BASF RHEINPFALZ Plus Artikel Interview zu 100 Jahre BASF-Kulturprogramm: „Ein Beitrag zur Lebensqualität in der Region“

100 Jahre BASF-Kulturveranstaltungen: Die sensationellen Auftritte des Cellisten Mstislav Rostropovitch sind heute noch in Erinn
100 Jahre BASF-Kulturveranstaltungen: Die sensationellen Auftritte des Cellisten Mstislav Rostropovitch sind heute noch in Erinnerung.

Der Chemieriese BASF ist auch einer der wichtigsten Kulturveranstalter in der Metropolregion, zugleich tritt er als wichtiger Sponsor in Erscheinung. Seit 100 Jahren gibt es ein eigenes Konzertprogramm. Ein Gespräch mit Karin Heyl, Leiterin Soziales Engagement, und Thomas Bufler, Referent für Kunst und Kultur der BASF.

Vor 100 Jahren trat die BASF erstmals als Konzertveranstalter in Erscheinung. Was war die Motivation für die Gründerväter dieses Kulturprogramms?
Die Gründer kamen aus dem Bildungs- und Kulturausschuss, Mitarbeitende der BASF, die sich schon 1919 zusammengetan haben, um in dieser schwierigen, krisengeschüttelten Zeit die Menschen zusammenzubringen. Wir reden über die von Hungersnot, Inflation und Klassenkampf geprägte Nachkriegszeit. Man hat das in der Präambel so formuliert, dass man in einer Zeit, in der die Gesellschaft drohte auseinanderzubrechen, etwas tun müsse, um nicht in einen Abgrund hinabzustürzen. Eine Wortwahl, die wir wohl heute nicht mehr wählen würden. Man hat dann die Kolleginnen und Kollegen aufgerufen, die ein Instrument spielen konnten, die ein Gedicht aufsagen wollten, sich an dem Programm zu beteiligen und auch den Mut aufzubringen, sich auf die Bühne zu stellen.

Da traten dann also Mitarbeiter der BASF für Mitarbeiter auf?
Ja, das war so. Es war von Mitarbeitenden für Mitarbeitende. 1919 war auch das Jahr, in dem sich die heutige Staatsphilharmonie unter dem Namen Pfalzorchester gegründet hat. Man ist auf das Orchester zugegangen, und so kam es im November 1921 zu diesem ersten gemeinsamen Konzert, und zwar noch nicht im Feierabendhaus, sondern in einem Vereinshaus. Nach diesem ersten gemeinsamen Konzert geriet das Pfalzorchester in finanzielle Schwierigkeiten. Der damalige Chefdirigent Ernst Boehe wandte sich an die Unternehmensleitung und bat um Unterstützung. Daraus entstand diese Kooperation, die bis heute anhält. Das alles geschah noch unter dem Eindruck des schrecklichen Explosionsunglücks in Oppau.

Und wie ist das heute? Was hat die BASF davon, einer der größten Kulturveranstalter in der Metropolregion zu sein?
Wir sehen unser Engagement in der Metropolregion als Beitrag zur Lebensqualität, dazu gehört eben auch das Angebot im Feierabendhaus. Früher war das ein Angebot ausschließlich für Mitarbeitende der BASF, heute ist es für alle Menschen, die in der Region leben – und auch darüber hinaus. Zu dem Zeitpunkt, als die BASF hier in Ludwigshafen mit ihrem Engagement begann, gab es noch gar keine Infrastruktur für kulturelle Angebote. Die hat man erstmal schaffen müssen. Man wollte Menschen davon überzeugen, nach Ludwigshafen zu kommen, um hier zu arbeiten. Und das gilt im Grunde immer noch. Es ist diese Attraktivität der Region, die uns am Herzen liegt. Da gehört unser Kulturengagement dazu, aber eben auch unser Einsatz für den Sport, für die Zivilgesellschaft und natürlich unser Engagement für die Bildung.

Haben Sie Zahlen, wie das Verhältnis zwischen Betriebsangehörigen und externen Besuchern bei den Konzerten ist?
Wir machen da auch aus Datenschutzgründen keine ganz konsequenten Erhebungen, gehen aber von einem Verhältnis 50 zu 50 aus, gerade auch bei den Abonnentinnen und Abonnenten.

Sie haben den Faktor Kultur angesprochen, wenn es darum geht, Arbeitskräfte in die Region zu locken. Ist die Kultur wirklich ein Verkaufsargument, wenn man sich als attraktiver Arbeitgeber darstellen will?
Es ist kein Verkaufsargument, so wie Sie das ausdrücken. Es fragt niemand nach einem Kulturprogramm auf einer Recruiting Messe. Aber das gesellschaftliche Engagement eines Unternehmens für sein Umfeld, das ist etwas, was durchaus wahrgenommen wird und sicherlich auch wichtig ist für eine solche Entscheidung. Wir wollen die Region insgesamt attraktiver machen, und in diesem Paket ist die Kultur ein ganz wichtiger Bestandteil. Und zwar nicht nur als Veranstalter im Feierabendhaus, sondern auch als Sponsor in der gesamten Region.

