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Samstag, 30. Mai 2015 Drucken

Landau: Kultur Regional

Pianistische Brillanz in Reinkultur

Frühjahrskonzerte in der Martinskirche in Leinsweiler mit der in Litauen geborenen Gryta Tatoryte und dem Japaner Naru Wakamatsu

Zwei hochtalentierte Pianisten eröffneten die zweiwöchige Konzertreihe der schon zur Tradition gewordenen Frühjahrskonzerte in der Martinskirche in Leinsweiler: Die in Litauen geborene Gryta Tatoryte und der aus Japan stammende Naru Wakamatsu. Beide sind Preisträger international beachteter Wettbewerbe und Schüler aus der Meisterklasse von Peter Eicher (Professor an der Hochschule für Musik, Karlsruhe), der dem Konzert beiwohnte.

 

Gryta Tatoryte und Naru Wakamatsu spielten in Leinsweiler ausschließlich Werke von Chopin und ließen mit ihren exzellenten Darbietungen in dem fast voll besetzten schlichten Innenraum der kleinen Wehrkirche die Zuhörer spüren, was in den Pariser Salons einst die Damen der Gesellschaft bezaubert hatte. Dazu machten es sich die Pianisten nicht gerade leicht, denn im Mittelpunkt stand „schwere Kost“: die Sonaten Nr. 2 und 3, die zu den „größten Dramen“ der Klaviermusik gerechnet werden.

Doch der Mut der jungen Interpreten hatte sich gelohnt. Sie zeigten sich, wenn auch auf unterschiedliche Weise, als feinsinnige Gestalter, die nachhaltig Virtuosität mit Noblesse verbinden und jeden Ton zu schätzen wissen, ihm Farbe, Glanz und Kontur verleihen. So erhielten ihre Wiedergaben einen individuellen, ganz persönlichen Stil, der überzeugte und auch den geistigen Kosmos hinter den Noten aufleuchten ließ.

Die 26-jährige Gryta Tatoryte ist in der Südpfalz keine Unbekannte. Sie wurde vor einem Jahr beim Eröffnungskonzert des Palatinischen Frühlings in Bad Bergzabern bei einem Duoabend und beim Benefizkonzert des Zonta-Clubs Landau-Südpfalz bei einem Klavierabend in der Villa Ludwigshöhe mit Beifallsstürmen bedacht. Deshalb war man gespannt auf ihre Darbietung der Sonate Nr. 2 b-Moll op. 35. Und gleich vorweg: man war begeistert.

Schon zu Beginn des ersten Satzes faszinierten der energische, doch nicht übertrieben vorgenommene Zugriff der Grave-Introduktion, die im weiteren Verlauf des Satzes mit kluger Überlegung geformten Spannungsbögen und die Verbindung von stürmischem Jagen, herrlichem „Gesang“ und heroischem Pathos. Exakt ausgeformt war das episch-balladeske Scherzo mit dem klangbetonten Trio, während der Trauermarsch durch die sensibel geformten dynamischen Kontraste und den von Wehmut durchdrungenen Mittelteil höchst ausdruckvolle Züge erhielt. Pianistische Brillanz in Reinkultur präsentierte Gryta Tatoryte im Finalsatz und in den Etüden c-Moll op. 10 Nr. 12 („Revolutions-Etüde“) und F-Dur op. 10 Nr. 8, bei deren Wiedergabe ihre Finger virtuos auf den Tasten tanzten.

Von ganz anderer Art war das Spiel des 1984 geborenen Naru Wakamatsu. „Sein“ Chopin war durchweg geprägt von Attributen, die man bei Chopin-Interpreten selten in diesem Ausmaß findet: Besonnenheit, Grazie und zurückhaltende Melancholie. Das gab den lyrischen Passagen der Werke betörenden Charme und den virtuosen Teilen stilvolle Eleganz.

Vermisste man bei dieser Lesart gelegentlich auch einige Spannungsmomente wie bisweilen in der Polonaise, so verband Wakamatsu perfekte Technik und brillantes Spiel eindrucksvoll mit üppigem und elegischem Klang. Das Scherzo wirkte durch seine kontrastreiche Dynamik, das Largo durch seinen Nocturne-Charakter. Zu einem mitreißenden Kunststück wurde das Finale.

Nach dem enthusiastischen Beifall gab der Pianist noch ein Impromptu als Zugabe. (wgm)