Schönborn RHEINPFALZ Plus Artikel Latwerge-Fest: Nur mit viel Handarbeit gibt es die Pfälzer Spezialität

Wolfgang Höhn, Christian Tschöpke und Friedhelm Dege in ihrer Schicht beim Latwerge-Kochen. Nach drei Stunden werden sie abgelös
Wolfgang Höhn, Christian Tschöpke und Friedhelm Dege in ihrer Schicht beim Latwerge-Kochen. Nach drei Stunden werden sie abgelöst.

Bereits seit über 150 Jahren ist Latwerge, eine Art Zwetschgenmus, aus der traditionellen Pfälzer Küche nicht mehr wegzudenken. Beim alljährlichen Latwerge-Fest in Schönborn wird eine Tradition aufrechterhalten.

Pflaumen, Zucker und Gewürze – aus diesen drei simplen Zutaten setzt sich Latwerge zusammen. Das Zwetschgenmus ist tief in der Pfalz verwurzelt und wurde früher vor allem von Bauersfrauen in einem großen Kessel gekocht. In Schönborn wird diese Tradition einmal im Jahr beim Latwerge-Fest, das Spezialitäten aus der gesamten Region vereint, geehrt.

Der Prozess der Herstellung dauert insgesamt mehrere Tage und ist früher genauso wie heute Gemeinschaftsarbeit: Angefangen wird mit dem Entkernen der Zwetschgen. Über Nacht werden diese dann eingezuckert. Da die Latwerge etwa zehn bis zwölf Stunden gekocht und währenddessen ständig umgerührt werden müssen, haben sich die Schönborner in Schichten von jeweils drei Stunden eingeteilt. Im Hinterraum der Metzgerei Bessei in Rockenhausen kocht die Latwerge am Samstagmorgen bereits in einem großen Kochkessel. Christian Tschöpke, Wolfgang Höhn und Friedhelm Dege, die beim Latwerge-Fest mithelfen, wechseln sich alle zehn Minuten mit dem Umrühren ab.

Viel Handarbeit

Für die drei Männer ist die Vorbereitung auf das Fest, das nun schon zum siebten Mal in Schönborn stattfindet, ein fester Bestandteil des Dorflebens. Die Tradition des Latwerge-Kochens spielt dabei selbstverständlich die Hauptrolle – heutzutage ist sie nahezu verschwunden, wie Christian Tschöpke weiß: „Die Generationen, die das wirklich noch gemacht haben, die gibt es eigentlich gar nicht mehr.“

Auch rund um den Donnersberg kenne er niemanden, der es noch so mache wie früher. Kein Wunder, denn das Herstellen der Latwerge ist nicht nur ein großer Zeitaufwand, sondern bedeutet viel mühsame Handarbeit. Auch die Zwetschgenernte in der Pfalz ist nicht mehr so reichlich wie früher – die Schönborner haben für ihr Vorhaben aber trotzdem regional eingekauft: Die Zwetschgen für die diesjährige Latwerge kommen unter anderem vom Obsthof Lamb aus Mannweiler-Cölln.

Traditionelle Pfälzer Spezialitäten

Um am Ende des Tages festzustellen, wann die Latwerge fertig ist, wird eine kleine Menge auf einen Teller gegeben und dieser senkrecht gehalten – wenn sie nicht mehr herunterfließt, ist sie fertig. Latwerge darf weder zu flüssig, noch zu zäh sein – auf die perfekte Konsistenz kommt es an.

Beim Latwerge-Fest, das am 8. Oktober auf dem Platz vor der Gemeinschaftshalle in Schönborn stattfindet, stehen traditionelle Pfälzer Spezialitäten im Mittelpunkt. Neben der Latwerge, der Namensgeberin des Festes, gibt es unter anderem Kartoffelpfannkuchen („Grumbeerpannekuche“) mit Apfelmus, Kartoffelsuppe („Grumbeersupp“) und Zwetschgenkuchen („Quetschekuche“).

Mit Handwerkern und Honigverkostung

Natürlich kommt auch die Latwerge vielfach zum Einsatz: Egal ob zu Bratwurst, auf Brot, in Pofesen – einer besonderen Süßspeise – oder zum Mitnehmen für zu Hause im Glas – in Schönborn dreht sich an diesem besonderen Tag alles um das Pfälzer Zwetschgenmus. Neuer Wein sowie hausgemachte Kuchen und Torten runden das geschmackliche Erlebnis ab.

Außerdem vor Ort sind mehrere handwerkliche Stände aus der Region, unter anderem aus Katzenbach, Ransweiler und Dannenfels: Von Goldschmiedearbeiten über das Bestimmen von Apfelsorten bis hin zur Honigverkostung ist für Unterhaltung gesorgt. Auch die Kleinsten können selbst aktiv werden und bei Steinmetzmeisterin Susanne Graf ihre eigenen Sandsteine bearbeiten. Darüber hinaus dient das Latwerge-Fest als kleine Tierschau mit Pferden, Schafen, Alpakas und Meerschweinchen.

Große gemeinschaftliche Sache

Für Christian Tschöpke, Wolfgang Höhn und Friedhelm Dege steht beim Latwerge-Fest vor allem die gemeinsame Arbeit der Dorfgemeinschaft im Vordergrund. Mindestens 40 Menschen sitzen bei den Vorbereitungen mit im Boot. „Das macht schon auch Spaß“, erzählt Tschöpke.

Viele engagieren sich außerdem für den Dorfförderverein: Mithilfe von Festen wie beispielsweise dem Latwerge-Fest oder den alljährlichen Weihnachtsfeierlichkeiten werden Projekte im Dorf, wie etwa der Wiederaufbau des Jugendheims in Schönborn, unterstützt. „Das ist wirklich eine große gemeinschaftliche Sache, und das ist auch irgendwie das Entscheidende“, erzählt Tschöpke. „Während der Corona-Zeit ist das Dorfleben komplett zum Erliegen gekommen, und jetzt haben wir wieder Schwung und Freude.“ Gerade weil die Latwerge so eine feste Pfälzer Tradition ist, wird sie wohl auch in den kommenden Jahren Anklang finden.

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