Wenn Sie das Sponsoring etwa für das Festival Enjoy Jazz oder für Ausstellungen im Wilhelm-Hack-Museum ansprechen, seit wann ist die BASF denn nicht nur Kulturveranstalter, sondern auch Kulturermöglicher?
Das machen wir seit Mitte der 2000er Jahre. Mit Enjoy Jazz hat die Kooperation beispielsweise 2004 begonnen. Das ging einher mit dem sehr erfolgreichen Engagement für die Metropolregion Rhein-Neckar, an dessen Ende die Gründung der Metropolregion Rhein-Neckar als Staatsvertrag zwischen drei Bundesländern stand.

Nun haben Sie ja sicherlich zur Vorbereitung auf die Jubiläumssaison in den Archiven gestöbert. Sind Sie da auch auf Konzerte gestoßen, von denen sie sagen würden: „Da wäre ich gerne dabei gewesen?“
Da gibt es schon einige Konzerte, bei denen ich gerne dabei gewesen wäre. Natürlich auch das Gastspiel von Sir Thomas Beecham 1936 mit dem London Philharmonic Orchestra, bei dem der weltweit erste Konzertmitschnitt auf einem Tonband realisiert wurde. Da wurde live nicht nur musiziert, sondern auch etwas erprobt, was einen enormen technologischen Fortschritt bedeutete. 1936 natürlich war allerdings auch eine politisch sehr angespannte Situation, von der ich nicht weiß, ob ich da unbedingt hätte dabeisein wollen. Auch den Auftritt des Jugendorchesters Simon Bolívar aus Venezuela unter Gustavo Dudamel in der Friedrich-Ebert-Halle 2008 hätte ich gerne miterlebt. Und dann erzählen die Kolleginnen und Kollegen immer noch von den sensationellen Auftritten und der beeindruckenden Persönlichkeit des Cellisten Mstislav Rostropovitch.

Es waren und sind ja tatsächlich die Großen der Klassik-Szene in Ludwigshafen zu Gast. Wie schafft man es als Chemiekonzern, die hierher zu bekommen? Müssen Sie eine höhere Gage zahlen?
Also das ist ganz klar eines unserer Ziele: Wir zahlen nicht mehr Gage, nur um jemanden nach Ludwigshafen zu holen. Wir verstehen uns auch als fairen Wettbewerber hier in der Region. Aber eigentlich sollte diese Frage mein Kollege Thomas Bufler beantworten, weil es das Team ist, dem es immer wieder gelingt, mit einer großen Beharrlichkeit international renommierte Künstlerinnen und Künstler nach Ludwigshafen zu locken.

Thomas Bufler: Wir zahlen tatsächlich keine höhere Gage, wir handeln die Gagen aber auch nicht runter. Wir wissen, was Kunst und Kultur wert sind und zahlen deswegen marktübliche Preise. Tatsächlich wird es aber immer schwerer, die ganz, ganz großen Namen nach Ludwigshafen zu holen. Eine Künstlerin wie Elina Garanca ist sehr schwer zu bekommen, ein Claudio Abbado, der hier 2006 dirigiert hat, wäre heute nahezu undenkbar. Der Markt hat sich verändert, große Wettbewerber nehmen zunehmend Klauseln in ihre Verträge auf, die dann Auftritte mancher Größen in Ludwigshafen mehr oder weniger ausschließen. Umso wichtiger ist es, über Jahre hinweg gute Kontakte zu den Agenturen aufzubauen, idealerweise natürlich zu den Künstlerinnen und Künstlern selbst, und sie dann von unserem Tun hier zu überzeugen. Es ist schwer, manche Künstler zu uns zu bekommen, aber wenn sie einmal hier waren, kommen sie gerne wieder.

Das Jubiläumsprogramm wartet natürlich auch wieder mit einigen großen Namen auf, darüber hinaus aber hat man nicht nur aufgrund des sehr gelungenen Programmheftes den Eindruck, dass es bunter, offener ist als alle Programme zuvor. Würden Sie diesen Eindruck bestätigen?
Ja, das würde ich bestätigen. Wenn man 100 Jahre alt wird, dann schaut man zurück und überlegt sich gleichzeitig wie es in den nächsten Jahren weitergehen soll. Nicht zuletzt die Pandemie hat uns dann dazu gebracht, noch intensiver darüber nachzudenken, wie das Programm in der Zukunft aufgestellt werden kann und soll. Manches wie das Komponisten- und das Musikerporträt machen wir ja schon seit einiger Zeit, anderes kommt neu dazu. Jetzt stellen wir uns ganz konkret die Frage: Was macht uns denn aus als Konzertprogramm eines Chemieunternehmens in der Stadt Ludwigshafen und in der Metropolregion? Da sind wir auf einem Weg und experimentieren auch, beispielsweise mit der Reihe „Face to Face“. Wir werden auch mit den Räumen experimentieren und zum Beispiel für die Festwoche im November die Bestuhlung des Feierabendhauses ausräumen, um den Saal anders nutzen zu können. Wir schauen, was sich bewährt, und das wollen wir in den kommenden Jahren intensivieren. Interview: Frank Pommer

Karin Heyl verantwortet das soziale Engagement der BASF, zu dem auch die Kultur gehört.
Karin Heyl verantwortet das soziale Engagement der BASF, zu dem auch die Kultur gehört.
Thomas Bufler entwirft das Konzertprogramm.
Thomas Bufler entwirft das Konzertprogramm.
x