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Samstag, 27. August 2016 Drucken

Berufe mit Zukunft

Kombiniertes Wissen gefragt

Berufe mit Zukunft: Produktionstechnologen lösen Probleme und optimieren Vorgänge in Industrieunternehmen

Von Volker Endres

 

Ist von der Vielseitigkeit des Berufes begeistert: Massi Rahmani, der bei Roche seine Ausbildung absolviert. ( Foto: KUNZ)

Die Auswahl an Ausbildungsberufen – auch in der Pfalz – ist sehr groß. Die Serie Berufe mit Zukunft gibt alle zwei Monate Einblicke in einige dieser Berufsbilder: Auszubildende berichten dabei aus der täglichen Praxis. Im Vordergrund stehen relativ neue Berufsbilder, solche, deren Tätigkeitsfeld und Name mehrfach geändert wurden, sowie eher außergewöhnliche Berufe.

 

Die IHK Pfalz bietet 349 Ausbildungsberufe an. Der Produktionstechnologe ist noch nicht dabei. Schade, findet der 27-jährige Massi Rahmani. Der gebürtige Afghane ist mittlerweile in Heidelberg zuhause und lernt bereits im zweiten Lehrjahr bei Roche Diagnostics in Mannheim alles, was er für dieses komplexe Berufsbild benötigt. „Wir haben von Anfang an den kompletten Produktionsprozess im Überblick und müssen in alle Richtungen denken“, erläutert er und nennt ein Beispiel für den Gesamtzusammenhang: „Wenn bei einer Maschine eine Sicherung herausfliegt, dann kommt der Elektriker und wechselt die Sicherung. Der Produktionstechnologe muss sich fragen, warum die Sicherung herausgeflogen ist und wo die Schwachstellen im Prozess sind.“

Diese Vielseitigkeit habe ihn von Anfang an begeistert, nachdem das zunächst begonnene Studium des Facilitymanagements in Berlin noch nicht nach seinem Geschmack war. „Ich wollte eher in den Bereich Elektronik, habe mich im Internet umgeschaut und bin dabei auf den Produktionstechnologen gestoßen. Das habe ich mir genauer angesehen und gemerkt, dass es genau die vielseitige Richtung ist, in die ich wollte.“

„Es geht um Materialfluss, Qualitätssicherung und kombiniertes Wissen aus völlig unterschiedlichen Bereichen“, ergänzt der Ausbildungsbeauftragte Werner Bauer. „Die Aufgabe der Produktionstechnologen besteht immer darin, Probleme zu lösen und Vorgänge zu optimieren.“ Deshalb lernen die Auszubildenden im Lauf der drei Jahre auch alle Abteilungen – von der Produktentwicklung bis zur Verpackung und Lagerung von Therapeutika und Diagnostika, kennen. Und dann sind auch noch kommunikative Fähigkeiten gefordert, denn es kommt darauf an, die gefundenen Verbesserungspotentiale in den jeweiligen Abteilungen gegenüber alteingesessenen Kollegen zu vertreten. Nicht immer ganz einfach. „Der Produktionstechnologe muss die Leute verstehen und er muss die richtigen Fragen stellen“, sagt Bauer, der manchmal selbst über das große Engagement seiner aktuell acht Auszubildenden in diesem Berufsbild beim Pharmaunternehmen staunt. „Die gesamte Ausbildung ist so vielfältig, dass dafür eine dreijährige Lehrzeit eigentlich gar nicht ausreicht.“

Seit 2010, zwei Jahre nach der Einführung des neuen Berufsbildes, bietet Roche Diagnostics das neue Berufsbild an. „Und wir dehnen das gerade auf alle unsere Standorte aus“, ergänzte Ausbilderin Claudia Odermatt. Wie groß das Interesse am noch immer recht neuen Beruf ist, weiß noch nicht einmal sie selbst zu sagen. „Das liegt an unserem Online-Bewerbungssystem. Wir öffnen eine Stelle und schließen sie wieder, wenn wir geeignete Bewerber dafür gefunden haben. Wir wissen also nicht, wie viele sich noch darauf beworben hätten“, sagt sie.

Dabei sei die Online-Bewerbung nur die erste Schwelle. Spätestens im persönlichen Gespräch stelle er fest, ob ein Bewerber für die anspruchsvolle Ausbildung geeignet sei, sagt Bauer. „Es kommt darauf an, dass die Leute engagiert und neugierig sind“, zählt er zwei wichtige Eigenschaften auf. Ein übergreifendes Systemdenken und der Blick für logische Zusammenhänge seien ebenfalls Grundvoraussetzungen. Gute Schulnoten in Naturwissenschaft und technischen Schulfächern seien zumindest ein Fingerzeig für die Eignung. „Und man benötigt die englische Sprache, weil wir ein internationaler Konzern sind“, zählt er weiter auf.

Massi Rahmani bereut seine Entscheidung bisher nicht. „Der Beruf ist genauso, wie ich ihn mir vorgestellt habe“, strahlt er. Wenn überhaupt, dann sei er höchstens noch Abwechslungsreicher, als erwartet. „Ich hätte nie gedacht, wie viel technischer Support hinter einem Produktionsprozess steht.“ Zumal die Vielseitigkeit nach der Ausbildung noch lange nicht endet. „Es stehen einem viele Möglichkeiten der Weiterbildung offen.“ Als Prozessmanager oder gar Prozessexperte geht dabei genauso ein Weg, wie in Richtung Techniker oder gar Ingenieur. „Ich weiß selbst noch nicht, wie es nach der Ausbildung weitergeht. Ich lasse mir erst einmal alles offen“, sagt er. Für seinen Traumberuf nahm er auch den einzigen kleinen Wermutstropfen in Kauf, denn die Berufsschule ist im württembergischen Aalen, wohin die Roche-Auszubildenden im Blockunterricht lernen und in einer Unterkunft wohnen. „Es gibt zwar auch eine Berufsschule in Mannheim, aber Aalen ist führend, weil die Schule dort besser ausgestattet ist“, sagt Claudia Odermatt.

Info:

Viele Infos, Links und Videos zu Ausbildungsberufen gibt es auf der Seite Planet-beruf.de Die Beiträge der Serie sind auch online unter. Die Rheinpfalz.de/berufsbilder zu finden.

 

 

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