Winnweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Exportziel Moskau: Brauerei Bischoff füllt nach Monaten wieder Fässer ab

Bier aus Winnweiler für einen Bierklub in Schottland: Die Gestaltung der Flaschen und Dosen hat der Bierklub übernommen – inklus
Bier aus Winnweiler für einen Bierklub in Schottland: Die Gestaltung der Flaschen und Dosen hat der Bierklub übernommen – inklusive der stolzen Aufschrift »Brewed in the Pfalz« (gebraut in der Pfalz).

Die Privatbrauerei Bischoff in Winnweiler bleibt weiter auf Kurs: Bis Mitte 2021 soll das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung abgeschlossen sein. Den Hauptumsatz bringt derzeit Bier, das gar nicht unter dem Namen Bischoff vertrieben wird. Derweil spricht Chef Sven Bischoff mit potenziellen Investoren.

Bis Mitte, spätestens Ende Mai soll der Insolvenzplan stehen. Etwa 50 Gläubiger haben bislang bei Sachwalter Jürgen Roth in Kusel ihre Forderungen gegenüber der Winnweilerer Privatbrauerei angemeldet – das Gesamtvolumen beziffert Brauerei-Chef Sven Bischoff auf rund eine Million Euro. Wenngleich sich oftmals nicht alle Gläubiger an einem solchen Verfahren beteiligen, so klingt dies doch nach einer überschaubaren Summe für ein Unternehmen der Größe Bischoffs. Das sieht auch Sven Bischoff so. „Wir waren ja auch nicht überschuldet“, sagt er mit Verweis auf das Anlagevermögen der Brauerei, allen voran Gelände, Gebäude und Produktionsanlagen. „Es ging nur darum, dass wir aufgrund der aktuellen Situation unsere Rechnungen nicht mehr in der geforderten Zeit zahlen konnten.“ Daher folgte im Dezember der Gang zum Amtsgericht, ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung wurde eröffnet.

Auftrag für schottischen Bierklub

Jenes Insolvenzverfahren hat im März seinen Status gewechselt: Aus dem vorläufigen ist ein ordentliches geworden. Gleichbedeutend mit dieser Formalie: Die Löhne für seine 34 Mitarbeiter muss Bischoff wieder selbst zahlen, während des vorläufigen Verfahrens war das Insolvenzgeld von staatlicher Seite vorfinanziert worden. Derzeit arbeiten fast alle Bischoff-Beschäftigten kurz, die Einsatzzeiten hängen von der Auftragslage ab. In der letzten Aprilwoche kommt Arbeit hinzu: Dann startet erstmals im Jahr 2021 die Fassabfüllung – fürs Auslandsgeschäft selbstredend, da die Gastronomie in Deutschland pandemiebedingt nach wie vor keinen ernstzunehmenden Abnehmer darstellt. Unter dem noch recht neuen Auslandslabel Palatina-Bräu werden 600 Fässer für den Verkauf in Moskau befüllt.

Überhaupt: Bier, das unter dem Markennamen Bischoff vertrieben wird, macht derzeit einen geringen Anteil am Gesamtumsatz aus. Weiterhin fehlen neben der Gastronomie die Veranstaltungen. Lediglich im Handel laufe es ganz gut – „da sind wir in etwa auf Vorjahresniveau“, sagt Vertriebsleiter Marc Osterholzer. Etwa 90 Prozent des Brauerei-Umsatzes werden mit Lohnabfüllung erwirtschaftet, zu großen Teilen handelt es sich um Bier, das fürs Ausland bestimmt ist. In normalen Zeiten seien es nur 60 bis 70 Prozent, schätzt Osterholzer.

Gerade im Ausland stehen laut dem Vertriebsleiter „einige interessante Projekte“ an. Zuletzt haben die Winnweilerer beispielsweise eine Fassbrause für den niederländischen Markt produziert. Mehrere Lastwagen umfasst auch die Lieferung mit bunten Bierdosen und Flaschenlabels an einen großen schottischen Bierklub, der seine Mitglieder mit außergewöhnlichen Bieren aus aller Welt versorgt.

Verfahren soll Mitte 2021 abgeschlossen sein

Eine „Delle im März“ habe das Ergebnis des ersten Quartals etwas getrübt nach verheißungsvollem Start ins Jahr, schildert Sven Bischoff. Aktuell laufe das Geschäft mit Osteuropa wieder an, auch aus Italien, Israel, Chile und Dänemark kämen nach und nach Aufträge. Im Grunde stellten sich die Zahlen seit Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverantwortung so dar, wie er sich das vorgestellt habe, sagt Bischoff. „Wie geplant, wird das Verfahren bis Mitte des Jahres abgeschlossen sein.“

Wie es dann weitergeht? Bischoff hatte von Anfang betont, dass die Brauerei sehr interessant für externe Geldgeber sein dürfte. „Wir befinden uns derzeit in konstruktiven Gesprächen mit potenziellen Investoren“, sagt er.

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