Landau
Generationenwechsel bei Wellpappenhersteller Progroup
Vor 30 Jahren startete im südpfälzischen Offenbach eine Erfolgsgeschichte. Jürgen Heindl nahm sein erstes Wellpappformatwerk in Betrieb. Mittlerweile sind elf weitere sowie drei Papierfabriken, ein Heizkraftwerk und ein Logistikunternehmen hinzugekommen. Der 67-Jährige hatte früh erkannt, dass die Verpackungsindustrie eine Wachstumsbranche ist. Der zunehmende Online-Handel lässt das Geschäft boomen. Aktuell hat das Unternehmen knapp 1700 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2021 mit seinen Produktionsstandorten in Deutschland, Frankreich, Tschechien, Polen, Großbritannien und Italien einen Umsatz von über 1,3 Milliarden Euro. Dabei hält das Familienunternehmen an seinen Wurzeln in den Region fest, gerade wird für 90 Millionen Euro ein neues Wellpappformatwerk zwischen Petersberg und Höheischweiler in der Südwestpfalz gebaut. Die Firmenzentrale ist in Landau.
„Es ist mein Lebenswerk, ich habe die Progroup mit viel Herzblut aufgebaut“, sagt der Firmengründer. Der zentrale Gedanke dahinter sei immer die „Kraft der Innovation“ gewesen – nachhaltige, hochmoderne Technologien, automatisierte Arbeitsabläufe, enge Kooperationen mit Partnerbetrieben der Verpackungsbranche. Andere würden vielleicht an ihrem Chefposten kleben bleiben, Jürgen Heindl findet das Neue befruchtend. Deswegen verkündete das Unternehmen schon vor drei Jahren, dass Sohn Maximilian zum Jahreswechsel 2022/2023 in die Fußstapfen seines Vaters treten wird und den Vorstandsvorsitz der nicht börsennotierten Aktiengesellschaft übernimmt. Jürgen Heindl widmet sich künftig der JH Holding, die Mehrheitsaktionär der Progroup ist, sich aber hauptsächlich als Denkfabrik und Plattform für Philanthropie und Charity versteht. „Wir wollen der Gesellschaft etwas zurückgeben“, sagt der 67-Jährige, der dafür zusammen mit seiner Frau Herta einen neuen Firmensitz in einem alten Weingut in Neustadt beziehen wird.
Generationenwechsel von langer Hand geplant
Ins operative Geschäft einmischen will er sich nicht, nur Ratgeber sein, wenn er gefragt wird, macht er die neue Kompetenzverteilung deutlich. Sein 39-jähriger Sohn ist mit dem Unternehmen gewachsen, schon als Kind war er von den Fabrikhallen und Maschinen fasziniert. 2016 stiegt der Wirtschaftsingenieur bei der Progroup ein. Die Balance zwischen Kontinuität und Wandel zu schaffen, sieht er als seine Aufgabe. Sprich, die Werte des Familienunternehmens vertreten und den Wachstumskurs vorantreiben. Dabei streben die Südpfälzer immer nach Technologieführerschaft. Die Anlagen der Progoup fahren regelmäßig Größen- und Produktivitätsrekorde ein. „Die Papierindustrie ist energieintensiv. Deswegen ist es uns wichtig, mit hochmodernen Anlagen Umwelt und Ressourcen zu schonen und Dinge wieder aufzuarbeiten“, macht der zweifache Familienvater deutlich, dass es ihm ebenso wie seinem Vater darum gehe, das Unternehmen „enkelfähig“ aufzustellen.
Auch sein jüngerer Bruder Vinzenz Heindl ist in das Familienunternehmen eingestiegen. Vor zwei Jahren gründete der 32-jährige Psychologe die Professionals Academy, die unter dem Dach der JH Holding agiert. Diese will eine Plattform für die Partnerunternehmen der Progroup sein, ebenfalls zum Großteil Familienunternehmen, um sie in Fragen der Unternehmensführung und Nachfolge zu unterstützen. Wie bei all seinen Standorten setzt die Progroup auch in der Südwestpfalz auf die Verzahnung mit einem Verpackungshersteller in direkter Nachbarschaft. Der Verpackungspark in Petersberg entsteht durch die Kooperation mit G & G Preißer. In Frankreich und Italien werden auch bald neue Werke aus dem Boden gestampft. Die Planung ist in der Endphase. Von kurzfristigen Marktentwicklungen lässt sich die Progroup nicht beeinflussen, das Familienunternehmen setzt auf Langfristigkeit. „Wir haben eine rollierende Zehnjahresplanung. Wir wissen heute schon genau, was wir 2030 tun werden“, sagt Jürgen Heindl. So wie auch der Generationenwechsel von langer Hand geplant war.