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Dienstag, 19. Januar 2016 Drucken

FCK

Leitartikel: Der komplette Neuanfang

Von Horst Konzok

Es ist kein Abschied nach Maß: FCK-Vorstandsvorsitzender Stefan Kuntz

wollte erst nach dem Wiederaufstieg in die Bundesliga vom Berg gehen.

Die Berufung eines neuen Vorstands birgt Chance und Risiko für den Verein. „Richtungsweisende Entscheidungen sind mit der Besetzung von drei Schlüsselpositionen zu treffen.“

 

Es ist das Ende einer Ära: Stefan Kuntz, der 1995 als Mannschaftskapitän eines stolzen Erstligisten von Bord ging, 2008 als Vorstandsvorsitzender das Ruder eines leckgeschlagenen Vereinsschiffs in schwerer See übernahm, verlässt den Verein im Sommer. Kuntz, dessen bis 31. Dezember 2017 laufender Vertrag zum 30. Juni 2016 aufgelöst wird, und der Verein trennen sich, weil der Vorstandschef und der Aufsichtsrat nicht mehr auf einer Welle funken. Der plötzliche Sinneswandel erstaunt, denn der fünfköpfige Aufsichtsrat sieht nach dem Rücktritt des langjährigen Vorsitzenden Dieter Rombach mit Nachrücker Jürgen Kind ja nur ein neues Gesicht. Die Mitglieder des Kontrollgremiums, von der Schelte bei der Mitgliederversammlung und dem Vorwurf, nur Abnicker zu sein, beeindruckt, sind dabei, sich unter Führung von Nikolai Riesenkampff und Mathias Abel neu auszurichten. Das Gremium, das im Sommer eine Ablöse von 800.000 Euro für den Durchschnittsspieler Patrick Ziegler absegnete, ließ nun einen Wunschtransfer des Trainers für einen ablösefreien Profi platzen. Ein Signal, das Kuntz richtig interpretierte. Der Anfang vom Ende.

Riesenkampff streute gestern wohl auch Blumen für Kuntz, dankte ihm für seinen „unheimlichen Arbeitseinsatz“, bestätigte auch dessen Einschätzung, der Verein sei professionell gut aufgestellt und organisiert. Nach der Aufarbeitung der Jahreshauptversammlung, der schlechten Stimmung im Umfeld, aber sehen die Kontrolleure offenbar in einem kompletten Neuanfang die einzige Chance, den Traum von der Bundesliga zu realisieren.

Kuntz wirkte zuletzt angesichts mancher Stimmungsmache, auch böswillig gestreuten Gerüchten, mitunter zermürbt. Er sah seine Arbeit von vielen nicht entsprechend gewürdigt, er wurde auf Nebenkriegsschauplätzen zerschlissen.

Stefan Kuntz trat am 8. April 2008 sein Amt an, der FCK stand mit eineinhalb Beinen in der Dritten Liga, schien finanziell vor dem Kollaps. Am 18. Mai 2008 wurden Kuntz und Trainer Milan Sasic als Retter gefeiert. Zwei Jahre später stieg der FCK in die Bundesliga auf, wurde sensationell Siebter. Kuntz und Trainer Kurz wurden als Heilsbringer gefeiert. „Der Ausflug in die Bundesliga“, wie das Kuntz gestern bilanzierte, endete 2012 mit dem jämmerlichen Abstieg, den vor allem Kuntz zu verantworten hatte. Mit seiner verfehlten Einkaufspolitik lotste er den FCK ins Verderben. Der dreimal knapp verpasste Aufstieg erwies sich als Hypothek für die FCK-Ikone, die glorreiche Kapitel der Vereinsgeschichte mitschrieb, den Verein 2008 vor dem Untergang bewahren half. Dass der FCK in den letzten zwei Jahren leichte Gewinne verbuchte, dass die modifizierte Stadionmiete von der EG gebilligt wurde, dass der Ausbau des Nachwuchsleistungszentrums vorangetrieben wird, dass die Talentförderung forciert wird, ist Kuntz zu verdanken. Er ist das Gesicht des Vereins, er ist ein guter Markenbotschafter. An die Spitze seines Vereins zu treten, war ihm wert, auf einen Bundesligakontrakt zu verzichten. Dass ihm der FCK am Herzen liegt, bestätigte ihm auch Aufsichtsratschef Riesenkampff mit Hinweis auf die finanziellen Trennungsmodalitäten. Die Vereinsführung nun komplett neu aufzustellen, beinhaltet Chance und Risiko. Der Aufsichtsrat hat richtungsweisende Entscheidungen mit der Besetzung von drei Schlüsselpositionen zu treffen. Trainer Konrad Fünfstück braucht in dieser Umbruchphase Rückenstärkung, zumal auch offene Vertragsfragen mit Profis wie Jenssen, Karl und Löwe zu klären sind.