Mainz RHEINPFALZ Plus Artikel Glasherstellung: Schott gelingt Wasserstofftest

In einer mobilen Station auf dem Schott-Gelände wird der Wasserstoff dem Erdgas beigemischt. Die Stadtwerke Mainz werden den Con
In einer mobilen Station auf dem Schott-Gelände wird der Wasserstoff dem Erdgas beigemischt. Die Stadtwerke Mainz werden den Container bald bei einem Papierhersteller in Mainz-Kostheim einsetzen.

Auf dem Weg zur Klimaneutralität hat der Mainzer Spezialglashersteller Schott AG einen ersten großtechnischen Einsatz von Wasserstoff in einer laufenden Produktion erfolgreich abgeschlossen.

Bis zu 35 Prozent Wasserstoff wurden dem Erdgas beigemischt, mit dem Schott üblicherweise Schmelzwannen für die Glasherstellung betreibt. Schulte sprach von einem weltweiten Pionierprojekt, denn noch nie sei Wasserstoff im großindustriellen Maßstab in der laufenden Produktion getestet worden. Der Brennwert von Wasserstoff beträgt nur ein Drittel des Gas-Brennwerts. Deshalb war es eine technische Herausforderung, die hohen Temperaturen von rund 1700 Grad Celsius konstant zu halten. In dem seit November laufenden Versuch wurden die Mengen des beigemischten Wasserstoffs nach und nach erhöht. Die Qualität des erzeugten Glases werde noch genau untersucht, erste Ergebnisse seien positiv, sagte Schulte. Er ist im Vorstand für die Dekarbonisierung, den Ausstieg aus fossilen Energieträgern, zuständig.

Für den Test war im November ein 47 Tonnen schwerer Gastank auf dem Betriebsgelände in Mainz aufgestellt worden, der zweimal täglich per LKW mit Wasserstoff befüllt wurde. Für den 100-prozentigen Einsatz von Wasserstoff wären sechs LKW täglich nötig, was nach Unternehmensangaben schon aus Gründen der Sicherheit nicht praktikabel wäre. Perspektivisch sei eine Pipeline für Wasserstoff nötig, an die Schott angeschlossen werden könne, sagte Schulte. Der Versuch, dem weitere folgen sollen, habe gezeigt, dass die Veränderung der Technologie möglich sei.

Mobile Mischstation

Die Stadtwerke Mainz haben für den Testbetrieb eine mobile Mischstation errichtet, die nun für ein weiteres Versuchsprojekt zu einem Papierhersteller nach Mainz-Kostheim gebracht werde. Erfahrung haben die Stadtwerke, weil sie seit 2015 selbst einen Elektrolyseur betreiben, mit dem aus regenerativ erzeugtem Strom etwa 200 bis 400 Tonnen Wasserstoff pro Jahr hergestellt werden. Nach den Worten von Stadtwerke-Vorstandschefs Daniel Gahr mischt das Unternehmen bis zu 10 Prozent Wasserstoff in das Erdgasnetz des Vorortes Mainz-Ebersheim. Der Wasserstoffbedarf alleine der BASF beträgt nach früheren Angaben 250.000 Tonnen im Jahr – der Einsatz von Technologien zur Dekarbonisierung nicht mitgerechnet.

Schott will bereits 2030 klimaneutral produzieren

Das Projekt bei Schott kostete 700.000 Euro, wovon das rheinland-pfälzische Umweltministerium die Hälfte übernommen hat. Umweltministerin Katrin Eder (Grüne) sprach von einem „Hoffnungstropfen“ auf dem Weg zur Klimaneutralität. Rheinland-Pfalz will ab 2040 kein klimaschädliches CO2 mehr ausstoßen. Dazu hat die Regierung jüngst eine Wasserstoffstudie vorgestellt.

Schott will bereits 2030 klimaneutral produzieren. 60 Prozent der CO2-Emissionen sei durch den Umstieg auf Grünstrom eingespart worden. Unter Laborbedingungen werde erforscht, ob Schmelzwannen auch mit Strom zu betreiben seien, sagte Schulte. Durch technologischen Wandel, wozu der Umstieg auf Wasserstoff gehört, und Energieeffizienz soll CO2 gespart werden. Dafür investiere das Unternehmen einen zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr.

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