Winnweiler
Bischoff: Warum die Verbandsgemeinde eine Zwangsversteigerung will
„Eine zeitnahe Lösung ist im Sinne der Gemeinde“, begründet Bürgermeister Rudolf Jacob die Entscheidung, die der Rat der Verbandsgemeinde in nichtöffentlicher Sitzung getroffen habe: Der VG, genauer gesagt den Werken, steht demnach noch ein gehöriger Batzen Geld zu – und den will sich Winnweiler beim Insolvenzverfahren über seine einstige Vorzeigebrauerei nicht entgehen lassen.
Rechnungen für Energie, Wasser und Abwasser, sogenannte öffentliche Lasten, in einer Gesamthöhe im mittleren sechsstelligen Bereich sind noch offen, hat die insolvente Bischoff-Brauerei den VG-Werken nicht mehr begleichen können. Das Besondere daran: Diese Forderungen sind mit einem Teil des großen Bischoff-Grundstücks im Ort gesichert. Dies hat zur Folge, dass die Verbandsgemeinde recht gute Karten hat, große Teile ihrer Forderungen ersetzt zu bekommen – indem sie nun die Zwangsversteigerung des Geländes angestoßen hat. Diese bezieht sich allerdings nur auf die Flurstücke mit den Gebäuden, da die öffentlichen Lasten im Zusammenhang mit den Gebäuden der Brauerei stehen.
Brauerei hat lange gekämpft
Denn bei einer Zwangsversteigerung werden die Ansprüche in Rangklassen unterteilt, wie Matthias Braun, Sprecher der mit der Bischoff-Insolvenz betrauten Kanzlei Schultze & Braun, erläutert. Kurz gesagt: Je höher die Rangklasse, desto besser die Chancen des Gläubigers, aus dem Auktionserlös einen möglichst hohen Anteil seiner Forderungen beglichen zu bekommen.
Die VG möchte einen Rangabstieg ihrer Ansprüche vermeiden. Ein solcher droht, weil die offenen Rechnungen schon eine ganze Weile liegen. Das hängt damit zusammen, dass sich das Insolvenzverfahren der Brauerei verhältnismäßig lange hingezogen hat: Fast zwei Jahre waren vergangen vom Start des Verfahrens in Eigenverwaltung, in dem nach einigen Monaten der Sachwalter gewechselt hat, hinein in die Regelinsolvenz bis zum endgültigen Aus. Gut zwei Jahre alt sind überwiegend auch die Forderungen, demnach sind sie in den Anfangszeiten des Insolvenzverfahrens aufgelaufen. Diese Ansprüche würden Ende des Jahres in der Rangfolge nach unten wandern.
Verkaufsprozess weiter im Gange
Durch eine schnelle Zwangsversteigerung des rund 36.000 Quadratmeter großen Areals sollen nun also die durch selbiges gesicherten Forderungen durchgesetzt werden. Auf Antrag der VG ist dieses Verfahren bereits gerichtlich angeordnet worden. Da „eine Zwangsversteigerung ein langer Prozess ist“, wie Braun erläutert, werde parallel dazu auch der reguläre Verkaufsprozess weitergehen. Sprich: Insolvenzverwalter Jürgen Erbe wird weiter nach Interessenten Ausschau halten. Denn bei einer Versteigerung sei erfahrungsgemäß ein geringerer Erlös zu erwarten, sagt Braun. Eine herausfordernde Situation für Erbe, der kraft Amtes die Gläubigergesamtheit und deren Ansprüche im Auge haben muss und der zu dem Thema im Austausch mit der Verbandsgemeinde steht. Klar ist laut Braun: Der Wert des Grundstücks übersteigt in jedem Fall die Forderungshöhe der VG – von möglichst hohen Erlösen würden am Ende also auch die weiteren Gläubiger profitieren.
Für Bürgermeister Jacob stehen da aber zunächst mal andere Interessen im Fokus: Versuche man in einem solchen Insolvenzfall nicht, möglichst viel für die VG-Werke zu sichern, „dann wäre das nicht korrekt gegenüber den anderen Gebührenzahlern“, sagt er. Zudem sieht er einen Qualitätsunterschied bei der Entstehung der Forderungen: „Eine Gemeinde kann sich in solchen Fällen ja nicht aussuchen, ob sie Geschäfte mit den Unternehmen macht. Banken wissen, wenn sie Risikogeschäfte eingehen, und lassen sich dafür mit Zinsen bezahlen.“
Interesse anderer Brauereien
In Vorbereitung der Zwangsversteigerung hat das Gericht nun eine Sachverständige bestellt, die den Verkehrswert des Geländes feststellen soll. Auf dessen Basis wird dann das Mindestgebot ermittelt. Es gehe dabei nur um das Grundstück, unterstreicht Braun, nicht etwa um die großen Brauereianlagen, die noch in den Hallen stehen. Bei vielen dieser Geräte stehe Jürgen Erbe bereits in konkreten Verhandlungen mit Interessenten. „Gut möglich also, dass ein Teil von Bischoff bald in anderen Brauereien eingesetzt wird“, sagt Matthias Braun.
Ob Zwangsversteigerung oder regulärer Verkauf: Welche Nutzung des großen Geländes schwebt dem Bürgermeister vor? „Eine intensive gewerbliche Nutzung ist aufgrund der nachbarschaftlichen Situation nicht mehr vorstellbar“, sagt er. Daher prognostiziert er, dass die Brauereigebäude größtenteils abgerissen werden dürften und wohl überwiegend Wohnraum entstehen werde. Jacob schwebt „ein gesunder Mix aus Wohnformen“ vor, inklusive Mehrfamilien- und Doppelhäusern.