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Montag, 24. Dezember 2018 Drucken

Südwest

Interview mit Metzger Christian Speeter: Weißwurst-Europameister

Auch wenn er aus Hettenleidelheim kommt: Mit Lewwerworscht und Schwartenmagen kann Christian Speeter bei der Feinschmecker-Bruderschaft nicht punkten, weil sie für diese Pfälzer Spezialitäten keinen Wettbewerb veranstaltet.

Auch wenn er aus Hettenleidelheim kommt: Mit Lewwerworscht und Schwartenmagen kann Christian Speeter bei der Feinschmecker-Bruderschaft nicht punkten, weil sie für diese Pfälzer Spezialitäten keinen Wettbewerb veranstaltet. ( Foto: Schifferstein)

Der amtierende Weißwurst-Europameister ist ein Pfälzer: Dass der Metzgermeister Christian Speeter aus Hettenleidelheim (Kreis Bad Dürkheim) kommt, registriert auch die bayerische Konkurrenz. Fast täglich bekommt Speeter nun E-Mails aus dem Freistaat: Ein Einreiseverbot werde ihm nicht erteilt, wurde ihm beispielsweise mitgeteilt. Wie es im November zum Wettbewerbs-Erfolg in Alençon in der Normandie kam und wieso deutsche Weißwurst im Norden Frankreichs bewertet wird, das verriet Speeter im Interview mit Joerg Schifferstein.

Herr Speeter, Europameister ist ein Titel, der sonst vorwiegend bei sportlichen Wettbewerben erzielt wird. Wie sportlich geht es denn zu bei einer Weißwurst-Europameisterschaft?

So wie beim 1000-Meter-Lauf auch. Jeder, der antritt, will gewinnen. Die Kriterien sind sehr hoch. Ich musste mich in zwei Durchläufen für die Endrunde qualifizieren. 800 Teilnehmer aus ganz Europa haben Weißwürste zur Bewertung eingereicht. Nach der Produktion gehen die Würste per gekühltem Express nach Alençon, werden dort kodiert, damit die Preisrichter neutral werten können. Alle Proben werden zweimal probiert und bewertet. Das jeweilige Ergebnis der beiden Jurys wird zum Gesamtergebnis zusammengerechnet.

Es geht also um Punkte: Wie viele Punkte hat Ihre Wurst erreicht?

Fast die Maximalpunktzahl von 200. Zum Vergleich: Mit meiner Bratwurst habe ich bei einem ähnlichen Wettbewerb in Alençon 180 Punkte erreicht, was mir den vierten Platz eingebracht hat.

Alençon liegt in der Normandie in Frankreich. Warum werden ausgerecht dort deutsche Weiß- und Bratwürste bewertet und Europameistertitel vergeben?

Alençon ist der Sitz der europäischen Feinschmecker-Bruderschaft, deren Mitglieder aus vielen Nationen stammen. Die Chevaliers, das sind die Mitglieder der Bruderschaft, kommen überwiegend aus der Gastronomie und von Lebensmittelherstellern, sie pflegen ihr Brauchtum gemeinsam. Es gibt sogar eine Tracht mit schweren Samtroben, die beispielsweise beim Festumzug in Alençon und bei der Preisverleihung während des Wettbewerbs getragen werden.

Hettenleidelheim liegt ja in der Pfalz, da sollte man erwarten, dass der örtliche Metzger bei einem solchen Wettbewerb mit Lewwerworscht oder Schwartenmagen punkten würde?

Geht leider nicht, denn Leberwurst und Schwartenmagen werden in Alençon nicht bewertet. Aber mit einer Pfälzer Spezialität haben wir fast zeitgleich einen weiteren Titel abgeräumt: Beim Internationalen Saumagenwettbewerb in Herxheim bei Landau wurden wir Sieger mit einer Saumagen-Spezialität. Dafür hatten mein Team und ich ein Spanferkel mit unserem Saumagenbrät gefüllt. Auch eine Gans haben wir befüllt. Das Spanferkel hat den ersten Platz geholt, auf einem weiteren Platz war der Gänse-Saumagen.

Zurück zur Weißwurst. Wie erklären Sie, dass Sie ausgerechnet die gesamte bayerische Konkurrenz hinter sich gelassen haben?

Die Grundlagen der Weißwurst-Herstellung habe ich mir während meiner Metzgerausbildung in Nußdorf am Inn in Bayern angeeignet. Gerade für Weißwurst brauchen wir Metzger sehr hochwertige Zutaten. Da kommt meinem Betrieb zu Gute, dass wir nur Rinder von der Weiden-Ammenkuhhaltung schlachten und Schweine aus dem Donnersbergkreis. Das Entscheidende ist allerdings die Würze. Da wir Pfälzer bei allen Wurstwaren deftiger würzen, ist das sicher auch ein Faktor, der zum Erfolg beigetragen hat. Die Würzmischung ist dabei aber mein Betriebsgeheimnis.

Den Europameister-Titel haben Sie zum zweiten Mal erreicht. Was bringt das für das Geschäft?

Ja, 2005 konnte ich schon den Titel schon einmal holen. Das Ergebnis spricht sich rum, wir werben damit. Die Kunden bestellen heute viel übers Internet. Gerade auf Facebook waren Filmbeiträge über unsere Wurst fast viral. Das merken wir an den bis heute anhaltenden Rückmeldungen. Deshalb verschicken wir täglich Weißwürste nach ganz Deutschland.

Auch nach Bayern?

Ja, gerade dorthin. Ein befreundeter Winzer hat sich den Spaß gemacht, seine bayerischen Kunden bei einer Weinprobe mit unserer Weißwurst zu bewirten, um zu zeigen, dass die Pfälzer nicht nur den besten Wein machen können. Mein Sohn, der in Österreich im Hotel Post in Lermoos seine Ausbildung macht, hat unsere Weißwurst dort schon eingeführt.

Beneiden die bayerischen Metzger Sie um den Titel?

Sicher. Unter den 800 Metzgern, die Weißwürste einreichen, ist der Großteil aus Bayern, mindestens 500 Betriebe aus Deutschland nehmen am Wettbewerb teil. Und klar, jeder will gewinnen – vor allem die Kollegen aus Bayern, wohin der Europameister-Titel schon einige Male gegangen ist.

Zum Abschluss: Jeden Tag Weißwurst. Gibt es die dann auch an Heiligabend als Weihnachtsessen beim Metzgermeister Speeter?

Da wir als Metzger gerade am Weihnachtstag oder zu Silvester Hochbetrieb haben, bleibt wenig Zeit, um an diesem Tag zu Hause zu kochen. Deshalb ist es Tradition bei mir daheim, dass Würste mit Brezeln und Kartoffelsalat am Heiligen Abend auf den Tisch kommen. |jös

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