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Samstag, 30. Januar 2016 Drucken

Berufe mit Zukunft

Viel mehr als nur Kartenzeichnen

Berufe mit Zukunft: Geomatiker arbeiten mit der Landschaft und müssen Informationstechnologien beherrschen

Von Volker Endres

 

Findet den Beruf spannend: Jan Speiser, hier mit Ausbildungsleiterin Ute Schlafmann. ( Foto: KUNZ)

Die Auswahl an Ausbildungsberufen – auch in der Pfalz – ist sehr groß. Die Serie Berufe mit Zukunft gibt einmal pro Monat Einblicke in einige dieser Berufsbilder: Auszubildende berichten dabei aus der täglichen Praxis. Im Vordergrund stehen relativ neue Berufsbilder, solche, deren Tätigkeitsfeld und Name mehrfach geändert wurden, sowie eher außergewöhnliche Berufe.

 

Jan Speiser ist einer der ersten seiner Art. Der 27-Jährige aus Bingen lernt bei der Stadtverwaltung Ludwigshafen den Beruf des Geomatikers – einen Beruf, den es erst seit 2010 gibt, und der die traditionelle Ausbildung zum Kartographen abgelöst hat. Speiser ging außerdem nicht den üblichen Weg. „Ich habe vorher Geografie studiert und mit dem Bachelor abgeschlossen. Aber das Studium ist sehr theoretisch und ich wollte eher in den praktischen Teil.“ Deshalb begann er nach dem Studium die Ausbildung in seinem Traumberuf. Dort ist er nun, im zweiten Ausbildungsjahr, angekommen.

„Dafür bin ich auch gerne nach Ludwigshafen gekommen“, verrät der Bingener. Immerhin sind Ausbildungsstellen in dem noch jungen Berufsbild bundesweit nicht all zu dicht gesät. „Aber es werden mehr“, versichert seine Ausbildungsleiterin Ute Schlafmann von der Ludwigshafener Stadtverwaltung. „Ich habe mich auf etwa 20 Stellenausschreibungen in der öffentlichen Verwaltung beworben“, ergänzte Speiser. Immerhin 25 Ausbildungsbetriebe, darunter aber auch sechs Ingenieurs- und Vermessungsbüros, zwölf Vermessungs- und Katasterämter sowie drei Stadtverwaltungen, gibt es alleine in Rheinland-Pfalz. „Man muss für diesen Beruf schon ein bisschen flexibel sein.“ Umso glücklicher ist er, dass es in Ludwigshafen und damit in Rheinland-Pfalz geklappt hat, denn die Berufsschule für die Fachklassen ist in Koblenz. „Das kommt mir dann wieder entgegen“, lacht der 27-jährige. Dabei sei alleine am Berufsschulstandort mit seiner aktuell 15-köpfigen Fachklasse die Entwicklung des Ausbildungsberufes erkennbar, sagt Ausbildungsleiterin Schlafmann. „Bis 2010 war die Berufsschule für angehende Kartographen aus Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz in Stuttgart.“

Geomatiker arbeiten mit der Landschaft. „Kurz gesagt verwalten, verarbeiten und veranschaulichen sie Geodaten, also Daten mit Raumbezug“, versucht Schlafmann eine Eingrenzung. Denn: „Wir machen viel mehr, als nur Karten zu zeichnen.“ So ersetze der neue Beruf seinen Vorgänger nicht, sondern er erweitert ihn. Die Technologie spielt eine wesentlich größere Rolle. „Es geht um das Management aller bekannten Geodaten. Es geht um das Beherrschen der modernen Informations- und Kommunikationstechnologien.“ Denn es gehe darum, die Vielzahl der vorhandenen Daten zu filtern und kundenorientiert aufzubereiten, zu bewerten und zu beurteilen. Mathematische Grundlagen spielen deshalb, wie in allen Berufen der Informationstechnologie, eine ebenso große Rolle, wie die naturwissenschaftlichen Grundlagen. Außerdem ist der Geomatiker immer nur so stark, wie seine Informationen. „Es ist also ein genauso teamorientiertes, wie qualitätsorientiertes arbeiten.“

Das weiß auch Jan Speiser. „Im ersten Jahr spielt die Datenerfassung eine große Rolle.“ Da ähnelt seine Ausbildung noch sehr der des Vermessungstechnikers, der mit Peilgeräten in der Landschaft steht. Das machen auch Geomatiker. „Je nach der Ausbildungsstelle. In Vermessungsbüros wäre ich wahrscheinlich eher im Freien unterwegs. Aber ich habe mich gezielt um eine Stelle bei der öffentlichen Verwaltung beworben.“

Sein Haupthandwerkszeug ist der Computer und die zugehörigen Geoinformationssysteme (GIS). „Es ist spannend, wenn man etwa untersucht, ob sich Standorte für verschiedene Nutzungen, zum Beispiel einen Windpark, eignen“, sagt er. Auch die Navigationsführungen für Verkehrsteilnehmer basieren auf den Auskünften von Geomatikern und durch europäische Richtlinien werden sich neue Tätigkeitsfelder zur Umweltüberwachung, zur Nahrungsmittelüberwachung oder zur CO2-Senkung ergeben. Aber natürlich muss Jan Speiser auch Karten erstellen. „Es ist ein kreativer Beruf“, erklärt Ausbilderin Schlafmann. „Man benötigt ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen.“ Und natürlich das Wissen über Abstände, Farbgebungen und gestalterische Grundlagen. Flussverläufe in grün und Felder in blau würden den Kartennutzer eher irritieren, sowohl auf der Karte auf Papier, als auch in der elektronischen Form.

Info:

Viele Infos, Links und Videos zu Ausbildungsberufen gibt es auf der Seite Planet-beruf.de. Die Beiträge der Serie sind auch online unter Die Rheinpfalz.de/berufsbilder zu finden.

 

 

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