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Donnerstag, 13. Dezember 2018 Drucken

Südwest

Pfälzerwald: Wo der Weihnachtsbaum selbst geschlagen wird (mit Karte)

Mit Axt und Säge in den Pfälzerwald – Förster koordinieren Christbaumaktionen – FSC-Gütesiegel verbessert die Ökologie in Kulturen

Im Schnee macht die Suche nach dem passenden Christbaum noch mehr Spaß. Auf das Wetter haben die Pfälzer Förster aber keinen Einfluss.

Im Schnee macht die Suche nach dem passenden Christbaum noch mehr Spaß. Auf das Wetter haben die Pfälzer Förster aber keinen Einfluss. ( FOTO: HDN/FREI)

Durch den Pfälzerwald stapfen, gemeinsam den Christbaum aussuchen und ihn selbst fällen – viele Familien lieben das. Die Forstämter haben sich auf den Andrang am dritten Adventswochenende eingestellt. Die Förster laden in die Baumkulturen ein, sind den ganzen Tag im Einsatz: Am Lagerfeuer wird Glühwein ausgeschenkt. Helfer grillen Bratwürste, das Angebot an Essen und Getränken ist vielfältig. Wildprodukte und andere regionale Erzeugnisse werden verkauft.

Pfalzweit wird an diesem Wochenende einiges los sein. „Ich bin jetzt im Forstrevier Stahlberg zum dritten Mal dabei“, sagt Förster Wolfgang Mögenburg. Er wundert sich jedes Mal über die vielen Anrufer, die schon Wochen vorher wissen wollen, wann es am Donnersberg wieder losgeht. „Letztes Jahr“, so Mögenburg, „waren sogar Leute da, die die Aktion einem befreundeten Paar zum Geburtstag geschenkt hatten.“ Der Förster freut sich über diese Anerkennung: „Übersetzt heißt das doch, man kann sich bei uns im Wald aufhalten. Es macht Spaß, hier seine Zeit zu verbringen.

 

 

Weder Dünger noch Pestizide

Auf der drei Hektar großen Sonderkultur im Forstrevier Stahlberg stehen neben Nordmanntannen, Blaufichten, Edel- und Coloradotannen auch Obstbäume. Dies mache die Kultur ökologisch wertvoll, sagt Mögenburg. Die Obstbäume werden vom Forst gepflegt und bei Bedarf durch junge Bäume ersetzt. Die Weihnachtsbäume haben das FSC-Gütesiegel und stammen aus nachhaltiger Forstwirtschaft. FSC steht für „Forest Stewardship Council“ und zielt auf gesunden Wald und gutes Holz. Zu den ökologischen Vorgaben bei den Christbaumkulturen gehört unter anderem, dass keine Chemie eingesetzt werden darf. Laut Mögenburg weder Dünger noch Pestizide. Auch die Wege müssen so angelegt werden, dass möglichst wenig Boden versiegelt wird. „Jetzt werten wir den Feld- und Waldrand noch weiter ökologisch auf“, erzählt der Förster. „Schwarzer Hollunder, Kornelkirsche, Schlehe, Haselnuss und Roter Hartriegel sollen die Lücken schließen.“ Für Greifvögel seien Sitzstangen, so genannte Julen, aufgestellt worden.

Mögenburg wirbt dafür, in den Kulturen nicht nach dem perfekten Christbaum zu suchen. Er findet es individueller, von sieben bis acht Meter hohen Nadelbäumen die Spitze zu nehmen. Dies sei keine Verschwendung, da die alten Bäume der zwölf Jahre alten Weihnachtsbaumkultur eh gefällt werden müssten. Der Bestand müsse zügig verjüngt werden. „Wir nehmen die Spitzen gerne, weil sie urig aussehen“, sagt Mögenburg.

Nordmanntannen beliebt 

Auch im Forstrevier Stahlberg gehören die Nordmanntannen zu den beliebtesten Bäumen. In diesem Jahr hat Mögenburg vergeblich versucht, Saatgut der Initiative „Fair trees“ zu bekommen. Er hofft aber, dass es demnächst klappt. Die Initiative will die Arbeitsbedingungen von Zapfenpflückern in Georgien und Karelien verbessern. „Die Samen werden dort aus sehr hohen Bäumen geholt“, so Mögenburg. „Dabei kommt es immer wieder zu Unfällen und tödlichen Stürzen.“ Ein Teil des Geldes fließe in eine Stiftung für die Hinterbliebenen. „Das wollen wir unterstützen.“

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