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Sonntag, 05. August 2018 Drucken

Sport

Frischer Nordwind

In Wolfsburg war Jan-Axel Alavaara (links) als Spieler „Untergebener“ des Trainers Pavel Gross, jetzt ist er als Sportmanager der Adler quasi sein Chef – für den sich Gross persönlich bei Klubboss Daniel Hopp starkgemacht hat.

In Wolfsburg war Jan-Axel Alavaara (links) als Spieler „Untergebener“ des Trainers Pavel Gross, jetzt ist er als Sportmanager der Adler quasi sein Chef – für den sich Gross persönlich bei Klubboss Daniel Hopp starkgemacht hat. ( Foto: Kunz)

Als Profi der Grizzlys Wolfsburg hat Alavaara natürlich auch oft gegen die Mannheimer gespielt – hier in der Saison 2008/2009 gegen den jetzigen Adler-Kapitän Marcus Kink (rechts).

Als Profi der Grizzlys Wolfsburg hat Alavaara natürlich auch oft gegen die Mannheimer gespielt – hier in der Saison 2008/2009 gegen den jetzigen Adler-Kapitän Marcus Kink (rechts). ( Foto: Kunz)

Der Schwede Jan-Axel Alavaara steht als neuer Sportmanager der Adler Mannheim für

die komplette Umorientierung des siebenmaligen deutschen Eishockey-Meisters.

Der ehemalige Verteidiger setzt auch auf sein großes Netzwerk. Von Oliver Wehner

Als die Adler Anfang des Jahres in Person von Klubchef Daniel Hopp bei Jan-Axel Alavaara anriefen und ihm das nicht nur für ihn überraschende Angebot machten, künftig als Sportmanager für sie zu arbeiten, da war der Umworbene erst mal baff. Und zwar dermaßen, dass der erste Impuls, selbstverständlich und sofort „ja“ zu dieser außergewöhnlichen Offerte zu sagen, von Zweifeln eingebremst wurde. Es bedurfte des Zuspruchs der Familie, von Kollegen, Weggefährten, Freunden. „Alle, die ich fragte, haben mir gesagt: Du hast selbst gespielt. Du warst in Deutschland. Du warst Trainer. Du hast Netzwerke“, erzählt Alavaara (43). Anders gesagt: Es gab eigentlich keinen Grund, „nein“ zu sagen, sich diese gewaltige Aufgabe – gerade für einen Berufsanfänger im Management – nicht zuzutrauen. Und dann waren da ja noch zwei bedeutende Argumente. „Die Möglichkeit, mit Pavel und Mike im selben Klub zu arbeiten, konnte ich nicht ablehnen“, sagt Alavaara. „Der Faktor Gross ist groß“, bemüht Daniel Hopp nicht nur in dieser Hinsicht ein Wortspiel. Unter Pavel Gross und Mike Pellegrims, damals schon gemeinsam als Coaches hinter der Bande, war Alavaara Spieler bei den Grizzlys Wolfsburg. Drei Jahre lang, von 2008 bis 2011, überzeugte der Schwede als Offensiv-Verteidiger. Der typische Charakterspieler, bei dem sich Mentalität und Talent paarten. Genau auf diese Tugenden schaute Alavaara nun auch bei der Verpflichtung neuer Spieler für die Adler. Denn obwohl er erst am 1. Juli offiziell sein Amt aufnahm, weil er bis dahin noch als Europa-Scout der Buffalo Sabres aus der NHL unter Vertrag stand, war er schon vorher in die vielen Transferaktivitäten der Mannheimer involviert. Klar, dass der Skandinavien-Experte gerade bei der – für den traditionell nordamerikanisch geprägten Klub ungewöhnlichen – Verpflichtung der beiden Finnen Joonas Lehtivuori und Tommi Huhtala seine guten Kontakte spielen ließ.

Die Adler wollen eben ganz neue Wege gehen. Daniel Hopp wird nicht müde, dies zu betonen und den „größten Umbruch in der Klubgeschichte“ zu beschwören. Auch der Schwede Alavaara bringt frischen (Nord-)Wind in die Büros der SAP-Arena, was einerseits selbstverständlich ist, wenn ein neuer Sportmanager kommt, sich andererseits aber auch in so manch scheinbar nebensächlicher Aussage manifestiert. So wird alle Jahre wieder im Sommer nach Rückkehr der Profis aus dem Urlaub nach den Werten gefragt, die die obligatorischen Fitnesstests zu Tage förderten. Alles gut, alle haben an sich gearbeitet, hieß es da stets sinngemäß lapidar-unverbindlich. Alavaara beantwortete die Frage zuletzt spitzfindig und ließ so Raum für Interpretationen: „Die Werte sind okay. Es gibt keine schlechten Werte, aber es ist noch Luft nach oben. Wir wissen, wie wir das hinkriegen für eine Saison, in der wir für unser System sehr viel laufen müssen.“

Klingt nach viel schweißtreibender Arbeit für die Cracks in der sechswöchigen Saisonvorbereitung. Und Alavaara geht mit gutem Beispiel voran. Nach längerer Deutschland-Abstinenz mit einem Co-Trainer-Intermezzo bei MoDo Hockey Örnsköldsvik bestritt der Schwede aus Kiruna, der nördlichsten Stadt seines Heimatlandes, seine erste Mannheimer Pressekonferenz am 2. Juli noch auf Englisch. Diese Woche nun sprach der Nachfolger des im Dezember 2017 entlassenen Teal Fowler Deutsch, eigentlich perfekt. „Nein, nicht perfekt“, wehrt er sich gegen das Kompliment sofort, „aber ich lese viel, arbeite an mir, das ist ja mein Job“. Einer, den er trotz aller Arbeitsintensität in dieser besonderen Phase der Neuorientierung des Klubs in einer Hinsicht als „Luxus“ empfindet: „Die letzten zwei Jahre war ich als Scout viel unterwegs und weg, ich habe pro Jahr 250 Spiele gesehen. Ich war neun von zehn Tagen allein. Jetzt habe ich gute Leute um mich herum, mit denen ich im Team arbeite.“ Und familienfreundlich ist es für den verheirateten Vater zweier Töchter im Teenageralter obendrein: „Abends essen wir miteinander“, sagt er und wiederholt es gern: „Das ist Luxus.“