Energie RHEINPFALZ Plus Artikel Großprojekt der Batteriezellfertigung: Neustart für die Autoindustrie

Das ACC-Werk bei Lille im Nordwesten Frankreichs.
Das ACC-Werk bei Lille im Nordwesten Frankreichs.

In Nordfrankreich ist das Schwesterwerk der künftigen Batteriezellfertigung in Kaiserslautern eingeweiht worden. Das gemeinsame europäische Großprojekt soll ein Meilenstein sein auf dem Weg zum klimafreundlichen Autofahren.

Ab dem Jahr 2025 sollen in Kaiserslautern Batteriezellen gefertigt werden. Die Automotive Cells Company (ACC) beginnt in der Pfalz nach dem Rückbau früherer Opel-Hallen in den kommenden Wochen mit den Arbeiten an einer sogenannten Gigafactory, wie das Unternehmen die Fabriken bezeichnet. Am Dienstag ist in Douvrin, etwas südwestlich von Lille, die erste von drei ACC-Fabriken eingeweiht worden – es folgen Kaiserslautern und Termoli, Italien.

Bis im nordfranzösischen Werk die Serienproduktion von Batteriezellen und -modulen beginnt, dauert es aber noch. Gegen Ende des Jahres soll die Serienfertigung laufen, war am Rande der Veranstaltung zu erfahren.

Projekt europäischer Großkonzerne

Zur Feierstunde am Dienstag waren die Vorstandsvorsitzenden der an ACC beteiligten Unternehmen in das Werk zwischen den Dörfchen Douvrin und Billy-Berclau gekommen. „Hausherr“ Yann Vincent, Generaldirektor von ACC, sprach von einem „großartigen, aber schwierigen Projekt“ für saubere Mobilität in Europa. So sei 2021 das Forschungszentrum eingeweiht worden, ein Jahr darauf die Pilotfertigungsanlage und nun eben die erste Fabrik. An ACC sind die Konzerne Total Energies/Saft, Stellantis und Mercedes-Benz beteiligt.

Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender von Mercedes-Benz, sprach davon, dass nachhaltige Mobilität so wichtig sei wie nie zuvor – denn weltweit würden immer mehr Menschen den Individualverkehr für sich entdecken. Vor diesem Hintergrund müsse Europa das Herz der Automobilindustrie bleiben.

Aufruf zu noch mehr Zusammenarbeit

Und genau dafür sei die Batteriezellfertigung extrem wichtig. Die Zusammenarbeit habe den beteiligten Unternehmen schon jetzt viel gebracht, sagte Carlos Tavares, Vorstandsvorsitzender von Stellantis: „Es tut gut zu sehen, dass, wenn es in der Welt so viele Schwierigkeiten gibt, auch etwas gemeinsam gelingen kann.“ Den Umbau der Unternehmen hin zur CO 2 -neutralen Mobilität müsse man den Mitarbeitern erklären: „Noch leben wir in der alten Welt, aber das müssen wir ändern.“ Als wichtigen Tag für die Autoindustrie bezeichnete der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire die Einweihung des Werks. Dieses gebe einen Einblick in die zukünftige industrielle Welt – sauber, leistungsfähig und nachhaltig.

Wie bei ACC sollten die Länder auch in anderen Branchen zusammenarbeiten, forderte Le Maire. Endlich habe sich in Europa die Idee durchgesetzt, dass nicht nur Länder wie China oder die USA Industrien finanziell unterstützen können – das sei lange Zeit ein Tabu gewesen. Le Maire: „Das ist nur ein Anfang für eine Reindustrialisierung in Europa.“

Das Laden muss einfach sein

Für die Bundesregierung sprach Verkehrsminister Volker Wissing (FDP), der als Ziel formulierte, dass man in Europa Spitzenreiter in der Batteriezellforschung werden müsse. Es sei eine gemeinsame Herausforderung, die CO 2 -Emissionen so schnell wie möglich zu reduzieren: „Elektrotechnik ist eine Technik, die wir dafür benutzen.“ Bis 2030 sollen auf deutschen Straßen 15 Millionen Elektro-Fahrzeuge unterwegs sein: „Dafür muss das Laden so einfach sein wie zu tanken.“

Mit Blick auf die Ladeinfrastruktur für E-Mobilität, sagte Bundesverkehrsminister Volker Wissing im Anschluss der Veranstaltung zur RHEINPFALZ: „Wir sind dabei, entlang von Fernstraßen ein Schnellladenetz aufzubauen und die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur unterstützt die Kommunen dabei, zu erkennen, wo es echten Bedarf an Ladesäulen gibt.“

Ladesäulen müssen schnell verfügbar sein

Es gehe nicht darum, planlos Ladesäulen zu platzieren. Wissing ist außerdem wichtig, dass Autofahrer nicht lange auf eine Ladesäule warten müssen. Eine größere Herausforderung für die E-Mobilität werde jedoch das Stromnetz, das es zügig auszubauen gelte. Er rechne mit einem steilen Anstieg der Elektromobilität in den kommenden Jahren, weshalb auch das Stromnetz exponentiell wachsen müsse. Da seien die Netzbetreiber gefragt, denen mit Daten der Nationalen Leitstelle geholfen werde.

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