Nachruf RHEINPFALZ Plus Artikel Karriereschub Kaiserslautern: Die Künstlerin Carmen Herrera ist mit 106 gestorben

In Aktion: Carmen Herrera
In Aktion: Carmen Herrera

Carmen Herrera ist tot. Die kubanisch-amerikanische Kunstpionierin malte Hochspannungsbilder mit zwei, drei Farben und Formen. Mit 89 verkaufte sie ihr erstes Gemälde. Gestorben jetzt mit 106 in New York. Ein sehr verspäteter Kunststar. Ein Frauenschicksal. Britta Buhlmann vom Museum Pfalzgalerie in Kaiserslautern half sehr bei Herreras Doch-noch-Entdeckung.

Plötzlich rief die „New York Times“ an bei Britta Buhlmann. Der Direktorin des Museums Pfalzgalerie Kaiserslautern. Grund: die Ausstellung, die das Haus Anfang des Jahres 2010 zeigte. Eine Zusammenarbeit mit der Ikon Gallery in Birmingham. Die erste Einzelschau der 1915 geborenen US-Künstlerin Carmen Herrera in Europa war sensationell. Die erste Schau überhaupt, bei der diese Pionierin der Farbfeldmalerei und des Radikalminimalismus groß rauskam. Jahrzehntelang hatte Herrera, die Tochter eines kubanischen Journalistenpaars, in ihrem Apartment in New York beinahe unbeachtet vor sich hingearbeitet. Im Schatten von Männern, mit denen sie teilweise befreundet war, wie Barnett Newman und Yves Klein. Am äußersten Rand der Kunstwelt, wie so viele Künstlerinnen.

Sexy Dreiecke

Linien malte sie, Quadrate, Rechtecke, Blitzformen, Kreise auf Farbfelder. Ein zwei Farben, oft auch nur: Schwarz und Weiß. „Gemalte Haikus“, wie ein Kritiker die von brillanten Farbeffekten vibrierenden Bilder einmal nannte. Über „Blanco y Verde“ (1966/67), ein schlankes grünes Dreieck, das ausgehend von der Bildmitte vertikal auf den unteren Bildrand aufsetzt, sagte sie selbst: Die Leute sähen sexy Sachen darin, ihr Problem. Für sie sei Sex Sex, und Dreiecke seien Dreiecke. Im Alter von 89 Jahren verkaufte Carmen Herrera ihr erstes Gemälde. Fünf Jahre später rief jene „New York Times“, die sich bei Britta Buhlmann über sie erkundigt hatte, Herrera zur neuen „heißen Sache“ aus. Nach Kaiserslautern wurde sie so unter anderem im New Yorker Whitney groß ausgestellt. Dagegen war ihre Teilnahme 1951 am „Salon des réalistes nouvelles“ zusammen mit Hans Arp und Sonja Delaunay folgenlos geblieben.

Warten auf den Bus

Herrera ist Havanna geboren, studierte Architektur, mit dem Englischlehrer Jesse Loewenthal zog sie nach New York, wo sich das Paar nach einem knappen Jahrzehnt in Paris 1954 endgültig niederließ. Keine Galerie wollte sie vertreten. „Ich habe an der Bushaltestelle 94 Jahre gewartet“, sagte Herrera in Anspielung auf das puerto-ricanische Sprichwort „Der Bus kommt immer für den, der wartet“. Ein Glück, zwölf Jahre lang durfte sie noch mit.

Vibrierende „Haikus“. Werk von Carmen Herrera
Vibrierende »Haikus«. Werk von Carmen Herrera
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