Verkehr RHEINPFALZ Plus Artikel Fahrplanwechsel bei der Bahn: Mehr Züge und viele Baustellen

Noch hat auch der Aushang-Fahrplan nicht ausgedient. Mitte Dezember gibt es einen neuen.
Noch hat auch der Aushang-Fahrplan nicht ausgedient. Mitte Dezember gibt es einen neuen.

Mit dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember bietet die Deutsche Bahn mehr schnelle und direkte Verbindungen an. Weniger schön ist, dass die Fahrten teils länger dauern.

„Schneller, direkter, häufiger“ – so will der verantwortliche DB-Konzernvorstand Michael Peterson mehr Reisende für den Fernverkehr auf der Schiene gewinnen. Vor allem die milliardenteure ICE-Piste Wendlingen-Ulm, die im Dezember mit drei Jahren Verspätung eröffnet wird, und eine Rekordanzahl an neuen Highspeed-Zügen sollen die Bahn attraktiver machen. „Allein 2023 werden 37 neue ICE in Betrieb gehen, so viel wie noch nie in einem Jahr“, kündigte Peterson an. Erstmals kommt ab Mitte Dezember der neue ICE 3neo zwischen Dortmund, Köln und Frankfurt zum Einsatz. Wegen mehrerer Großbaustellen verlängert sich allerdings auch die Fahrzeit von Hamburg nach Frankfurt um 40 Minuten, die von Berlin nach Dresden um 20 Minuten.

Bis 2029 will der größte Staatskonzern 10 Milliarden Euro in Ausbau und Modernisierung der Flotte investieren und den Deutschlandtakt umsetzen, der bundesweit wieder viel mehr leistungsfähige Zugverbindungen schaffen soll, nachdem über Jahrzehnte das Streckennetz schrumpfte und vor allem in der Fläche vernachlässigt wurde. Eine Folge davon ist ein gewaltiger Sanierungsstau, der für lange Zeit zu einer Flut von Baustellen und massiven Verspätungen und Ausfällen im Zugverkehr führt. Im Sommer kamen nicht einmal mehr drei von fünf DB-Fernzügen halbwegs pünktlich ans Ziel.

Fokus auf Geschäftsreisenden

Vor allem auf den viel genutzten Rennstrecken will der Konzern mit zusätzlichen Angeboten punkten, nicht zuletzt bei Geschäftsreisenden. Das Sitzplatzangebot zum Frankfurter Flughafen wächst um bis zu 60 Prozent, unter anderem durch die Verlängerung der ICE-Linie Basel-Köln-Dortmund bis nach Hamburg. Damit kommen auch Reisende aus Münster, Osnabrück und Bremen noch häufiger umsteigefrei zum größten deutschen Airport. Eingesetzt werden weitere neue ICE 4 im XXL-Format mit Platz für 918 Reisende in 13 Wagen. So biete man eine umweltfreundliche Alternative zu innerdeutschen Kurzstreckenflügen, sagte Peterson. Erfreulicherweise hätten bereits viele Unternehmen ihre Reiserichtlinien angepasst, damit die Bahn häufiger auf Geschäftsreisen genutzt wird.

Mit Inbetriebnahme der neuen Schnellfahrstrecke Wendlingen-Ulm im Dezember soll sich die Reisezeit zwischen Stuttgart und München um rund 15 Minuten verkürzen und das tägliche Angebot zwischen den beiden Landeshauptstädten um rund 20 auf 90 Fahrten ausgebaut werden. So würden auch die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Bayern noch schneller und häufiger miteinander verbunden, sagte Peterson. Künftig können Fahrgäste zweimal pro Stunde umsteigefrei zwischen Köln und München reisen. Die ICE-Linie Dortmund/Düsseldorf–Stuttgart über Köln und Mannheim wird bis Ulm, Augsburg und München verlängert.

Für Städte-, Geschäfts- und Urlaubsreisen werden auch die Verbindungen ins europäische Ausland erweitert. Mit ihren Partnerbahnen stockt die Deutsche Bahn AG zum Beispiel die Direktverbindungen zwischen Stuttgart und Zürich ab Oktober 2023 von 8 auf bis zu 13 tägliche Fahrten auf. Zum Einsatz kommen doppelstöckige Intercityzüge. Berlin und Warschau wollen die DB und die polnische PKP ab März 2023 mit einem zusätzlichen sechsten Zugpaar verbinden; die Fahrzeit soll sich ab Dezember bei allen Fahrten um rund zehn Minuten verkürzen.

Kooperation mit den ÖBB

Im Nachtreiseverkehr profitieren Fahrgäste vom Engagement der Österreichischen Bundesbahnen, nachdem die DB ihre Schlafwagen komplett aufgegeben hat und nur noch Nachtzüge mit Sitzplätzen fährt. Teils werden auch Intercity-Sitzwagen bei ÖBB-Nachtzügen angekoppelt wie auf der neuen Linie von Zürich nach Berlin und Prag, die auch in Erfurt, Halle und Leipzig halten wird. Insgesamt sollen weitere 12 deutsche Städte direkten Anschluss an Nachtzüge in europäische Ausland bekommen.

So ändert der bestehende Nachtzug Zürich–Hamburg ab dem Fahrplanwechsel im Norden seine Route und bindet dann auch Bruchsal, Heidelberg, Darmstadt, Hanau, Verden und Nienburg an den internationalen Nachtzugverkehr an. Zudem startet der bisherige Nachtzug München-Venedig/Rijeka/Zagreb/Wien/Budapest künftig bereits in Stuttgart und bietet nach dem Fahrplanwechsel zusätzliche Halte in Göppingen, Ulm und Augsburg.

Die aktuelle Auslastung im DB-Fernverkehr beträgt laut Peterson rund 55 Prozent. In den Corona-Jahren waren die Fahrgastzahlen tief eingebrochen. In diesem Jahr sollen rund 130 Millionen Reisende befördert werden, bis 2030 sollen es doppelt so viele sein.

Info

Infos und Fahrkarten zum neuen Fahrplan gibt es ab Mittwoch, 12. Oktober, auf bahn.de, im DB Navigator, in DB Reisezentren und DB Agenturen sowie an DB Automaten.

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