GPS RHEINPFALZ Plus Artikel Privatleute nutzen, was einst nur dem Militär dienen sollte

 GPS spielt zunehmend auch in der Landwirtschaft eine Rolle. Damit können Traktoren auf abschüssigen Feldern auf Kurs gehalten w
GPS spielt zunehmend auch in der Landwirtschaft eine Rolle. Damit können Traktoren auf abschüssigen Feldern auf Kurs gehalten werden. Geräte und die Software dazu erforscht und entwickelt der US-Landmaschinenkonzern John Deere an seinem Europa-Entwicklungszentrum in Kaiserslautern.

Ob im Auto, beim Joggen oder Wandern: In nur zweieinhalb Jahrzehnten hat sich das einst für das US-Militär konzipierte GPS zur Alltagstechnik ungezählter privater Nutzer entwickelt. Am 17. Juli 1995 ging das Navigationssystem offiziell in Betrieb.

Früher hatte jeder Autofahrer eine Straßenkarte neben sich, heute vertrauen fast alle ihrem „Navi“ oder Smartphone mit GPS-Empfang. Dass die Lautsprecher-Stimme den Fahrzeuglenker „in hundert Metern nach links“ beordert, beruht auf Satelliten, die GPS-Signale an die Empfangsgeräte senden. Aus den Signallaufzeiten wird die Position des Fahrzeugs auf wenige Meter genau ermittelt. Der praktischen Anwendung des „Global Positioning Systems“ (GPS, auf Deutsch: Globales Positionsbestimmungssystem) scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein.

Dabei geht es längst um mehr als die örtliche Orientierung: Leistungs- wie Hobbysportler legen sich GPS-Fitness-Tracker auf ihren Lauf- und Radrouten an, Besitzer teurer Autos oder Koffer mit wertvollen Inhalten statten ihr Eigentum mit GPS-Ortungsgeräten samt Sender aus, damit es nach einem Diebstahl wieder gefunden werden kann, und manche besorgte Eltern begleiten via GPS ihre Kinder auf Schritt und Tritt – obwohl das Kind nicht unbedingt dort ist, wo sich das GPS-Gerät befindet.

Auch der Wirtschaft bringt GPS Vorteile

Selbst für Tiere gibt es GPS-Empfänger, um sie nach einem Entlaufen aufspüren zu können, und auch Wanderer schätzen die Vorteile der Technik, wiewohl sie wissen, dass eine großformatige Papier-Wanderkarte die Tourenplanung mehr als jedes Zoomen am elektronischen Gerät erleichtert – und unterwegs zudem ohne geladenen Akku auskommt. Der Wirtschaft bringt GPS ebenfalls Vorteile, etwa in den Bereichen Logistik und Spedition, es nimmt den Beschäftigten in den Fahrzeugen aber manche Trucker-Freiheit weg. Unter ganz strenger Kontrolle stehen freigelassene Straftäter, die Justizbehörden zur Sicherheit mittels einer elektronischen Fußfessel und GPS überwachen, und zwar zentral von Weiterstadt bei Darmstadt aus.

Dass das von den USA ursprünglich nur für das Militär erdachte GPS eine derart große Verbreitung finden konnte, ist zum großen Teil der entgeltfreien Bereitstellung zu verdanken. Die Entscheidung dazu fiel nach dem Abschuss eines koreanischen Passagierflugzeugs wegen Verletzung des Luftraumes durch die sowjetische Luftwaffe im Jahr 1983. Der Pilot hatte sich schlicht verflogen – was die Sinnhaftigkeit einer absolut präzisen Ortsbestimmung auch für zivile Nutzer deutlich werden ließ.

30 GPS-Satelliten umkreisen die Erde

Der damalige US-Präsident Reagan verkündete, dass das GPS-System, an dem die USA seit 1973 arbeiteten, nach seiner Fertigstellung für die Allgemeinheit freigegeben werden solle. Nach der offiziellen Inbetriebnahme in voller Funktionsfähigkeit 1995 erzeugten die US-Behörden aber noch fünf Jahre lang eine künstliche Ungenauigkeit bei nicht militärischer Nutzung, was Abweichungen von mehr als 100 Metern zur Folge hatte.

Inzwischen umkreisen, immer noch gesteuert vom US-Verteidigungsministerium, 30 GPS-Satelliten in 20.000 Kilometern Höhe auf sechs Umlaufbahnen die Erde. Je mehr Signale von unterschiedlichen Satelliten an einem Ort verfügbar sind, desto genauer ist die Positionsangabe. Übliche Privatgeräte können Funkdaten von bis zu 12 Satelliten empfangen, für hinreichend genaue Ergebnisse ist eine ungestörte Verbindung im Freien zu wenigstens drei oder vier Satelliten erforderlich.

Galileo seit 2016 in Betrieb

Obwohl GPS als Synonym für das globale Navigieren gilt, ist es nicht das einzige satellitengestützte Navigationssystem. Eine Alternative bieten die EU mit Galileo, Russland mit Glonass und China mit Beidou. Viele moderne Smartphones unterstützen diese Systeme bereits, greifen in der Regel aber nur ergänzend auf sie zu, wenn keine starken GPS-Signale – etwa im dichten Wald – am Gerät ankommen. Das europäische Großprojekt Galileo ging, nach technischen Rückschlägen und langem Streit um die milliardenschwere Finanzierung, Ende 2016 in Betrieb und ist inzwischen fast voll funktionsfähig. Seine Besonderheit: Es liegt nicht in der Hand von Militärs.

Der Kalender

DIE RHEINPFALZ feiert dieses Jahr ihren 75. Geburtstag. In diesem Kalender erinnern wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, jeweils an ein besonderes Ereignis aus den vergangenen 75 Jahren.
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