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Museen & Galerien

Dante mit Mondrian: Thomas Scheibitz in Ludwigshafen

Von Kai Scharffenberger

Kryptisch: „Paolo entkleidet Francesca in offener Gegend“, 2017.

Kryptisch: „Paolo entkleidet Francesca in offener Gegend“, 2017. (Fotos: VG Bild-Kunst)

Suprematismus trifft Surrealismus: „Auge“.

Suprematismus trifft Surrealismus: „Auge“. (Fotos: VG Bild-Kunst)

Was sehen wir? Oben Farbflächen à la Mondrian.

Im Mittelfeld eine zinnenbekrönte Mauer, außerdem ein nacktes Comic-Bein, das eine ungegenständliche, sich rauchartig auflösende Partie abgrenzt von einer Orange-Wand, auf der gestaffelte Rechtecke eine Eingangssituation simulieren. Das Ganze ist umgeben von Farbflächen, die eine Zentralperspektive andeuten; der türkisfarbene Balken am unteren Rand vertieft sich dezent zum potenziellen Wasserbecken.

 

Dass wir hier eventuell eine Landschaft vor uns haben, darauf weist auch der Bildtitel hin: „Paolo entkleidet Francesca in offener Gegend“. Der literarisch Gebildete frohlockt kurzfristig ob dieses Verweises auf Dante, nur um schnell zu kapieren, dass ihn diese Fährte auch nicht weiter bringt: Von tragisch endender Liebe findet sich keine Spur in Thomas Scheibitz’ kryptischem Gemälde. Zumindest keine dechiffrierbare. Trotz Literaturzitat und gegenständlicher Teile lassen sich die Bildelemente nicht zum inhaltlichen Ganzen runden, der Sinn der Komposition bleibt offen.

 

Dass er die Erwartungshaltung des Betrachters erst schürt und dann unterläuft, ist typisch für Scheibitz, dem das Hack-Museum in Ludwigshafen aktuell eine große Überblicksschau widmet. Oft gleichen seine gemalten Arrangements Bühnen, auf denen der 1968 geborene Künstler wilde Versammlungen von Buchstaben, Objekten, geometrischen Formen und informeller Kalligraphie veranstaltet. Restlos aufdröseln lässt sich dieses rätselhafte, dabei poppig bunte Theater der Dinge und Chiffren, das Scheibitz in Ludwigshafen auch plastisch, als Schaulager und Ateliersituation, inszeniert, eigentlich nie. Darin ähneln Scheibitz’ Bilder der „Pittura metafisica“ eines Giorgio de Chirico.

 

Kunsthistorische Anknüpfungspunkte macht auch das Extrakt erkennbar, das Scheibitz aus der Sammlung des Museums filterte und das als Teil der Dauerausstellung im Obergeschoss gezeigt wird. Neben Erwartbarem wie Piet Mondrians „Komposition mit Rot, Gelb und Blau“ von 1928 findet sich hier auch eine „Astrale Komposition“ Wilhelm Morgners. Die abstrakten Farbvibrationen des Expressionisten scheinen auf Scheibitz’ 2017 gemaltes Tableau „OSO“ eingewirkt zu haben, das auf einer Länge von viereinhalb Metern pflanzenartige Formen und geschmeidig fließende Farbauren mit konstruktivistischem Tohuwabuho konfrontiert. Waren Scheibitz’ Architekturlandschaften der 1990er-Jahre noch der neuen Figuration im Stil der Leipziger Schule verpflichtet, pflegt er mittlerweile eine reine Malerei, die er aus einem spezifischen Inventar an Zeichen und Formen unterschiedlicher Abstraktionsgrade entwickelt. Das also ist es, was wir sehen: Ein freies Spiel mit malerischen Möglichkeiten, das voller Anspielungen auf die Moderne steckt.


Info

Thomas Scheibitz: Masterplan\kino – bis 12.8., Ludwigshafen, Wilhelm-Hack-Museum, Berliner Straße 23, geöffnet: Di, Mi, Fr 11-18 Uhr, Do 11-20 Uhr, Sa, So 10-18 Uhr; www.wilhelmhack.museum.

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