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Südwest

Schräge Blicke auf bloße Füße

Im Nachhinein: Über die Wonnen des Barfußlaufens im Pfälzerwald

( Karikatur: Mercker)

Wir Pfälzer lassen uns ja gar nicht gerne Vorschriften machen. Den Freiheitsdrang haben wir offenbar in den Genen, denn in jeder freien Minute zieht es uns hinaus in die Welt. Im Nachhinein betrachtet, sitzen wir zwar viel zu oft auf unserem Allerwertesten, sehnen uns aber permanent nach Bewegung. Frische Luft lässt uns wieder durchatmen.

Seinem Bewegungsdrang kann man in der Pfalz mühelos nachgeben: zu Fuß, mit dem Rad oder auf dem Pferderücken. Komplexer ist die Wahl des passenden Schuhwerks. Da gibt es den atmungsaktiven Laufschuh, den robusten Trekkingschuh und die eng anliegenden Reitstiefel. Tagein tagaus haben wir die Qual der Wahl vor unseren Schuhschränken.

Dabei kann das Leben so einfach sein. Was ist schöner, als barfuß am Meer entlang zu schlendern? Und wie vergnüglich ist es doch, die nackten Zehen in den warmen Sand zu bohren. Der pure Genuss! Warum in aller Welt haben wir uns also freiwillig dazu entschlossen, täglich Schuhe zu tragen? Diese Frage lässt sich nur schwer beantworten.

Gerade Frauen verplempern ihr halbes Leben vor Schuhregalen, zwängen ihre zarten Füße in unbequeme Stöckelschuhe, um dann über Ballenzehen und andere Missbildungen zu klagen. Überzeugte Barfußläufer prangern diese Dinge immer wieder an, halten die meisten Schuhe für falsch geschnitten und „fer unnötisch wie än Kropp“. Dass Barfußlaufen in kaltem Wasser gesund und glücklich macht, hat ja schon der gute alte Pfarrer Kneipp gepredigt.

Kneipps Ratschläge werden leider Gottes viel zu selten beherzigt. Dabei hat die Saison für bloße Füße längst begonnen. Wer sich an warmen Frühlingstagen ohne Schuhe nach draußen wagt, dem wird eine kostenlose Fußreflexzonenmassage beschert. Je nach Untergrund werden die blanken Sohlen gerieben und gekitzelt, die Füße können wieder atmen.

Im Nachhinein muss man sich angesichts all dieser positiven Effekte fragen, ob das Schuhwerk so nützlich ist, wie wir glauben. Einst ging es ums Prestige. Wer barfuß lief, war arm. Die Reichen protzten mit glänzenden Lederstiefeln und prächtigen Schnallen.

Jetzt wäre die Pfalz nicht die Pfalz, wenn sie das Barfußlaufen als Wellnesstrend noch nicht für sich entdeckt hätte. Vielerorts laden Barfuß-pfade dazu ein, sich der Schuhe zu entledigen. Man kann aber auch daheim unbestrumpft herummarschieren. Das löst Verspannungen und sorgt angeblich für warme Füße.

Wer wagemutiger ist, kann sich morgen Alexander Rapp anschließen. Der Südpfälzer bietet seit März beim Landauer Pfälzerwald-Verein Barfußwanderungen an. Nicht nur am Strand, auch mitten im Wald gibt es Wege, die mit feinstem Sand bedeckt sind. Für Kinder ist es herrlich, dort ohne Sandalen herumzuhüpfen.

Rapp verzichtet so oft wie möglich auf Schuhe. Das Gehen auf bloßen Sohlen habe ihn von seinen Rückenproblemen befreit, erzählt der 48-Jährige. Auch er genießt es, die Beschaffenheit des Bodens zu spüren, beschreibt das als wohliges Gefühl. Selbst bei schlechtem Wetter.

Schräge Blicke beim Bäcker oder anderswo nimmt Rapp mit Humor, über echtes Interesse freut er sich. Wanderer können ihn morgen um 11.30 Uhr am Bahnhof Rodalben treffen, um etwa zehn Kilometer des Felsenwanderwegs einmal ohne Schuhe zu bewältigen. Seine Touren testet der Barfußläufer im Vorfeld stets mehrfach, damit niemand über Schotterwege humpeln muss. Verpönt sind Schuhe beim Barfußwandern jedoch keineswegs. Wer schwächelt, darf seine Füße jederzeit wieder hineinbetten. | Petra Depper-Koch

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