Mainz
Spitzenwerte in der Pfalz bei Krankmeldungen wegen Psyche
„Der Corona-Alltag hat viele Beschäftigte körperlich und seelisch an ihre Grenzen gebracht“, sagt Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Rheinland-Pfalz und im Saarland zu den Ergebnissen. Die Krankenkasse hat in ihrer Untersuchung die Arbeitsunfähigkeitsmeldungen von 196.000 bei ihr versicherten Erwerbspersonen mit Wohnsitz in Rheinland-Pfalz anonymisiert ausgewertet.
Mit 23 Prozent entfielen die meisten Fehlzeiten in Rheinland-Pfalz 2020 demnach auf das Konto von Muskel-Skelett-Erkrankungen, die ebenfalls einen Höchststand erreichten. Es folgten psychische Leiden mit 20,2 Prozent.
Mehr Ausfallzeiten wegen Muskel-Skelett-Erkrankungen
Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems sorgten im Land 2020 für 4,2 Arbeitsunfähigkeitstage je Erwerbsperson (2019: 4,1 Tage). Die häufigste Diagnose lautete dabei „Rückenschmerzen“. Die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage infolge von Problemen mit dem Muskel-Skelett-System ist den Studienergebnissen zufolge in den vergangenen zehn Jahren regelmäßig gestiegen und lag im Vorjahr rund 27 Prozent über dem Wert des Jahres 2010 (3,3 Tage).
Trotz höherer Ausfallzeiten wegen Muskel-Skelett-Erkrankungen ist die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage über alle Krankheiten hinweg gesunken, wie die Barmer-Studie zeigt. 2020 gab es 18,3 Arbeitsunfähigkeitstage je Beschäftigten in Rheinland-Pfalz, 2019 waren es 18,5 Tage. Für Barmer-Landesgeschäftsführerin Kleis ist das kein Widerspruch: „In der Corona-Pandemie war das Training im Verein oder Fitnessstudio kaum möglich. Bewegungsmangel fördert Rückenschmerzen und könnte zum Höchststand bei den Fehlzeiten wegen Problemen am Muskel-Skelett-System beigetragen haben.“
„Viele Beschäftigte durch Homeoffice isoliert“
Wegen psychischer Leiden wie Depressionen fehlte im vergangenen Jahr jeder Beschäftigte aus Rheinland-Pfalz rechnerisch 3,7 Arbeitstage bei der Arbeit (2019: 3,6 Tage). Das entspricht einer Zunahme von 54,2 Prozent gegenüber dem Jahr 2010 (2,4 Tage). Unter den Landkreisen und kreisfreien Städten zeigt der Landkreis Südwestpfalz mit 6,0 Arbeitsunfähigkeitstagen infolge seelischer Erkrankungen den bundesweit höchsten Wert. Der Landkreis Kusel (5,3 Tage) landet auf Platz fünf im bundesweiten Vergleich. Zu den Ursachen dieser Unterschiede machte die Barmer-Studie keine Angaben.
„Corona hat viele Beschäftigte durch Kurzarbeit und Homeoffice isoliert und psychisch belastet. Die Zahl der Fehltage im Job wegen seelischer Leiden wächst aber auch ohne Corona seit Jahren“, erläutert Kleis. Damit zeigen die Ergebnisse aber auch, dass Corona zwar für eine Zunahmen seelischer Leiden unter Arbeitnehmern gesorgt haben dürfte, dass die Folgen der Pandemie einen langjährigen Trend aber lediglich verstärkt haben dürften.