nachdenken“, sagte von Thurn und Taxis. Vorerst werde man sich aber auf die andere Immobilie konzentrieren und dort die Kombination von Wohnen im Alter und Gastronomie verwirklichen. Um welches Gebäude es sich dabei handelt, wollten sich weder der Prinz noch Udo Krauß entlocken lassen. Nur so viel: Die Villa Seyler ist es – wohl zum Bedauern etlicher Kirchheimbolander – nicht.