Bornheim RHEINPFALZ Plus Artikel Hornbach: Corona verstärkt Lust auf Werken in Haus und Garten

Die corona-bedingten Beschränkungen haben bei vielen die Lust aufs Werken in Haus und Garten geweckt. Das Bild wurde im April au
Die corona-bedingten Beschränkungen haben bei vielen die Lust aufs Werken in Haus und Garten geweckt. Das Bild wurde im April aufgenommen, als Bau- und Gartenmärkte nach kurzer Schließzeit wieder öffnen durften.

Pandemiebedingte Schließungen haben dem Bau- und Gartenmarkt-Konzern Hornbach bisher nicht das Geschäft verhagelt. Im Gegenteil. Im Branchenvergleich sind die Pfälzer überdurchschnittlich stark gewachsen. Vor Weihnachten ist ein Produkt ungewöhnlich stark nachgefragt.

Die Beschränkungen für die Menschen, die Aufforderung, möglichst wenige Kontakte zu haben und zu Hause zu bleiben, haben bei Vielen ein neues Bewusstsein für Haus und Garten geschaffen, sagt Erich Harsch, seit Januar Vorstandschef der Hornbach Baumarkt AG, dem größten Teilkonzern der Hornbach-Gruppe, im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Ich glaube auch, dass dies noch eine Weile anhalten wird“. Im Frühjahr hätten viele Kunden Farben zum Streichen von Haus und Wänden gekauft. Erstaunlich sei, dass auch jetzt in der kälteren Jahreszeit sehr viele Farben verkauft werden. Und nicht nur das: Pools und Grills waren und sind ebenfalls stark nachgefragt. „Wir haben uns gewundert, wie viele Grills jetzt vor Weihnachten verkauft wurden“, sagte Harsch.

Auch wenn die Märkte in Deutschland zum zweiten Mal für Privatkunden geschlossen bleiben, gibt es für die Mitarbeiter „unheimlich viel zu tun“. Nach den vielen Einkäufen vor der Schließung müsse viel Ware in Regalen aufgefüllt werden. Zudem bedeute die Umstellung auf die ab 1. Januar wieder höheren Mehrwertsteuersätze viel Arbeit. Um die stark gestiegene Nachfrage in den Onlineshops zu bedienen, haben einige Mitarbeiter aus den Märkten dieses Geschäft verstärkt. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2020/21 (Ende Februar) hat das Onlinegeschäft konzernweit um etwa zwei Drittel zugelegt. Einen regelrechten Push habe die Pandemie dem Reservier- & Abholservice beschert, sagte Harsch. Dies ist derzeit auch in Rheinland-Pfalz weiter möglich. Die vergangenen Monaten sind aus Sicht des Vorstandschefs, der zuvor zwölf Jahre an der Spitze des Karlsruher Drogeriemarkt-Konzerns DM stand, die perfekte Beweisführung dafür, dass ein gelungenes Sowohl-als-Auch beim Verkauf übers Internet oder im Markt die richtige Lösung ist. Die Schwarz-Weiß-Malerei – hier Online, da vor Ort – sei nicht richtig.

1000 Euro Prämie für die Mitarbeiter

Bleiben die Märkte geschlossen, sei es aber auch Gelegenheit, die vielen Mehrstunden abzubauen, die gerade im Frühjahr angesichts der starken Kundenfrequenz aufgebaut worden seien. Als Anerkennung für die schwierigere Arbeit in den vergangenen Monaten hat Hornbach jedem Markt-Mitarbeiter insgesamt 1000 Euro an Prämie gezahlt. Die Menschen sollen am Erfolg des Unternehmens beteiligt werden, sagte Harsch. Zudem habe man die Märkte ermunter, das lokale Umfeld zu unterstützen und so Mittel in die Gesellschaft zurückfließen zu lassen. Staatliche Hilfe, wie Kurzarbeitergeld, habe Hornbach in Deutschland nicht in Anspruch genommen. „Das sollen diejenigen bekommen, die es nötig brauchen. Wir kommen mit Bordmitteln zurecht“, sagte Erich Harsch. Baumärkte nicht ganz zu schließen, hält der Vorstandschef für richtig und notwendig. Solche Märkte hätten eine gewisse Systemrelevanz. Etwa, wenn jetzt zu Hause etwas kaputt gehe und dringend ersetzt werden müsse.

Bereits im Frühjahr sei klar gewesen, dass in erster Linie Mitarbeiter und Kunden geschützt werden müssen. Wichtig sei es gewesen, dies schnell und gut zu machen. „Die Kostenfrage war dabei zweitrangig“, sagte Harsch. Dabei seien Baumärkte gegenüber anderen Händlern im Vorteil gewesen, weil sie über alle Materialien verfügten, die dafür benötigt wurden. Die Baumarktbranche sei auch die erste gewesen, die solche Konzepte in diesem Jahr umgesetzt hätte.

Operatives Ergebnis schnellt nach oben

Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2020/21 kletterte der Gesamtumsatz um 20,3 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro; von März bis Ende November um 20,2 Prozent auf 4,50 (Vorjahr: 3,74) Milliarden Euro, teilte der Konzern am Dienstag mit. Das operative Ergebnis schnellte in den ersten neun Monaten um mehr als 67 Prozent nach oben – auf 402,5 Millionen Euro.

Im größten operativen Teilkonzern, der Hornbach Baumarkt AG, der Ende November 161 großflächige Märkte sowie Onlineshops in neun europäischen Ländern betrieb, stieg der Nettoumsatz vom März bis Dezember um 20,7 Prozent auf 4,224 (3,45) Milliarden Euro. Flächen- sowie währungskursbereinigt wuchs der Umsatz um 19,5 Prozent

„Mit dem bisherigen Geschäftsverlauf können wir uns sehr glücklich schätzen. Letztlich ist er auch ein Spiegelbild des seit Corona deutlich veränderten Kundenverhaltens. Das schöne und sichere Zuhause ist nunmehr stark in den Lebensmittelpunkt gerückt. Der tägliche Bedarf an DIY-Produkten und Beratung ist sehr groß. Und zwar nicht nur, weil tropfende Wasserhähne oder kaputte Elektrik repariert werden müssen, sondern auch, weil das Heimwerken eine sinnvolle Beschäftigung im alternativarmen Krisenmodus ist“, sagte Albrecht Hornbach, Vorstandsvorsitzender der Hornbach Management AG, der Vollhafterin der Hornbach Holding AG & Co. KGaA.

Ende November beschäftigte Hornbach konzernweit 23.083 Mitarbeiter, darunter in 12.813 in Deutschland. In Rheinland-Pfalz arbeiten 2696 Menschen für Hornbach, der überwiegende Teil davon – 2245 – in der Pfalz.

Erich Harsch
Erich Harsch
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