Donnersbergkreis
DRK-Rettungsdienste Westpfalz kämpfen gegen Fachkräftemangel
Für extremes Kopfzerbrechen sorgt die Situation der Rettungsdienste und Notfallversorgung im Donnersbergkreis zumindest aktuell noch nicht. Axel Gilcher, Geschäftsführer der Rettungsdienst Westpfalz GmbH des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), betont, dass die Notfallversorgung „oberste Priorität“ habe und man aus diesem Grund über ein umfangreiches Ausfallmanagementsystem verfüge.
Damit sei es möglich, im Fall von Engpässen jederzeit Personal zwischen den Rettungswachen zu verschieben. Das ermögliche den Austausch von Einsatzkräften des Donnersbergkreises zwischen den Rettungswachen in Kirchheimbolanden, Rockenhausen, Eisenberg, Winnweiler und Alsenz. Zum Rettungsdienst Westpfalz zählen auch sämtliche Wachen der Stadt Kaiserslautern sowie der Landkreise Kaiserslautern und Kusel. „Damit schaffen wir es, dass wir noch nie ein Notfalrettungsmittel - also Einsatzfahrzeuge - abmelden mussten und der Bevölkerung immer vollumfänglich zur Verfügung stehen“, erklärt Gilcher. Zudem habe man auf den fünf Rettungswachen im Donnersbergkreis aktuell etwa 100 Rettungsfachkräfte angestellt. Mit dieser Personaldecke lässt sich die Notfallversorgung ausreichen abdecken.
Fachkräftemangel belastet Notfallrettung
Gilcher macht aber auch keinen Hehl daraus, dass man nicht gänzlich frei von Sorgen ist. „Auch bei uns zeichnet sich, wie in allen medizinischen Bereichen, die Tendenz ab, dass gerade die Nachbesetzung von offenen Stellen immer schwieriger wird“, erklärt er. Um dem entgegenzuwirken, bildet der DRK-Rettungsdienst Westpfalz zurzeit 37 junge Menschen zu Notfallsanitätern aus. „Das ist die höchste nichtärztliche Qualifikation im Rettungsdienst“, erläutert Gilcher.
Doch woran liegt es, dass es immer weniger Fachkräfte gibt? Dem Problem begegnen aktuell viele Branchen. Der Gesundheitssektor gehört sicher zu denen, die am stärksten betroffen sind. „Was wir wahrnehmen, sind die sich ändernden Erwartungen der Mitarbeitenden in Bezug auf Arbeitszeiten, Flexibilität bei der Dienstplangestaltung und im Hinblick auf eine gute Work-Life-Balance“, erklärt der Geschäftsführer. Es werden mehr Kompromisse nötig, um Menschen langfristig im Rettungsdienst halten zu können. „Dies macht sich darin bemerkbar, dass Mitarbeitende zunehmend Wert darauf legen, einerseits nach verlässlichen Dienstplänen zu arbeiten, sich auf der anderen Seite aber genügend Flexibilität wünschen, wenn es beispielsweise darum geht, kurzfristig einen Dienst tauschen zu können“, sagt Gilcher. Diesen Bedürfnissen zu entsprechen und gleichzeitig die Notfallrettung aufrechtzuerhalten, sei eine Herausforderung. „Das funktioniert auch deshalb, weil es viele Mitarbeitende gibt, die bereit sind, zusätzlich für Dienste einzuspringen“, betont Gilcher.
Lage weniger gravierend als in Vorderpfalz
Es ist also auch beim DRK-Rettungsdienst Westpfalz immer mehr Kreativität gefragt, um den aufkommenden Personalsorgen möglichst gut entgegenzutreten. Gravierende Probleme, wie man sie zuletzt aus den Wachen der Vorderpfalz zu lesen bekam, gebe es aber noch nicht. Dort erzählte ein Insider von Vorfällen, in denen Patienten nach einem Verkehrsunfall „schon mal mehr als zwei Stunden auf einen Rettungswagen warten“ mussten. Dies sei zwar nur in Fällen passiert, die zunächst als weniger bedrohlich eingestuft wurden. Der Insider betonte aber, dass auch solche Vorfälle sich als lebensbedrohlich entpuppen könnten. Man spiele also mit dem Feuer.
Häufig und bereits seit Jahren würden dort Rettungsmittel ausfallen – manchmal bis zu acht von insgesamt 21 Rettungswagen an einem Tag. Von offizieller Seite wurde die Situation zwar relativiert und von „nur etwas mehr als fünf Prozent der Einsätze“ gesprochen, in denen die Rettungskräfte mehr Zeit benötigten als vorgesehen. Auch in der Vorderpfalz seien fehlende Fachkräfte das Hauptproblem. Vor allem wenn es darum geht, die Rettungswagen und Leitstellen zu besetzen. Eine Lösung könnte eine noch engere Kooperation mit den Nachbardiensten sein.