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Samstag, 24. Februar 2018 Drucken

Olympia-Tagebuch

Im Deutschen Haus geht’s rund

Olympia-Tagebuch: In den meisten Nächten wird bis früh morgens gefeiert

Von

Elisabeth Schlammerl

Es hat sich längst herumgesprochen, dass die Deutschen jetzt auch richtig gut feiern können. Oben am Birch Hill Golf Club ist fast jeden Tag die Hölle los. Nicht nur deutsche Medaillengewinner lassen es im Deutschen Haus so richtig krachen – sie bringen manchmal gleich auch noch die Konkurrenz mit.

Die norwegischen Skispringer haben der deutschen Mannschaft um Andreas Wellinger im Team-Wettbewerb nicht nur die Goldmedaille weggeschnappt, sondern ihnen später auch noch im Deutschen Haus die Show gestohlen, als sie auf den Tischen tanzten und die Bühne rockten. Die Angestellten in der schwarz-rot-goldenen Dependance sind nach zwei Wochen Olympia reif für eine Schlafkur, weil die Arbeitstage oft erst am frühen Morgen enden.

Das Deutsche Haus liegt als Party-Location vielleicht etwas weit ab vom Schuss, aber da sind sie in guter Gesellschaft. Die Österreicher haben ihre Olympia-Dependance an einer Straßenkreuzung in Alpensia aufgebaut, die Italiener gegenüber und den Hügel hinauf. Die Tschechen haben ihr Haus unten in Gangneung, dort, wo die Eissportarten stattfinden. Dumm nur, dass das erste und bis Freitag einzige Gold für Tschechien von einer Schneesportlerin gewonnen wurde. Ester Ledecka hatte nach ihrem Sieg im Super-G aber erst einmal keine Zeit für einen kurzen Ausflug runter in die Stadt.

Die Russen haben sich in der Nähe des Strandes und damit auch nicht unbedingt zentral niedergelassen. Weil sie ein offizielles Nationenhaus wegen des Olympia-Ausschlusses nicht betreiben dürfen, haben sie es kurzerhand „Sports House“ genannt. Statt einer russischen Fahne gibt es am Eingang ein Plakat mit einer gezeichneten Bäuerin, die man von der Matroschka-Schachtelpuppe kennt. Laute russische Musik dringt auf die Straße. Innen schwelgen sie in Erinnerungen, vor allem an gute Olympia-Zeiten, mit Bildern ehemaliger Olympioniken, aber auch Startern bei diesen Winterspielen wie dem Slalomfahrer Alexander Choroschilow. Es gibt Tee aus dem Samowar, eine in Seoul lebende Moskauerin verteilt russisches Gebäck, und man kann sich mit Eishockey-Größen vergangener UdSSR-Tage aus Pappmaché fotografieren lassen. Alles ist in Rot gehalten, und an den Wänden prangt der Slogan „Russia in my Heart“, Russland in meinem Herzen.

Gestern herrschte im „Sports House“ bereits mittags Hochbetrieb. Auf dem großen Bildschirm lief die Übertragung der Entscheidung im Eiskunstlauf der Frauen, und die Sitzsäcke davor waren alle belegt mit Russen – in Erwartung der ersten Goldmedaille bei diesen Spielen für „OAR“, das für „Olympische Athleten Russlands“ steht. Zum ersten Mal kommt Jubel auf, als Maria Sotskowa aufs Eis geht. Der russische Fernseh-Reporter ruft „Bravo, Bravo“ nach dem ersten Sprung. Sie wird Achte. Am Ende liegen zwei Russinnen vorne: Die erst 15 Jahre alte Alina Sagitowa gewinnt vor Jewgenija Medwedjewa. Und die Party im Russen-Haus beginnt.

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